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Mundtrockenheit und Halsschmerzen

Maske macht Probleme

Seit ein paar Monaten gibt es einen weiteren Urheber für Mundtrockenheit und Heiserkeit: der Mund-Nasen-Schutz. Ansonsten gehen freilich Beschwerden in Mund und Rachen meist auf eine sich anbahnende Erkältung zurück. In jedem Fall gilt es, die gereizten Schleimhäute zu beruhigen.
Michelle Haß
30.10.2020  17:00 Uhr

Wer gezwungen ist, seinen Mund-Nasen-Schutz (MNS) über mehrere Stunden tragen zu müssen, bekommt nicht selten Probleme; das wissen Apotheker aus eigener Erfahrung nur zu gut. Wer das dauerhafte Tragen nicht gewohnt ist, dem fällt es nach einiger Zeit oft schwer, wie gewohnt weiter durch die Nase zu atmen. Stattdessen beginnen Betroffene meist unbewusst durch den Mund zu atmen, um so besser Luft zu bekommen. Dies trocknet jedoch die Schleimhäute aus, die Zunge klebt am Gaumen, Betroffene werden heiser oder von Halsschmerzen geplagt. Regelmäßiges Trinken wird vernachlässigt. Zusätzlich sind Träger eines MNS oft gezwungen, lauter zu sprechen, damit der Gegenüber das Gesagte überhaupt versteht. Das strapaziert den Hals erst recht.

Neben der neuen Gesichtsbedeckung sind es in der Regel Erkältungsviren, die den Schleimhäuten im Mund- und Rachenraum ganz schön zusetzen. Dann gilt es, die Schleimhäute ausreichend feucht zu halten. Dafür viel trinken, vorzugsweise Wasser und Tee. Zuckerhaltige und alkoholische Getränke sind weniger geeignet, da sie die Schleimhäute zusätzlich austrocknen. Auch Kaffee und manche Teesorten wie Kamillentee haben diesen Effekt. Regelmäßiges Stoßlüften und ein Raumbefeuchter sorgen vor allem während der Heizperiode für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit innerhalb geschlossener Räume. Weiterer Tipp: Bei beginnender Heiserkeit die Stimme, sofern möglich, schonen. Auf keinen Fall flüstern, denn das strapaziert zusätzlich. Raucher sollten auf den Tabakkonsum verzichten.

Reiz mildern

Neben diesen Allgemeinmaßnahmen können Betroffene auf verschiedene medikamentöse Optionen zum Befeuchten der Schleimhäute zurückgreifen. Präparate mit Schleimstoff-haltigen Drogen wie Eibisch (wie Phytohustil®), Spitzwegerich (wie Plantago® Hustensaft, Eucabal® Hustensaft), Primelwurzel (wie Ipalat® Halspastillen) oder Isländisch Moos (wie Isla Moos®) befeuchten die Schleimhäute zusätzlich, indem sie den Speichelfluss anregen und mucilaginös wirken. Die in den Schleimstoffen enthaltenen Polysaccharide bilden mit dem Speichel eine Art Schutzfilm, der sich über die Schleimhaut legt. Das unangenehme Kratzgefühl wird gemindert und entzündete Epithelzellen vor weiteren Reizen geschützt. Entsprechende Präparate sind in Form von Lutschtabletten und Bronchialpastillen sowie als Saft und Sirup erhältlich. Nach Möglichkeit auf Darreichungsformen zum Lutschen zurückgreifen, da dies den Speichelfluss zusätzlich anregt.

Eine befeuchtende Wirkung versprechen auch Halstabletten mit Hyaluronsäure (wie Isla® med akut/voice, GeloRevoice®). Diese bindet beim Lutschen Feuchtigkeit und bildet zusammen mit enthaltenen Gelbildnern wie Carbomeren und Xanthan – abhängig von der Werbesprache des jeweiligen Hersteller - einen »Hydrogel-Komplex« oder ein »Hydrodepot«. Dieser legt sich ebenso wie die pflanzlichen Schleimstoffe schützend auf die Schleimhaut. Die meisten Präparate sind bereits ab sechs Jahren zugelassen und somit auch für Kinder geeignet. Häufig beliebt sind außerdem salzhaltige Arzneimittel entweder als Inhalationen in Form von Dampfbädern oder als Lutschtabletten (wie Emser® Pastillen, -Salz). Das soll neben der Befeuchtung der Schleimhäute durch die leicht hypertone Konzentration abschwellend auf die Schleimhäute wirken.

Viele Leidgeplagte empfinden zudem Wärme beispielsweise in Form eines Halswickels (wie Medivital® Wärmeschal) als wohltuenden. Ebenso Inhalationen von Dampfbädern mit zum Beispiel Salbei oder Thymian. Solche Zusätze sollten keinen Alkohol enthalten, da dieser die Schleimhäute austrocknet. Vorsicht mit ätherischen Ölen bei Allergikern, Asthmatikern und Kindern: Bestimmte Inhaltsstoffe (Menthol, Campher, Cineol) können die Schleimhäute stark reizen und unter Umständen sogar Verkrampfungen des Kehlkopfes mit Atemnot hervorrufen. Im Handel sind spezielle Präparate erhältlich, die auch für Kinder geeignet sind (zum Beispiel Transpulmin® für Kinder ab sechs Jahren, Babix® Inhalat N ab zwei Jahren).

Schmerzen bekämpfen

Stehen Schmerzen im Vordergrund, können Arzneimittel mit Analgetika oder Lokalanästhetika Abhilfe verschaffen. Letztere haben den Nachteil, dass sie zwar zeitweise Schmerzen im Hals lindern, doch weder einen entzündungshemmenden Effekt haben, noch die Heilung beschleunigen. Zudem ist ihre Wirkdauer beschränkt, sodass etwa alle drei Stunden erneut eine Lutschtablette eingenommen werden sollte. Die Tageshöchstdosis beträgt meist sechs Stück. Als Wirkstoffe werden Benzocain (wie Dolo-Dobendan®, Anaesthesin Pastillen) oder Lidocain allein oder in Kombination mit desinfizierenden Wirkstoffen beziehungsweise Lokalantibiotika angewendet. Der Wirkstoff Ambroxol (zum Beispiel Mucoangin® Lutschtabletten) – eher als Wirkstoff gegen Husten bekannt – wirkt in hohen Dosen ebenfalls lokalanästhetisch. Gleichzeitig werden ihm schwach entzündungshemmende Eigenschaften nachgesagt.

Wie sinnvoll der therapeutische Einsatz von desinfizierenden Wirkstoffen wie Benzalkoniumchlorid (wie in Dorithricin®) oder Cetylpyridiniumchlorid (zum Beispiel in Dolo-Dobendan®) bei Halsschmerzen ist, ist nach wie vor umstritten. Sie sollen die Keimlast im Mund- und Rachenraum reduzieren, weshalb ihr Einsatz nur plausibel erscheint, wenn die Halsschmerzen wie bei einer Erkältung durch Krankheitserreger hervorgerufen werden und nicht auf andere Ursachen zurückzuführen sind. Den Einsatz von Lokalantibiotika wie Tyrothricin (wie in Lemocin® oder Dorithricin®) beurteilen Experten inzwischen nur noch in wenigen Ausnahmefällen als sinnvoll, da erkältungsbedingte Halsschmerzen meist durch Viren verursacht werden. Hinweis: Der Punkt »Tyrothricin zur Behandlung von Erkrankungen im Mund- und Rachenraum« steht im kommenden Januar auf der Tagesordnung des Sachverständigen-Ausschuss für Verschreibungspflicht. Ob es angedacht ist, diese Präparate der Verschreibungspflicht zu unterstellen, wird sich dann zeigen.

Als Schmerzmittel kommen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder alternativ Paracetamol in Frage. Sie sind gemäß Leitlinie Mittel der Wahl zur Behandlung von Entzündungs-bedingten Halsschmerzen. Bei einer peroralen Einnahme ist der Wirkeintritt jedoch verzögert, weshalb eine topische Anwendung von Vorteil ist. Das derzeit einzige NSAR, das in Deutschland für die topische Anwendung bei Halsschmerzen zugelassen ist, ist Flurbiprofen (wie Dobendan® Direkt, Flurbiangin). Es ist in Form von in Lutschtabletten ab einem Alter von 12 Jahren oder als Spray ab 18 Jahren erhältlich. Beide werden alle 3 bis 6 Stunden angewendet, jedoch maximal 5-mal am Tag. Beim Spray besteht eine Einzeldosis aus drei Sprühüben. Die Handhabung des Sprays kann gerade ältere Patienten überfordern, weshalb hier unter Umständen die Lutschtabletten vorzuziehen sind. Das Spray wird im hinteren Rachenbereich appliziert und darf nicht eingeatmet werden. Beim Sprühen also Luft anhalten!

Besondere Umstände

Bei der gerade zurückliegenden Expopharm Impuls sprach sich eine Expertenrunde noch wegen eines ganz anderen Grundes für den rationalen Einsatz von OTC-Arzneimitteln bei Halsschmerzen aus. »Der Unterschied der diesjährigen Erkältungssaison zur vorangegangen besteht darin, dass wir zusätzlich eine Coronavirus-Pandemie haben«, sagte etwa Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, wissenschaftlicher Leiter des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer, bei einer von Reckitt Benckiser unterstützten Veranstaltung. Halsschmerzen seien Ausgangspunkt für erkältungsbedingten Husten, der in der jetzigen Zeit besonders unbeliebt sei. Deshalb ginge es entscheidend darum, das Symptom Husten bei Erkältungen möglichst zu minimieren, indem man in das Entzündungsgeschehen der Halsschmerzen eingreife.

Auch Professor Dr. Attila Altiner, Allgemeinmediziner und Lehrstuhlinhaber an der Universitätsmedizin Rostock, betonte, dass es nicht darum ginge, eine unsinnige Überdiagnostik für die Ursachen der Halsschmerzen zu betreiben, sondern die wenigen schweren Verläufe zu finden, zu denen auch Covid-19 zähle. Somit habe die Beratung in der Apotheke eine zentrale Rolle. Dann können die sogenannten Red Flags bei Halsschmerzen (etwa Atemnot oder Coronavirus-bedingt Verlust beziehungsweise Störungen des Geruchssinns) ganz einfach niederschwellig erfasst werden.

 

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