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Berufspolitik

Maria Michalk: »Die ABDA hat Gewicht«

An wen richte ich meine politischen Interessen und welche Konflikte kommen dabei auf mich zu? Unter anderem um diese Fragen ging es bei der berufspolitischen Infoveranstaltung der ABDA. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Maria Michalk berichtete von ihrer Zusammenarbeit mit den Apothekern.
Jennifer Evans
09.05.2022  14:00 Uhr

Politik ist kein Wunschkonzert, sondern die »Kunst des Machbaren«. Das betonte ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening am vergangenen Freitag bei der berufspolitischen Infoveranstaltung der Standesvertretung in Berlin, zu der rund 30 junge Apothekerinnen und Apotheker aus dem ganzen Land kamen. Gemeinsam mit ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold und ABDA-Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz sowie dessen politischer Berater Ralf Denda stellte Overwiening die politische Arbeit der ABDA vor. Nach 2018 war es bereits die zweite Veranstaltung dieser Art.

Zunächst gaben die ABDA-Vertreter einen allgemeinen Überblick über die Satzung und Struktur, Aufgaben und Arbeitsweisen der Bundesvereinigung sowie über Möglichkeiten und Grenzen der Lobbyarbeit. Darüber hinaus ging es darum, wie Meinungsbildung funktioniert und der Prozess der Gesetzgebung abläuft. Eines der Ziele war es zu verdeutlichen, dass »nur über Politik zu reden« und »tatsächlich Verantwortung zu übernehmen« zwei sehr unterschiedliche Dinge sind, wie die ABDA-Präsidentin hervorhob.

»Wer nicht mitgestaltet, wird überrollt«

Die Vortragenden machten deutlich, wie sehr der politische Markt einem Tauschgeschäft zwischen Interessensvertretern und Politikern gleiche und wie zentral daher die Vertrauensarbeit sei. Unter anderem deswegen sei die Vernetzung und Kontaktpflege sowie die räumliche Nähe zum Bundesministerium für Gesundheit (BMG) so ausschlaggebend für die Standesvertretung.

»Wer nicht mitgestaltet wird überrollt«, das bestätigte auch die ehemalige Bundestagsabgeordnete und frühere gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU Maria Michalk. Sie berichtete an diesem Tag nicht nur über ihre Erfahrungen in der Gesundheitspolitik, sondern stellte sich auch den Fragen der jungen Apothekerinnen und Apotheker.

Auf die Frage, wie sie die Arbeit der ABDA im Vergleich zur Ärzte-Lobby wahrgenommen habe, antwortete Michalk: »Im Kreise der Interessensvertreter hat die ABDA Gewicht«. Als Begründung dafür führte sie gleich mehrere Argumente an. Die Apotheker seien »gut organisiert«, sprächen »nach außen mit einer Stimme« und seien zudem »ein verlässlicher Partner in der Willensbildung«. Michalk wies außerdem darauf hin, dass  die politischen Interessen einzelner Berufsvertreter bei ihrer Standesvertretung »in guten Händen« seien. Sie zeigte aber auch andere Wege auf, wie ein Input für künftige BMG-Gesetze möglich ist.

Botschaften richtig formulieren

Generell warnte Michalk davor, den Einfluss oder die Vernetzung von Lokalpolitikern zu unterschätzen. In diesem Zusammenhang nannte sie Beispiele, wie schon manche Impulse auch über die lokale Schiene »ganz schnell nach oben« gelangt seien. Daher appellierte sie daran, die eigenen Anliegen gewählt bei einzelnen Politikern zu platzieren, sprich lieber konsequent mit einer Handvoll von ihnen zu sprechen anstatt unzählige Abgeordnete mit demselben Thema zu bombardieren. Ihrer Erfahrung nach habe sich berufspolitisches Engagement immer gelohnt – ganz gleich, an welcher Stelle man damit beginnt.

Die Übersetzung der zentralen Botschaften des Berufsstandes ist aber nicht nur für das Gespräch mit den Politikern wichtig, sondern auch für die Öffentlichkeit und die Mitgliederorganisationen. Auf dem Weg, die berufspolitischen Ziele der Apotheker zu erreichen, gelte es, Konflikte immer wieder neu abzuwägen, so Schmitz. Dazu zählt er unter anderem die Balance zwischen Schnelligkeit und Einigkeit, Schnelligkeit und Gründlichkeit sowie Vertraulichkeit und Erfolgsberichte zu halten.

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