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Mundtrockenheit

Lockmittel für den Speichel

Freilich kann bei Nervosität oder einer verstopften Nase schnell mal die Spucke wegbleiben. Bei vielen älteren Menschen ist der Mund jedoch dauerhaft trocken. Was die Speicheldrüsen lahmlegt und welche Maßnahmen dazu beitragen, Abhilfe zu schaffen, fasst der Artikel zusammen.
Elke Wolf
25.02.2020  09:00 Uhr

Menschen empfinden zu wenig Speichel im Mund meist erst dann als ­unangenehm, wenn die natürliche Speichelproduktion um die Hälfte abgenommen hat. Unzureichend befeuchtete Schleimhautzellen gehen zugrunde. Erste Anzeichen sind trockene, aufgesprungene Lippen und ein ständiges Durstgefühl. Auch der Geschmack ist beeinträchtigt, denn je mehr Speichel fehlt, desto weniger Nahrung kann enzymatisch aufgeschlossen und zu den Geschmacksknospen transportiert werden. Außerdem fällt es den Patienten schwer zu essen, zu schlucken und zu sprechen. Selbst die Einnahme von Tabletten kann wegen des Schmerzes zur Qual werden. Fehlender Speichel macht sich dazu deutlich bei der Zahngesundheit bemerkbar. So leiden Menschen mit trockenem Mund häufiger unter Zahnbelag, Karies, Mundgeruch, Mundsoor und schlecht sitzenden Prothesen.

Die Drüsen in der Lippen-, Gaumen- und Wangenschleimhaut produzieren bei gesunden Menschen täglich bis zu 1,5 Liter Speichel. Das leicht schleimige Sekret hat zahlreiche Aufgaben. Beim Kauen, Schlucken und Sprechen dient es als Gleitmittel und durch seine Spülfunktion befreit es den Mund grob von Speiseresten und schädlichen Keimen. Gleichzeitig hält der Speichel die Mundschleimhaut feucht und benetzt die Zähne. Bicarbonat, Phosphat und Proteine können zahnschädigende Säuren neutralisieren und die Mineralstoffe Fluorid, Calcium und Phosphat dienen der Remineralisierung der Zähne. Immunglobulin A und die Enzyme Lysozym, Laktoferrin und Laktoperoxidase sorgen für die Infektabwehr. Seine Amylasen und Proteasen helfen bei der Zerkleinerung von Kohlenhydraten.

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, die die Speicheldrüsen versiegen lassen. So legen Bestrahlungen bei Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich die Speicheldrüsen regelrecht trocken, genauso aber auch Stress, Diabetes, Aids oder Mumps. Und eine spezielle Rheumaart, die Autoimmun­erkrankung Sjögren-Syndrom, beeinflusst sowohl die Speichel- als auch die Tränendrüsen.

Die häufigste Ursache der Xerostomie, wie Fachleute die Mundtrockenheit nennen, sind jedoch Medikamente. In der Tat kann ein trockener Mund bei mehr als 400 Arzneistoffen als Nebenwirkung auftreten. Vor allem, wenn die Arzneimittel dauerhaft eingenommen werden müssen, treten trockene Schleimhäute zutage. Werden Arzneimittel mit anticholinerger Haupt- oder Nebenwirkung miteinander kombiniert, addiert sich gar die anticholinerge Last und der Speichelfluss nimmt merklich ab. Kommt dann noch eine altersbedingte Reduktion der Speichelmenge hinzu, wird das Trockenheitsgefühl oft unerträglich.

An erster Stelle stehen Arzneistoffe, die über das zentrale oder periphere Nervensystem die Regulation der Speicheldrüsen beeinflussen, die also anticholinerg wirken. Dazu gehören vor allem Psychopharmaka wie Amitriptylin, Doxepin oder Venlafaxin, Antihistaminika wie Diphenhydramin oder Dime­tinden, Antihypertonika wie Clonidin (übrigens auch in Glaukom-Augentropfen) und Moxonidin, Nifedipin, manche ACE-Hemmer und Betablocker.

Wenn der trockene Mund auf das Konto von Arzneimitteln geht, können PTA und Apotheker zusammen mit dem Arzt prüfen, ob es eine medikamentöse Alternative gibt, die keine Auswirkungen auf die Speicheldrüsen zeigt. Manchmal ist es für die Patienten auch ein Trost, dass die Mundtrockenheit nur in der Anfangsphase einer Medikamenteneinstellung auftritt, etwa bei Clonidin oder Moxonidin.

Speichelersatzmittel

Ist das nicht möglich, können Speichel­ersatzmittel in Form von Mundspülungen, -gels oder -sprays oder auch Kaugummis die Beschwerden mildern. So bringen Präparate, die Cellulosederivate wie Carboxymethyl- (wie Glandosane®) oder Hydroxyethylcellulose (GUM® bioXtra® Feuchtigkeitsgel) enthalten, für etwa ein bis zwei Stunden Feuchtigkeit in den Mund. Verwendet werden aber auch Mucin-haltige Pflanzenextrakte des Santakrauts (Saliva® natura Pumpspray), Carageenan aus Meeresalgen (Saseem®) sowie Hyaluronsäure (Gelorevoice®, Isla® Med akut, Gelclair® Gel), die Feuchtigkeit binden und einen Gleitfilm im Mund ausbilden. Auch zusätzlich enthaltene Kalium-, Natrium-, Magnesium- oder Calciumsalze sollen die Speichelsekretion stimulieren können. Eine weitere Möglichkeit, den unangenehmen Beschwerden beizukommen: Dexpanthenol-haltige Lutschtabletten (Bepanthen® Lutschtabletten) regen den Speichelfluss an.

Antimikrobielle Enyzme wie Lysozym, Laktoferrin und Laktoperoxidase (Aldiamed®Gel, Lösung, Spray, GUM® bioXtra® Trockener Mund) sollen die wichtige antimikrobielle Funktion des Speichels übernehmen. Ein zusätzlicher positiver Effekt kann bei Mitteln erwartet werden, die Fluoride und/oder Xylit enthalten. So können Fluoride Zahnhartsubstanz remineralisieren und bakterielle Erreger an ihrem Wachstum hindern. Xylit bremst den Stoffwechsel von Plaquebakterien ebenfalls aus.

Empfehlenswert sind Produktserien mit unterschiedlichen Darreichungsformen. So sind Kaugummis prinzipiell nach den Mahlzeiten eine gute Lösung. Ansonsten ist die Anwendung einer Mundspülung sinnvoll, um Feuchtigkeit in den Mund zu bringen. Für nachts empfehlen sich Gele, da sie länger auf der Mundschleimhaut haften als etwa ein Spray. Prothesenträger können die Gele auch auf die Prothesenbasis auftragen. Das sorgt für bessere Haftung und ein angenehmeres Tragegefühl.

Versiegende Speicheldrüsen durch das Sjögren-Syndrom oder nach Bestrahlungen bei Krebserkrankungen lassen sich mit dem verschreibungspflichtigen Arzneistoff Pilocarpin-­Hydrochlorid (Salagen® Tabletten) behandeln. Sie wirken jedoch nur bei einer gewissen Restaktivität der Speicheldrüsen. Zudem sind bei der Abgabe zahlreiche Kontraindikationen, Wechsel- und Nebenwirkungen (grippeähnliche Symptome, übermäßiges Schwitzen, Herzklopfen oder Schwindel) abzuklären und zu berücksichtigen, sodass Pilocarpin nur einem kleinen Patientenkreis Linderung bringen kann.

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