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Coronavirus-Impfkampagne

Leopoldina fordert impfende Apotheker

Die Debatte um Coronavirus-Impfungen in Apotheken ebbt nicht ab. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert in einer aktuellen Ad-Hoc-Stellungnahme zur Pandemie, dass unter anderem Apotheker in die Impftätigkeiten einbezogen werden. Die Wissenschaftler bringen auch neue, strikte Kontaktreduktionen ins Spiel.
Benjamin Rohrer
29.11.2021  12:00 Uhr

Die Coronavirus-Infektionszahlen steigen und steigen. Gleichzeitig zeigt sich die Fachwelt besorgt über die Ausbreitung der neuen Omikron-Variante, die mittlerweile in mehreren europäischen Ländern angekommen ist. Während die desginierte Ampel-Koalition an ersten Gesetzen zur Eindämmung der Pandemie bastelt, hat sich nun auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in die Debatte eingemischt und eine weitere Ad-Hoc-Stellungnahme zur Coronavirus-Pandemie veröffentlicht.

In dem fünfseitigen Papier sorgen sich die Wissenschaftler in erster Linie darum, dass Politik und Öffentlichkeit »die Dramatik der Situation nicht in ihrem vollen Ausmaß erfassen«. Die Autorinnen und Autoren der Stellungnahme meinen hingegen, dass ein «sofortiges Gegensteuern« notwendig sei. Aus Sicht der Leopoldina ist das Hauptproblem, dass weiterhin die Zahl der nicht geimpften Menschen viel zu hoch sei. Zahlen aus anderen Ländern mit einer höheren Impfquote zeigten, dass man die Ansteckungsraten durch konsequentes Impfen flacher halten könnte. Ungeimpfte seien in circa acht bis neun von zehn Ansteckungen involviert.

Impfende Apotheker sollen durch Bundeswehr unterstützt werden

Die Wissenschaftler fordern daher, dass man Umgeimpfte motiviert und weiter »in die Pflicht« nehme. Nach fünf bis sechs Monaten müssten zudem Auffrischimpfungen durchgeführt werden. Bis Weihnachten sollten neben Erst- und Zweitimpfungen 30 Millionen Booster-Impfungen erfolgt sein. Um dies zu erreichen, sollen andere Berufsgruppen in die Impfkampagne mit einbezogen werden. Die Leopoldina nennt hier Apotheker, Amtsärzte, Zahnärzte, Pflegekräfte und Hebammen. Diese sollten fachlich und logistisch von der Bundeswehr, dem Technischen Hilfswerk (THW) und anderen anerkannten privaten Hilfsorganisationen in der Katastrophenvorsorge unterstützt werden, heißt es.

Des Weiteren müssten die Impfzentren flächendeckend wiedereröffnet werden. An Orten mit hohem Personenaufkommen müssten »aufsuchende Impfangebote« etabliert werden. Und: Auch eine Impfpflicht empfiehlt die Leopoldina. Für Ärzte, Pfleger und andere medizinische Fachberufe müsse diese rasch kommen. Eine allgemeine Impfpflicht müsse »unter Berücksichtigung der dafür erforderlichen rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen« vorbereitet werden.

Kontaktreduktionen oder strikte 2G-Regel

Um den exponentiellen Anstieg der Neuinfektionen in der vierten Welle zu beenden, müsse es optional sofortige umfassende Kontaktbeschränkungen geben. Von dieser Woche an müssten die Kontakte über wenige Wochen deutlich reduziert werden – dies müsse auch für Geimpfte und Genesene gelten. Als Maßnahmen empfehlen die Wissenschaftler strikte Kontaktreduktionen im privaten Bereich und, wenn sich Kontakte nicht vermeiden lassen, eine generelle Maskenpflicht. Als weitere Option schlägt die Leopoldina eine strikte, kontrollierte und sanktionierte 2G-Regelung vor. Diese Option werde allerdings weniger effektiv als eine Kontaktreduktion sein und somit zu weiteren Todesopfern führen. Für Ungeimpfte müssten die Kontaktreduktionen in jedem Fall gelten.

Was die Situation von Kindern und Jugendlichen betrifft, wägt die Leopoldina ab: Einerseits erkrankten Kinder weniger oft stark. Andererseits trage die hohe Infektionszahl in dieser Altersgruppe zum Infektionsgeschehen bei. Von den Folgen dieses Infektionsgeschehens seien Kinder und Jugendliche auch betroffen. Die Leopoldina spricht sich daher dafür aus, dass Kinder ab fünf Jahren immunisiert werden. Zudem müsse es eine ausnahmslose Maskenpflicht für Lehrer und Schüler an Schulen geben. Mindestens drei Mal wöchentlich müssten zudem Tests durchgeführt werden. Außerdem sollte es vorgezogene Weihnachtsferien geben. Eine komplette Schließung von Schulen und Kitas müsse aber vermieden werden.

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