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Umfrage

Länder wollen Arzneimittelproduktion zurück nach Europa holen

Angesichts der angespannten Versorgungslage machen einige Bundesländer Druck und fordern von der Bundesregierung mehr Medikamente »made in Germany«. Das geht aus einer Umfrage der Zeitung »Welt am Sonntag« hervor.
Jennifer Evans
27.01.2020  15:30 Uhr

Die Gesundheitsminister von fünf Ländern verlangen vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) Teile der Arzneimittelproduktion wieder nach Deutschland und Europa zurückzuverlagern. Auch eine Task Force nach dem Vorbild der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA können sie sich vorstellen, wie die »Welt am Sonntag« berichtet.

Vor dem Hintergrund der rund 300 Medikamente, bei denen es laut Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) derzeit zu Lieferengpässen kommt, hatte die Zeitung die Gesundheitsministerien von 14 Bundesländern nach ihren Einschätzungen und Vorschlägen zum Thema befragt. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte demnach: »Ich fordere von der Bundesregierung rasche Schritte für eine verstärkte Arzneimittelproduktion in Deutschland und der Europäischen Union.« Es sei wichtig, schnell etwas gegen die wachsende Abhängigkeit von außereuropäischen Ländern bei lebenswichtigen Arzneimitteln zu unternehmen. Dieser Position schließen sich Niedersachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen an.

Die vom BMG geplanten Schritte im Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz (FKG) greifen den Bundesländern zu kurz. Hessen und Rheinland-Pfalz wollen etwa prüfen, ob sich eine Taskforce wie bei der FDA auf Deutschland übertragen lässt. Eine entsprechende Bundesrat-Initiative haben sie bereits angekündigt. Laut »Welt am Sonntag« will sich das BMG zum Vorstoß der Länder nicht äußern und verweist auf die Vorschläge im FKG. Darin ist unter anderem vorgesehen, dass Großhändler und Pharmaindustrie Behörden drohende Lieferengpässe bei versorgungsrelevanten Medikamenten melden. Bei Bedarf soll das BfArM künftig auch eine Lagerhaltung und Kontingentierung anordnen dürfen. Geplant ist außerdem ein Beitrat, der die Versorgungslage beobachten und bewerten soll. Nach Angaben der Zeitung unterstützen SPD, Grüne und FDP den Vorschlag, eine zusätzliche Taskforce einzurichten. Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Karin Maag, ist demnach etwas zurückhaltender. Sie findet, der neue Beirat komme diesem Konzept schon sehr nahe, heißt es.

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