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Apobank

Krisenstimmung im Kapitalmarkt

Coronavirus-Pandemie, Zinswende, Ukraine-Krieg – Krisen wie diese machen der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) zu schaffen. Prognosen fallen derzeit schwer, wie die Betriebswirte beim PZ-Managementkongress hervorheben. Kritische Fragen der Apotheker gab es zu den Themen Bargeld und Verwahrentgelt.
Jennifer Evans
11.04.2022  10:30 Uhr

Grundsätzlich setzt die Apobank auf langfristige Strategien, um generell stressresistenter zu sein. Doch die Auswirkungen der drei Faktoren Coronavirus-Pandemie, Zinswende und der Krieg in der Ukraine sorgen für einen »nervösen Markt«, wie der Bankbetriebswirt Marco Eller und sein Kollege Betriebswirt Jörg-Peter Kroll von der Apobank beim PZ-Managementkongress auf Mallorca die Lage bezeichneten. 

Seit Jahresbeginn lässt sich mit rund 70 Prozent ein deutlicher Einbruch bei der Entwicklung des Aktienmarkts Osteuropa beobachten. Gleichzeitig schossen zuletzt die Werte für Rohstoffe wie Öl, Kupfer, Silber und Gold in die Höhe. Dennoch raten die Experten nicht auf die Rohstoffe zu setzen, weil »die Schwankungen zu hoch sind«.

Renditeprognosen bescheiden

Auch die aktuelle Situation in der Ukraine beschert dem Kapitalmarkt »mehr Downside- als Upside-Szenarien«. Im besten Fall käme es bald zu einer Lockerung der Sanktionen, etwa im Zuge von Friedensverhandlungen, so Kroll. Und schlimmstenfalls führe eine Ausweitung der Sanktionen zu einem vollständigen Energie-Embargo, was die Lage weiter verschärfen würde.

Zusätzlicher Druck entsteht durch eine Inflation, die sich auf einem Rekordniveau bewegt. Erste Zinserhöhungen erwartet die Apobank nicht vor dem ersten Halbjahr 2023. Auch die Prognose für höhere Renditen sieht den Experte zufolge in den nächsten zwei Jahren eher mau aus. Etwas besser zeichnet sich im selben Zeitraum die Entwicklung in den USA ab. 

Aktienmärkte sind vergesslich

Eller und Kroll zeigten sich trotz allem optimistisch: »Handlungsoptionen gibt es immer«, beteuerten sie. Dennoch bleibt aus ihrer Sicht der Aktienmarkt wohl derzeit die einzige echte Alternative zum Tagesgeld. Grundsätzlich erwarten die Apobank-Vertreter aber eine Entspannung im Aktienmarkt. Trotz aller Nervosität sei dieser nämlich »durchaus auch vergesslich«.

Das belegt demnach ein Blick auf die Einflüsse politischer Konflikte auf die Aktienmärkte seit der Jahrtausendwende. In diese Zeit fallen zum Beispiel die Krisen im Kosovo, Irak oder Syrien oder auch der Brexit. Die beiden Betriebswirte gehen daher davon aus, dass es sich auch dieses Mal wieder um »eine Episode« handelt und sich die Märkte danach abermals »schnell erholen werden«.

Ein weiterer Treiber in ihrem Geschäftsfeld ist das Thema Nachhaltigkeit. Ein Bereich, in den inzwischen »viele Zahlungsströme fließen«, wie Kroll und Eller berichten. Und ab dem 1. August 2022 sind alle Bankberater ohnehin dazu verpflichtet, ihre Kunden zu fragen, ob sie nachhaltig investieren wollen oder nicht.

Was ist mit den IT-Problemen?

In dem Vortrag von Eller und Kroll ging es auch um die großen internen Veränderungen, die die Apobank gerade durchmacht. Die Rede ist von einer Transformation hin zu einer »modernen und zukunftsgerichteten Bank«, die kundenorientierter und digitaler mit schlankeren Strukturen sein soll. Die Herausforderung dabei sei unter anderem, die Mitarbeiter mit auf die Reise der Veränderung zu nehmen, wie die beiden schilderten. Dabei ließen sie durchblicken, dass es hier und da noch etwas ruckelt.

Kein Wunder: Nach dem missglückten Umstieg auf ein neues Kernbanksystem ist das Image der Apobank nach wie vor angeschlagen. Die Pannen hatten zeitweise einige Prozesse lahmgelegt. Nun geht es also auch darum, das Vertrauen wiederherzustellen – intern wie extern. Ein Update zu den IT-Problemen, über die sich viele Apotheker nach wie vor ärgern, gaben die beiden Referenten aber nicht.

Kritische Fragen zum Bargeld und Verwahrentgelt

Die anwesenden Apothekerinnen und Apotheker stellten zudem kritische Fragen zum Umgang mit den Bargeld-Einnahmen der Apotheken. Konkret ging es darum, dass insbesondere Apotheken, die nicht in der Nähe der 85 Apobank-Filialen liegen, keine einfachen Methoden zur Bargeld-Einzahlung haben. Die beiden Apobank-Manager verwiesen zwar auf den Bargeld-Abholdienst, den die Bank anbietet. Die Apothekerinnen und Apotheker konterten allerdings, dass dieser sehr teuer sei.

Kritik aus den Reihen der Heilberufler gab es zudem mit Blick auf die Verwahrentgelte. Apotheken sind aufgrund des Zahlungsverkehrs gezwungen, recht hohe Geldsummen auf ihren Konten zu verwahren – dementsprechend hohe Gebühren entstehen für die Apotheker. Eller und Kroll versprachen, alle Hinweise und Beschwerden mitzunehmen, um intern Verbesserungen anzustoßen.

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