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Korf: »Mit einer grünen Ministerin hätten wir bessere Bedingungen«

Den Blick in die Glaskugel warf Claudia Korf, Chef-Ökonomin der ABDA bei der Kammerversammlung Nordrhein am Mittwoch. Sie prognostizierte, dass auf den derzeitigen CDU-Bundesgesundheitsminister eine grüne Ministerin folgen wird. Für die Apotheker sei dies positiv zu bewerten. Zudem gab sie einen Einblick über den brandaktuellen Anteil des Rx- und OTC-Umsatz der Versandhändler sowie über die derzeitige Anzahl der Apotheken in Deutschland.
Charlotte Kurz
18.11.2021  10:30 Uhr

Auf der Mitgliederversammlung der Kammer Nordrhein blickten die Delegierten mit Spannung auf die derzeit andauernden Koalitionsverhandlungen. Kommende Woche wollen die Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP einen gemeinsamen Koalitionsvertrag vorlegen. Claudia Korf, Geschäftsführerin Ökonomie bei der ABDA, geht davon aus, dass die nächsten vier Jahre eine Ampel-Koalition prägen wird. Das Bundesgesundheitsministerium werde wahrscheinlich grün besetzt, prognostiziert Korf auf der Kammerversammlung, die in Präsenz in Neuss am Mittwoch stattfand. Die Grünen hätten ihre Schwerpunkte vorrangig bei den Gesundheitsthemen in den Sondierungen platziert, so Korf. Ausnahme sei hier lediglich, dass die von den Grünen im Wahlprogramm versprochene Bürgerversicherung nicht mehr auf der Agenda steht.

Wer das Bundesgesundheitsministerium künftig für sich beanspruchen könnte, nannte Korf nicht konkret. Allerdings erklärte sie, dass die Chancen für eine »Dame aus NRW« nicht schlecht stehen würden. Gemeint ist damit Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen und Mitglied im Grünen-Team bei den Koalitionsverhandlungen zum Thema Gesundheit. In der Branche wird ihr Name bei Überlegungen zur Nachfolge des derzeitigen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) bereits seit einigen Wochen gehandelt. Ein grün geführtes Gesundheitsministerium bewertet Korf insgesamt positiv. Die Grünen würden etwa das Arzt-zentrierte Gesundheitswesen hinterfragen und die elektronische Patientenakte weiterentwickeln wollen. Insgesamt erklärte Korf: »Mit einer grünen Ministerin hätten wir bessere Bedingungen«, beispielsweise auch was das Thema Impfen in der Apotheke angehe.

Korf konzentrierte sich in ihrem Bericht neben politischen Einordnungen vor allem auf das Thema E-Rezept. Den Kammerdelegierten verdeutlichte sie, dass das E-Rezept langsam ab Januar anlaufen werde, es gäbe keinen »Big Bang in der Silvesternacht.« Sie erwartet, dass es rund neun Monate dauern werde, bis das E-Rezept flächendeckend genutzt wird, bis dahin bleibe aber wie gewohnt das Muster-16-Rezept in Gebrauch. Die ABDA habe zudem einen Alternativvorschlag angebracht, mit dem Versicherte per elektronischer Gesundheitskarte E-Rezepte einlösen können. Ob dieses Verfahren neben der Nutzung des E-Rezepts via Gematik-App genutzt werden darf, werde am kommenden Mittwoch in der nächsten Gesellschafterversammlung der Gematik entschieden, kündigte Korf an.

Versandhändler: 15 Prozent OTC-Anteil

Allerdings warnte sie vor einer »Marketingschlacht« vonseiten der Versandhändler in den nächsten Wochen. Der Rx-Marktanteil bei den ausländischen Versendern schwanke zwischen 1 bis 1,5 Prozent. 2020 sei der Anteil aufgrund der Corona-Pandemie leicht gestiegen, 2021 aber wieder etwas gesunken. »Die Leute kehren wieder in die Vor-Ort-Apotheken zurück«, schlussfolgerte Korf. Auch deshalb wird der Versandhandel verstärkt um die Anteile »kämpfen«, prognostizierte die Volkswirtin. Beim OTC-Umsatz spielen die Online-Händler eine größere Rolle, dieser liege derzeit bei 15 Prozent. Gemeinsam mit dem Verkauf von OTC-Medikamenten etwa in Drogerien liegt der Anteil aber auch eher bei 20 bis 25 Prozent. Das allerdings sei spürbar, so Korf.

Bei den Vor-Ort-Apotheken habe sich die Zahl der Niederlassungen wieder etwas verringert, allerdings in einem ähnlichen Tempo wie vergangenes Jahr. Zum dritten Quartal 2021 gebe es damit noch 18.535 Apotheken in Deutschland, so Korf. 2020 waren es noch 18.753. Im Kammergebiet Nordrhein sind es zum dritten Quartal 2021 noch 2094 Apotheken. Zum Vergleich: Der Höchststand der Apotheken in Nordrhein lag bei 2617 im Jahr 1990.

Im letzten Jahr waren bundesweit vor allem Filialapotheken von Schließungen betroffen. Dieses Jahr treffe es verstärkt Haupt- und Einzelapotheken. Bei der durchschnittlichen Umsatzverteilung liegt die Vor-Ort-Apotheke im Schnitt bei einem Umsatz von 2,776 Millionen Euro pro Jahr, präsentierte Korf. Dieser Umsatz gelte für das Jahr 2020, dabei sei der Trend zu beobachten, dass die Apotheken von Jahr zu Jahr mehr Umsatz machten, allerdings auch eben in absoluten Zahlen abnehmen.

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