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Kammer Brandenburg

Konzept für Pharmazie-Studiengang in Brandenburg steht

Seit Jahren setzt sich die Landesapothekerkammer Brandenburg für einen Pharmazie-Studiengang im Land ein. Bislang sind alle Gespräche dazu mit der Politik im Sand verlaufen. Doch nun steht ein Konzept für den Standort Cottbus/Senftenberg. Allerdings soll die Approbation in dem Studiengang nur eine von zwei Abschlussoptionen sein.
Benjamin Rohrer
18.11.2020  17:00 Uhr

Mit unzähligen Gesprächen mit Landesministern, mit Universitätsprofessoren sowie Gutachten und Studien hat sich die LAK Brandenburg in den vergangenen Jahren bemüht, ihr Ziel Nummer eins zu verwirklichen: Ein eigener Pharmazie-Studiengang im Flächenland Brandenburg. Denn der Altersdurchschnitt der Apothekeninhaber in Brandenburg ist recht hoch. Mit dem Studiengang erhofft sich die Kammer einen »Klebeeffekt«, also dass mehr junge Approbierte im Land bleiben.

Nun gibt es diesbezüglich erstmals konkrete Hoffnung. Denn die Präsidentin der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, Gesine Grande, hat den Apothekern ein Konzept für einen Pharmazie-Studiengang vorgestellt, das derzeit noch beraten wird. Bei der heutigen Kammerversammlung stellte Kammerpräsident Jens Dobbert diesen Plan seinen Mitgliedern vor.

Entweder Master als Industrieapotheker oder Approbation

Das Modell ist als »Y-Studiengang« geplant, sagte Dobbert. Denn: Nach vier gemeinsamen Lehrjahren können sich die angehenden Pharmazeuten überlegen, ob sie ihren Abschluss als Industrieapotheker (Master) machen oder eine Approbation anstreben. Dobbert zufolge gibt es solche Konzepte bereits in München und Freiburg. Dobbert erklärte, dass er bald einen Termin mit Grande habe, bei dem er die Positionierung der Kammer darstellen könne. Er bedankte sich ausdrücklich bei Christiane Eckert-Lill, Geschäftsführerin Pharmazie der ABDA. Eckert-Lill habe seiner Kammer dabei geholfen, die Stellungnahme für die BTU zu erstellen.

Dass womöglich nur ein Teil der Studenten in diesem Konzept mit einer Approbation abschließt, wurde von einigen Kammerdelegierten kritisch kommentiert. Dobbert sagte dazu: »Ich bin mir sicher, dass mehr Studenten den Weg der Approbation einschlagen werden.« Schließlich biete die Approbation mehr Berufsmöglichkeiten als ein Master-Abschluss in Industriepharmazie, der nur zur Arbeit in der Industrie befähige.

Heftige Kritik am VOASG

Sehr kritische äußerte sich der Kammerpräsident über den Beschluss des VOASG und dem Umgang der ABDA mit dem Gesetz, das Ende Oktober im Bundestag beschlossen wurde. Dobbert beschwerte sich darüber, dass die Gleichpreisigkeit im Apotheken-Stärkungsgesetz nur für GKV-Versicherte geplant sei. »Wenn die Politik wirklich sehen würde, was die Apotheken derzeit in der Krise leisten, hätte sie das so nicht beschlossen«, so Dobbert. Und: Die ABDA habe eine Gültigkeit der »neuen« Gleichpreisigkeit für PKV-Versicherte »nicht weiter verfolgt«, so der Kammerpräsident.

Dass PKV-Versicherte nun Boni-Angebote wahrnehmen dürften, werde zu einem »Hauen und Stechen« in den Apotheken führen – das VOASG müsse daher nachjustiert werden. Zudem prophezeite er, dass sich die EU-Versender auch nicht an das Rx-Boni-Verbot für GKV-Versicherte halten werden. Was die pharmazeutischen Dienstleistungen betrifft, sagte er kritisch in Richtung ABDA und Gesetzgeber, dass nach wie vor völlig offen sei, welche Dienstleistungen die Apotheker künftig anbieten müssten. Die Gefahr bestehe, dass die Dienstleistungen nur in »Leuchtturmapotheken« angeboten werden können, weil die meisten Apotheken schlichtweg keine Zeit dafür hätten. Und so kam der Kammerpräsident zu dem Schluss: »Das VOASG ist kein großer Wurf.«

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