Pharmazeutische Zeitung online
Apotheken-Botendienste

Kontaktlose Übergabe dringend benötigter Arzneimittel

Ob rezeptpflichtige Arzneimittel oder dringend benötigte Medikamente der Selbstmedikation: Die Botendienste der Apotheken liefern während der Covid-19-Pandemie Arzneimittel kontaktlos an die Haustür. In welchen Fällen die Apotheken diesen Service anbieten, liegt in ihrem Ermessen.
Christiane Berg
25.03.2020
Datenschutz bei der PZ

Nach dem Klingeln wird die Lieferung vor die Außen- oder Wohnungstür gestellt und der Bote wartet mit dem empfohlenen Mindestabstand, bis der Kunde die Arzneimittel an sich genommen hat. Gezahlt werden kann ebenfalls ohne direkten Kontakt: Per Online-Überweisung oder Rechnung beziehungsweise mit Bargeld in einem vorbereiteten Umschlag, der gegebenenfalls bereits vorher vor die Tür gelegt wird. Je nach Grad der Gefährdung und dem Ausmaß körperlicher Behinderungen oder anderweitiger Erkrankungen können Patienten vorab individuelle Zusatzvereinbarungen zur Lieferung absprechen. Jede Apotheke entscheidet selbst, ob eine Lieferung im Einzelfall nicht oder nur verzögert möglich ist.

»Die Botendienste in Bremen und Bremerhaven verzeichnen zurzeit beträchtlichen Zuwachs«, konstatiert der Präsident der Apothekerkammer Bremen Klaus Scholz in einer Pressemitteilung. »Momentan müssen alle besonders gefährdeten Menschen und insbesondere natürlich die, die zur Risikogruppe zählen, also betagte Personen oder junge Menschen mit Herz-, Kreislauf-, Lungen- oder anderen (Vor)Erkrankungen, vor einer Infektion geschützt werden«, erklärte er.

»Mit dem Botendienst der Apotheken erhalten Patienten, die ihre Wohnung aktuell nicht verlassen können oder sollten, zeitnah und verlässlich ihre Medikamente. Das gilt auch für dringend benötigte Arzneimittel aus der Selbstmedikation«, ergänzt die Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen, Isabel Justus, auf Nachfrage der PZ. »Menschen, die niemanden haben, der für sie Arzneimittel aus der Apotheke holt, sollten sich in dringenden Fällen telefonisch mit der Apotheke in Verbindung setzen, um die kontaktlose Lieferung zu veranlassen«, sagte sie.

Bei Corona-Verdacht nicht in die Apotheke kommen!

Aufgrund der Verbreitung des Coronavirus werde die Frage nach der Arzneimittelversorgung von Patienten, die bereits unter Corona-Verdacht stehen oder bereits getestet worden sind, immer lauter. Denn nicht alle Corona-Patienten werden stationär behandelt. Die meisten bleiben in häuslicher Quarantäne. Hier sei eine Vermeidung etwaiger Übertragungswege und der Schutz der Apothekenmitarbeiter dringend erforderlich. 

Werden Hustenstiller, fiebersenkende oder schmerzstillende Arzneimittel und andere OTC-Medikamente benötigt, so sollten sich potenziell oder tatsächlich an Corona-Erkrankte keinesfalls selbst in die Apotheke vor Ort begeben, sondern diese unbedingt lediglich telefonisch kontaktieren. Es werde dann einzelfallbezogen besprochen, wie die Arzneimittelversorgung am besten organisiert werden kann.

»Den Apotheken obliegt die Sicherstellung der Arzneimittel-Versorgung in ihrem frei- und heilberuflichen Ermessen«, so heißt es in einem Fax der Apothekerkammer Bremen. Ob Mediziner, Pharmazeuten oder die Patienten selbst: Jeder müsse durch entsprechende organisatorische Maßnahmen dazu beitragen, dass der direkte Kontakt zwischen Boten und Patienten vermieden wird.

Botendienst ist keine Pflicht

»Der Botendienst von Apotheken trägt zum Schutz und zur Versorgung aller Menschen bei, die aktuell besonders gefährdet oder bereits an Corona erkrankt sind«, unterstreicht auch der Geschäftsführer des Hamburger Apothekervereins, Dr. Thomas Friedrich, im Telefongespräch mit der PZ. Es liege jedoch angesichts der Zunahme der Krankheitsfälle und somit der stetig wachsenden Brisanz der Situation in ihrem heilberuflichen Entscheidungs-, Verantwortungs- und Kompetenzbereich festzustellen, inwieweit der Botendienst erforderlich ist.

Allein aus dem derzeit erleichterten Zufaxen von Rezepten durch Arztpraxen ergäbe sich keine automatische Pflicht zur Zustellung per Boten. Im Gegenteil: Die tatsächliche Notwendigkeit müsse von Fall zu Fall individuell vorab abgeklärt werden, nicht zuletzt um Kapazitäten für wirkliche Notfälle aufrecht zu erhalten.

Sei derzeit auch das Faxen von BtM-Rezepten beziehungsweise gemäß Muster 16 gekennzeichneter Notfall-Rezepte grundsätzlich nicht verboten, so müsse aufgrund der stärkeren Dokumentationspflichten und verkürzten Geltungsdauer gerade hier vorab mit der jeweiligen Arztpraxis geklärt werden, wie die Apotheke schnellstmöglich in den Besitz der BtM-Originalverordnungen kommt.

Mehr von Avoxa