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Neue Leitlinie zu Hämorrhoiden

Konservative Maßnahmen ausschöpfen

Blutungen beim Stuhlgang, Juckreiz, Brennen, Schwellungen und Stuhlinkontinenz: Beschwerden durch Hämorrhoiden sind in den westlichen Industrienationen weit verbreitet. Jetzt wurde die S3-Leitlinie zur Behandlung aktualisiert.
Judith Lorenz
10.04.2019
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Grundsätzlich hat jeder Mensch Hämorrhoiden, den sogenannten Hämorrhoidal-Plexus. So wird das Gefäßpolster zwischen dem Enddarm und dem Schließmuskel des Afters genannt, das für die Feinabdichtung des Afters wichtig ist. Es besteht aus einem Arterien- und Venengeflecht. Erst bei einer Vergrößerung dieses schwammartigen Gefäßpolsters und vorhandenen Beschwerden spricht man von einem Hämorrhoidalleiden oder symptomatischen Hämorrhoiden.

»Annähernd 70 Prozent aller Erwachsenen dürften im Laufe ihres Lebens irgendwann einmal von

symptomatischen Hämorrhoiden betroffen sein«, so die Leitlinienautoren. In Deutschland suchen jährlich etwa 3,3 Millionen Menschen aufgrund von Hämorrhoidal-Beschwerden medizinische Hilfe. In vielen Fällen verläuft eine nicht invasive Behandlung erfolgreich.

Beim Stuhlgang nicht zu lange pressen

Asymptomatische Hämorrhoiden sowie leichte bis mäßige Beschwerden sollen laut der kürzlich aktualisierten S3-Leitlinie in erster Linie konservativ behandelt werden. Neben einer ballaststoffreichen Ernährung können verschiedene Quellmittel, beispielsweise Flohsamenschalen (Plantago ovata), zur Stuhlregulierung beitragen. Auch die Korrektur eines ungünstigen Verhaltens bezüglich des Stuhlgangs wie zu langes Pressen stellt einen Behandlungsansatz dar.

Zur Linderung der durch die vergrößerten Hämorrhoiden hervorgerufenen akuten entzündlichen und ödematösen Beschwerden stehen verschiedene topische Präparate in Form von Salben, Cremes, Suppositorien und Analtampons zur Verfügung. Diese perianal oder rektal anzuwendenden »Hämorrhoidalia« enthalten entweder Lokalanästhetika wie Lidocain oder Antiphlogistika wie Corticosteroide. Möglicherweise, so die Leitlinienautoren, können Kräuter aus der Traditionellen Chinesischen Medizin Hämorrhoidal-Blutungen stillen. Angesichts der schwachen wissenschaftlichen Evidenz kann eine diesbezügliche Empfehlung jedoch nicht ausgesprochen werden.

Im Gegensatz zu den rein symptomatisch wirksamen Externa zielt die Behandlung mit Interna einerseits auf eine kausale Therapie des Hämorrhoidalleidens, andererseits auf eine Optimierung des postoperativen Verlaufs nach chirurgischer Therapie. In die Substanzgruppe der Flavonoide wie Hesperidin, Diosmin, Rutin und Hydroxymethylrutinoside werden angesichts ihrer antioxidativen, gefäßtonisierenden und ödemprotektiven Wirkungen große Hoffnungen gesetzt.

Einige wissenschaftliche Studien bescheinigen insbesondere Diosmin und Hesperidin positive Effekte bei akuten sowie postoperativen Hämorrhoidal-Beschwerden. Insgesamt ist die Datenlage jedoch nicht belastbar und das entsprechende Kombipräparat Daflon® ist in Deutschland nicht zugelassen. Flavonoid-haltige Interna haben daher hierzulande keine therapeutische Bedeutung.

Veröden oder abschnüren

Reichen verhaltenstherapeutische Maßnahmen und eine symptomatische Behandlung nicht aus, kommt eine Sklerosierung (Verödung) infrage. Dazu wird bevorzugt Polidocanol eingesetzt. Eine weitere nicht invasive Methode stellt die Gummiband-Ligatur dar. Dabei wird überschüssiges Hämorrhoidal-Gewebe mit einem Gummiband abgeschnürt. Es stirbt ab und fällt nach einigen Tagen ab. Die Methode gilt bei Hämorrhoiden zweiten Grades als Therapie der Wahl.

Eine operative Therapie ist indiziert, wenn konservative Verfahren nicht zu einer ausreichenden Beschwerdelinderung führen oder – bei entsprechendem Leidensdruck – wenn vor den After vorgefallene Hämorrhoiden sich nur manuell oder gar nicht mehr zurückdrücken lassen.

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