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Corona-Krise

Konkrete Handlungsempfehlungen für Apotheken

Dem Vernehmen nach arbeitet die ABDA derzeit fieberhaft an weiteren Arbeitshilfen in der sich zuspitzenden Situation. Jetzt gibt es aktualisierte Empfehlungen zu Tätigkeiten in der Apotheke während einer Covid-19-Pandemie.
PZ
13.03.2020
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Erstes Material zur Patienteninformation mit nur leicht erweiterten Angaben für die Apotheken gab es von der ABDABundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände am 27. Februar. Nach dem gesetzlichen Wirrwarr um die Herstellung von Händedesinfektionsmittel folgte am 5. März hierzu eine entsprechende Handlungshilfe. Sonst standen die Broschüre Influenzapandemie – Risikomanagement in Apotheken mit Stand 2017 und einige allgemeine Hinweise zu Arbeitsschutzmaßnahmen, Hygiene usw. bereit.

Während die Ärzte und Krankenhäuser auf SARS-CoV-2 angepasste Empfehlungen von ihren Fachgesellschaften oder dem Robert-Koch-Institut größtenteils bekamen, fühlten sich viele Apotheker allein gelassen. Konkrete Tipps gab es diese Woche von den Apothekern Stephan und Florian Peer aus Südtirol, die ihre Erfahrungen aus dem Risikogebiet an die deutschen Kollegen weitergegeben haben.

Zum Ende der Woche hat nun auch die Bundesapothekerkammer aktualisierte Arbeitsschutzmaßnahmen – Tätigkeiten in der Apotheke während einer Covid-19-Pandemie herausgegeben, darunter auch ein Standard für die Arzneimittelabgabe in der Offizin sowie für den Botendienst. Die Dokumente sind unter diesem Link zu finden: https://www.abda.de/fuer-apotheker/arbeitsschutz/arbeitsschutzmassnahmen/ unter dem Punkt »Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen (Blut, Influenzaviren…)«

Darin heißt es unter anderem: »Mitarbeiter mit Krankheitszeichen, wie z. B. Fieber, Husten und/oder Atemnot, Schüttelfrost, haben die Tätigkeit abzubrechen und die Symptome ärztlich abklären zu lassen. Mitarbeiter in der Offizin auf die notwendige Zahl beschränken. Räumlichen Abstand zwischen Mitarbeitern und Patienten wahren; ggf. einfache Barrieren auf Gesicht- oder Körperhöhe, z. B. Plexiglasscheiben, sofern die räumlichen Gegebenheiten das zulassen. Ggf. nur eine begrenzte Anzahl Patienten gleichzeitig in die Offizin lassen.« Das Personal sollte am HV-Tisch geeignete Arbeitskittel und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Diesen bei Durchfeuchtung wechseln und maximal acht Stunden tragen. Für das Tragen von FFP2-Masken gebe es keine Evidenz. Die Verwendung von Schutzhandschuhen aus hygienischen Gründen in der Offizin wird dagegen nicht empfohlen.

Empfehlungen für den Botendienst

Im Standard für den Botendienst heißt es unter anderem: »Im Einzelfall bringt ein Mitarbeiter der Apotheker an Covid-19-erkrankten Patienten und Menschen mit Verdacht auf Covid-19-Erkrankung benötigte Arzneimittel nach Hause. Nach Möglichkeit sollten jedoch nicht betroffene Menschen aus dem Umfeld der Erkrankten bzw. der Verdachtsfälle die Arzneimittel in der Apotheke abholen.«

Konkret wird empfohlen: »Möglichst den direkten Kontakt mit dem Patienten vermeiden; Wohnung nicht betreten; räumlichen Abstand zum Patienten wahren; dem Patienten nicht die Hand geben. Evtl. entgegengenommene Rezepte in verschließbare Plastiktüten verpacken.« Welche Schutzkleidung zu tragen ist, wird nicht genauer konkretisiert. Nach jedem Patientenkontakt sind die Hände zu desinfizieren.

Die Apothekerkammer Hamburg gibt darüber hinaus folgende Empfehlungen: Vor der Auslieferung sollten konkrete Absprachen getroffen werden, mit genauer Uhrzeit und Kontaktnummer. Die Übergabe der Medikamente sollte kontaktlos erfolgen, also mindestens 1,5 Meter Abstand gehalten werden. Auch das Finanzielle sollte, soweit möglich, kontaktlos geregelt werden. Die Beratung sollte ausnahmsweise telefonisch erfolgen. Der Bote sollte gegebenenfalls mit einer FFP2-Maske und Einmalhandschuhen ausgestattet werden und sich am Ende die Hände gründlich waschen und desinfizieren.

Verdachtspatienten in der Apotheke absondern

Die Apothekerkammer Hamburg verweist in ihren Informationen zum Umgang mit Urlaubsrückkehrern und Infizierten beim Apothekenpersonal auf die allgemeinen Empfehlungen des RKI und der Hamburger Gesundheitsbehörde. Die Kammer rät zum Beispiel, das Personal in im Zwei-Wochen-Takt rotierende Teams einzuteilen. Auch ein Merkblatt zum Umgang mit Infizierten in der Offizin gibt es, auch wenn die AK Hamburg darauf hinweist, dass es keine verbindliche Anweisung gebe und ein pragmatisches Vorgehen im Einzelfall gefragt sei. Das Wichtigste sei in der jetzigen Situation der Mitarbeiterschutz für eine funktionierende Gesundheitsversorgung durch betriebsbereite Apotheken.

Falls sich ein Patient als Verdachtsfall bezeichnet, sollte er, wenn möglich, von der Apotheke mit Mundschutz und Handschuhen ausgestattet und von den anderen Kunden abgesondert werden. Die Diskretionszonen sollten erweitert werden. Falls möglich, kann ein separater Kassenplatz für Patienten mit verdächtigen Symptomen betrieben werden. Das Apothekenpersonal könnte den Patienten auch bitten, über das Handy mit ihm zu sprechen, auch wenn er bereits vor der Apotheke steht.

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