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Coronavirus

Kinder infizieren sich, erkranken aber kaum

Einer aktuellen Studie aus China zufolge infizieren sich Kinder genauso häufig wie Erwachsene mit SARS-CoV-2, entwickeln aber kaum Symptome. Das höchste Risiko, sich bei einem Infizierten anzustecken, haben Personen, die im selben Haushalt leben oder mit dem Patienten auf Reisen waren.
Christina Hohmann-Jeddi
09.03.2020
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Kinder sind von der durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöste Lungenerkrankung Covid-19 quasi nicht betroffen. Bislang war aber unklar, ob sie sich nicht infizieren oder bei einer Infektion nicht erkranken. Hierzu hat ein Forscherteam um Qifang Bi von der Johns Hopkins University in Baltimore nun eine Preprint-Studie veröffentlicht.

Mediziner der Gesundheitsbehörde der chinesischen Provinz Shenzhen (Shenzhen CDC) hatten für die Untersuchung von Mitte Januar bis Mitte Februar insgesamt 391 Patienten mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion und 1286 enge Kontakte identifiziert. Bei diesen untersuchten sie die Parameter der Virusverbreitung und Faktoren, die das Übertragungsrisiko beeinflussen.

Der Analyse zufolge waren die Infizierten im Mittel 45 Jahre alt und damit älter als der Bevölkerungsdurchschnitt. Männer waren in etwa gleich häufig betroffen wie Frauen. 91 Prozent hatten milde (26 Prozent) bis moderate (65 Prozent) Symptome, 9 Prozent zeigten einen schweren Verlauf. Drei Personen starben. Männer hatten ein 2,5-fach höheres Risiko für einen schweren Verlauf und Personen zwischen 60 und 69 Jahren ein 3,4-fach erhöhtes Risiko. Die Fälle wurden im Schnitt 4,6 Tage nach Einsetzen der ersten Symptome isoliert, durch aktive Kontaktsuche reduzierte sich die Zeitspanne um 1,9 Tage, berichten die Autoren.

Anhand der 1286 ermittelten Kontaktpersonen konnten die Forscher auch untersuchen, wie sich das Virus verbreitet. Demnach steckte jeder Infizierte im Schnitt 9,6 Prozent seiner Kontakte an. Ein sechsfach erhöhtes Risiko hatten Personen, die mit im selben Haushalt lebten; hier lag die sogenannte secondary Attack-Rate bei 14,9 Prozent. Ein siebenfach erhöhtes Risiko hatten Kontakte, die mit Infizierten gereist waren. Kinder unter zehn Jahren infizierten sich der Analyse zufolge in etwa genauso häufig wie die Durchschnittsbevölkerung mit einer Attack-Rate von 7,4 Prozent gegenüber 7,9 Prozent. In der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen war die Attack-Rate erhöht. Kinder hatten dagegen ein deutlich verringertes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19. Sie sollten aber für die Verbreitung und die Kontrolle der Verbreitung mit berücksichtigt werden, schreiben die Autoren.

Warum Kinder seltener Symptome entwickeln, ist noch unklar. Laut Professor Dr. Christian Drosten, Coronavirus-Experte an der Charité in Berlin, könnte das noch nicht voll ausgereifte Immunsystem der Kinder ein Grund hierfür sein. Denn die schweren Lungenentzündungen, die bei der SARS-CoV-2-Infektion auftreten können, gehen auf die Reaktion des Immunsystems auf den Erreger zurück. Das erklärte Drosten in einem Podcast gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk. Die Frage ist aber noch nicht abschließend beantwortet. Auch von anderen Infektionserkrankungen ist bekannt, dass sie bei Kindern deutlich milder verlaufen als bei Erwachsenen. Dies ist etwa bei dem vom Epstein-Barr-Virus ausgelösten Pfeifferschen Drüsenfieber der Fall sowie bei Masern und Windpocken.

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