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Versand von Schutzmasken

Kinder bekommen Masken-Voucher: Kassen weisen Vorwürfe zurück

Eigentlich sind die Personengruppen genau definiert, die Anspruch auf FFP2-Masken haben, sprich wer älter als 60 Jahre oder chronisch erkrankt ist. Doch die Post von den Kassen landet offenbar auch bei Kindern ohne Vorerkrankungen, wie aus Diskussionen in den Sozialen Medien hervorgeht.
Jennifer Evans
29.01.2021  10:30 Uhr

Gedacht sind die FFP2-Masken eigentlich für besonders schutzbedürftige Menschen, die sich mit den Gutscheinen ihrer Krankenkasse seit Anfang des Jahres zwei Mal eine Packung mit je sechs Masken aus der Apotheke holen können. Für insgesamt 34 Millionen Versicherte hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diese Masken vorgesehen. Pro Packung muss lediglich eine Zuzahlung von 2 Euro geleistet werden. Da die Gutscheine fälschungssicher sein mussten, hatte der Minister die Bundesdruckerei damit beauftragt, die Coupons für die Kassen zu erstellen. Bei dieser logistischen Mammutaufgabe gab es bereits Verzögerungen und anscheinend auch Fehlsendungen, wie der derzeitige rege Austausch in den sozialen Netzwerken nahelegt. Die Pharmazeutische Zeitung hat bei den Kassen nachgefragt, wie es passieren kann, dass Masken-Gutscheine beispielsweise bei gesunden Kindern landen können?

Die Barmer gibt zu, dass es tatsächlich Rückmeldungen von Versicherten gab, die zunächst glaubten, eigentlich keinen Anspruch auf die Atemschutz-Masken zu haben. Doch die Missverständnisse konnten offenbar schnell aus dem Weg geräumt werden. »Unter anderem mit der Erläuterung zu den Hintergründen der Datenselektion konnten wir den Personen entsprechend erklären, dass es sich nicht um eine falsche Zusendung handelt«, so ein Sprecher zur PZ. Ansonsten habe es bei der Datenselektion keine Probleme gegeben. Neben den definierten Altersgruppen seien ausschließlich die in der Verordnung genannten Erkrankungen und Risikofaktoren in die Datenselektion einbezogen worden, heißt es. Kinder könnten aber unter Umständen auch zu den Risikogruppen gehören, zum Beispiel mit der Diagnose Asthma bronchiale. Grundsätzlich zählten zu den Anspruchsberechtigten auch Personen, die im definierten Analysezeitraum nur ein einziges Mal eine entsprechende Diagnose erhalten hätten. »Im Falle der Datenselektion zur Ermittlung der Risikogruppen kann es also sein, dass die Diagnose zwar einmalig gestellt wurde, das Kind beziehungsweise die Person aber inzwischen wieder gesund ist«, so der Barmer-Sprecher.

Nebendiagnosen können eine Rolle spielen

Die DAK Gesundheit betonte gleichermaßen, sich bei der Auswahl des berechtigten Personenkreises strikt an die Vorgaben und die Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zu Haupt- und Nebendiagnosen zu halten, schließt aber ebenfalls nicht aus, dass durchaus »auch minderjährige Versicherte Anspruch auf einen Gutschein für FFP2-Masken haben.« Ein Sprecher der Krankenkasse erwähnte in diesem Zusammenhang einen aktuellen Fall, bei dem letztlich »der Kinderarzt bestätigen konnte, dass das Kind wegen einer Nebendiagnose anspruchsberechtigt ist.«

Die AOK Baden-Württemberg spricht grundsätzliche Unschärfen bei der Datenerhebung sowie Verzögerungen bei der Datenübermittlung seitens der Leistungserbringer an. Um den Kreis der Anspruchsberechtigten festzulegen, war demnach der 15. Dezember 2020 als Stichtag ausschlaggebend. Bis zu dem Zeitpunkt also mussten der Kasse entsprechende Diagnosedaten vorliegen, um einen Versicherten als Risikopatienten einzustufen. Darin sieht sie einen möglichen Grund für Unschärfen.

Auch die hkk Krankenkasse bestätigte gegenüber der PZ, dass »sich lediglich vereinzelt Personen gemeldet haben«, die angaben, Coupons erhalten zu haben, ohne einer der Risikogruppen zugehörig zu sein. Warum sie dennoch Gutscheine erhalten haben, führt die Kasse allerdings nicht aus.

Ein Sprecher des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) gab an, dass ihm »die Presseberichte über Einzelfälle und entsprechende Social Media-Beiträge bekannt« seien. Ansonsten hieß es dort lediglich, die PKV-Mitgliedsunternehmen versendeten die FFP2-Masken nach Vorgabe der Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung.

Auf die Diskussion im Internet und die Anfrage der PZ zu den vermeintlichen Fehlsendungen an Kinder ging die Techniker Krankenkasse (TK) nicht ein.

Wie sieht es inzwischen beim Gutschein-Versand aus?

Die AOK Baden-Württemberg hat nach eigenen Angaben Mitte Januar die erste Tranche mit Gutscheinen für FFP2-Masken von der Bundesdruckerei erhalten und bereits je zwei Gutscheine an knapp 480.000 Versicherte versendet. Die zweite Tranche ist demnach am 26. Januar 2021 an rund 652.000 Anspruchsberechtigte rausgegangen. Anfang Februar soll die dritte Tranche für die verbleibenden rund 518.000 berechtigten Personen folgen, heißt es.

Die Barmer gibt an, insgesamt 4,5 Millionen Masken-Voucher für ihre Versicherten bestellt zu haben. Die erste Tranche von rund 1,5 Millionen sind bereits zugestellt, wie die Kasse der PZ bestätigte. Die Zustellung der zweiten Tranche von 1,7 Millionen Gutscheinen soll voraussichtlich bis zum 3. Februar abgeschlossen sein. Und auch die Coupons der dritten Tranche seien bereits unterwegs zu den anspruchsberechtigten Versicherten.

Rund 1 Millionen DAK-Versicherte über 75 Jahren haben ebenfalls schon ihre Coupons aus der ersten Tranche erhalten. Und am 25. Januar habe der Versand der zweiten Tranche für weitere 1,6 Millionen Personen begonnen. »Wenn die Bundesdruckerei planmäßig liefert, können auch die Gutscheine für Personen der dritten und letzten Tranche – alle ab 60 Jahren – bis Ende der Woche zur Post gehen«, so die Kasse zur PZ.

Insgesamt 3,5 Millionen Schreiben mit Coupons muss die TK insgesamt verschicken. Der Versand werde sich voraussichtlich bis in den Februar hinein hinziehen, so eine Sprecherin zur PZ. Bisher sind rund 1,6 Millionen Briefe versendet worden.

Die ersten beiden Wellen des Gutschein-Versands sind auch bei der hkk Krankenkasse bereits mit rund 32.800 Coupons beziehungsweise rund 98.300 über die Bühne. Der Versand für die 73.100 Anspruchsberechtigten in der dritten Welle wird allerdings auch dort noch etwas dauern, weil die »Lieferung der Coupons für diese Personengruppe von der Bundesdruckerei für Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar« angekündigt ist, berichtet ein Sprecher der PZ.

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