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Arzneimittelversorgung

Kiefer erstattet Spahn Bericht

Wie die Apotheken die Herausforderungen der Coronavirus-Pandemie managen, berichtet der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Andreas Kiefer, nun dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). In dem heute bekanntgewordenen Schreiben gibt es auch gute Nachrichten.
Jennifer Evans
07.04.2020  13:00 Uhr

Nach den regulatorischen Entlastungen des Bunds habe sich die Lage mit Blick auf die Herstellung von Händedesinfektionsmittel verbessert, so Kiefer. In Rheinland-Pfalz etwa führen die Apotheker selbst mit eigenen Kanistern und Bezugsscheinen zu den von der Kammer benannten Abholstellen oder würden beliefert. Der Alkohol stammt demnach aus Brauereien und Brennereien. »Beispielsweise haben von 107 angeschriebenen Apotheken in Trier 70 binnen vier Tagen eine Lieferung abgeholt«, berichtet er aus seinem Kammergebiet. Auf diese Weise könnten ausreichend Desinfektionsmittel für die Versorgung aller anderen Gesundheitsdienstleister hergestellt werden.

Auch die neuen Spielräume, Öffnungszeiten betriebsbezogen anzupassen, haben sich Kiefer zufolge ausgezahlt. Beispielsweise könnten die Pausen genutzt werden, um die Offizin zu desinfizieren. Zudem sei es dadurch nun »besser möglich, zum Mitarbeiterschutz in getrennten Schichtteams zu arbeiten«, hebt er hervor. Die erweiterten Schließzeiten über die Mittagszeit ermöglichen ebenfalls, die stark angewachsene Zahl von Botendiensten zu bewältigen.

Schwierige Liefersituationen zeigen sich weiterhin beim Bezug von Wirkstoffen wie Ibuprofen und Paracetamol, berichtet Kiefer. »Der Abgabepreis des deutschen Marktführers für Ibuprofen-Granulat zur Herstellung schnell freisetzender Tabletten ist in den letzten 15 Monaten von 15 Euro auf heute 56 Euro pro Kilo gestiegen.« Bei Paracetamol finde derzeit ein Preiskampf um direkt verpressbares Granulat statt. Das habe Lieferschwierigkeiten oder oft sogar Lieferengpässe zur Folge. Glücklicherweise seien bei Fertigarzneimitteln mittlerweile Abweichungen von Rabattvertragsvorgaben möglich.

Entspannung bringen demnach die neuen Regeln der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung, von Vergütung des Botendiensts bis hin zur aut-simile-Abgabe. Laut Kiefer erarbeitet die BAK, deren wissenschaftlicher Beirat sowie die AMK Handreichungen für die praktische Umsetzung, die dann mit den verordnenden Ärzten vor Ort abgestimmt werden können.

Rufe nach Rx-VV werden wieder lauter

In seinem Schreiben an den Minister hebt der BAK-Präsident noch einmal hervor, wie wertvoll in der derzeitigen Mangelsituation ein engmaschiges Netz an Vor-Ort-Apotheken ist. Vor diesem Hintergrund begrüßt er insbesondere das im Kabinettsentwurf für das Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) aufgenommene Makelverbot für E-Rezepte.

Allerdings weist er Spahn ebenfalls darauf hin, dass die Apothekerschaft aktuell darunter leidet, dass der Versandhandel keine einheitlichen Preise für Rx-Medikamente hat. »Die allabendlich im TV zu verfolgenden Rabattversprechen von Arzneimittelversendern sind für sie ein großes Ärgernis.« Seiner Auffassung nach ist es angesichts der kritischen Versorgungslage nicht verwunderlich, dass die Rufe nach einem Rx-Versandverbot »quer durch die Bundestagsfraktionen wieder lauter werden«. Kiefer bittet Spahn daher, das Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) weiter zu verfolgen, sobald die Ausnahmesituation vorüber ist.

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