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Coronavirus

Kekulé: Schnelltests aus der Apotheke für Jedermann

Im Kampf gegen das Coronavirus sollen Antigen-Schnelltests in Deutschland künftig verstärkt zum Einsatz kommen. Der Virologe Professor Alexander Kekulé sieht die Apotheker dabei in einer zentralen Position. Das bestätigen auch Erfahrungen aus der Schweiz.
Stephanie Schersch
04.12.2020  09:00 Uhr

Erst vor wenigen Tagen hatte Jens Spahn (CDU) mit einer Zahl überrascht. Deutschland habe sich monatlich mehr als 60 Millionen Corona-Schnelltests gesichert, hatte der Bundesgesundheitsminister am Dienstag erklärt und auf sogenannte Garantie-Verträge mit großen Produzenten und Lieferanten verwiesen. Die Bundesregierung will im Kampf gegen die Pandemie Schnelltests künftig viel stärker zum Einsatz bringen. Bislang dürfen Apotheken diese Produkte nur an einen begrenzten Kreis und nicht regulär an Laien abgeben. Doch das könnte sich schon bald ändern.

Professor Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle, hält das für den einzig richtigen Weg. Er drängt bereits seit Monaten auf eine Freigabe der Tests in den Apotheken. Dabei geht es ihm vor allem um den niedrigschwelligen Zugang. »Schnelltest müssen an Jedermann abgegeben werden können«, sagte er am Donnerstag bei einer gemeinsamen Online-Diskussionsveranstaltung der Apothekerverbände Bayern, Nordrhein und Niedersachsen. Mit Blick auf den wachsenden Widerstand gegen die Corona-Beschränkungen müsse die Bevölkerung gerade jetzt mehr Freiheiten über Selbsttests bekommen. Zugleich könne man auf diese Weise mehr Infektionen abfangen, so Kekulé. »So machen wir die vielfach unsichtbare Gefahr sichtbar.«

In der Schweiz testen 150 Apotheken

Kritiker verweisen bei den Selbsttests auf die Schwierigkeiten, den erforderlichen Nasen-Rachen-Abstrich als Laie richtig durchzuführen. Für Kekulé ist das kein Argument. »Das kann man lernen wie Zähne putzen«, sagte er. Auf einen positiven Schnelltest sollte nach Meinung des Virologen allerdings zusätzlich ein PCR-Test folgen, der immer noch als genauer gilt. »Eine gesicherte Diagnose ist wichtig für die dann folgende Entscheidung über eine Therapie.«

In der Schweiz sammeln die Apotheker bereits seit Wochen Erfahrungen mit den Schnelltests. Dort werden die Tests allerdings in der Apotheke durchgeführt, einen freien Verkauf gibt es nicht. Angefangen hat alles mit einem Pilotprojekt, das vier Apotheken im Kanton Zürich auf die Beine gestellt hatten. Inzwischen würden etwa 150 Apotheken in der gesamten Schweiz diesen Service anbieten, berichtete Natalia Blarer Gnehm aus der Züricher Toppharm-Europaallee-Apotheke.

Die Kunden seien sehr dankbar für das Angebot. »Wir haben enormen Zulauf.« Pro Tag führt Gnehm rund 50 Tests in einer kleinen Holzhütte vor ihrer Apotheke durch, darunter auch PCR-Tests, die dann an ein Labor verschickt werden. Bei symptomatischen Patienten rechneten die Apotheker ihre Leistung direkt mit den Krankenkassen ab. »Das hat sich alles sehr gut eingespielt«, so Gnehm.

Apotheker sollen aufklären

So weit ist man hierzulande noch lange nicht. Das gilt auch mit Blick auf Impfungen in der Apotheke, die in der Schweiz seit Jahren zum Portfolio der Offizinen zählen. In Deutschland steht man noch ganz am Anfang dieser neuen Leistung. Seit Kurzem impfen Apotheker im Rahmen von Modellprojekten gegen die Grippe und ziehen trotz knapper Impfstoffe ein weitgehend positives Zwischenfazit. »Das Echo ist durchweg positiv«, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR). Er zeigte sich zuversichtlich, dass dieser Service langfristig auch in der Regelversorgung Fuß fassen wird. Ähnlich äußerte sich Josef Kammermeier, Vizevorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands. Das Impfen sei als Dienstleistung ein wichtiger Baustein für die Zukunft der Apotheke.

Auch Virologe Kekulé sprach sich dafür aus, das Impfen gegen bestimmte Erkrankungen zum Standard in deutschen Apotheken zu erklären. »Hier muss der Gesetzgeber nachschärfen«, sagte er. Die Impfung gegen das Coronavirus sollten allerdings nur Ärzte übernehmen. So erforderten die Impfstoffe ein spezielles Handling. »Das ist ein ganz heißes Eisen«, so Kekulé. Apotheker könnten dafür in der Aufklärung eine wichtige Rolle übernehmen. Auch AVNR-Chef Preis drängte darauf, die Coronavirus-Impfungen in den Apotheken aktiv zu begleiten. In der Bevölkerung gebe es viele Fragen rund um die Impfstoffe. »Wir müssen informieren und motivieren«, so Preis.

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