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Impfgipfel

Keine zusätzlichen Impfstoffe für Kinder & Jugendliche

Sobald die Zulassung des mRNA-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder ab 12 Jahren erfolgt, sollen diese ab dem 7. Juni in die Impfkampagne eingebunden werden. Das erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Impfgipfel am Donnerstag. Dabei gebe es keine extra reservierten Impfstoffdosen, sondern sie würden sich wie alle anderen auch um einen Impftermin bemühen können. Auf der Agenda standen auch die digitalen Impfnachweise. 
Charlotte Kurz
27.05.2021  20:16 Uhr

Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren sollen bald, wie alle Erwachsenen die keiner Priorisierungsgruppe angehören, ein Impfangebot erhalten. Das kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Impfgipfel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag an. Die Zulassung des mRNA-Impfstoffs von Biontech/Pfizer durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren soll in den nächsten Tagen erfolgen. Zudem werde auch Moderna bald einen entsprechenden Zulassungsantrag bei der EU stellen. Alle die dieser Altersgruppe angehören, werden danach in die Impfkampagne einbezogen und sollen damit ebenfalls bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot erhalten können. Der Biontech-Impfstoff ist für Jugendliche ab 16 Jahren bereits zugelassen.

Damit stellte die Bundeskanzlerin klar, dass es für die Kinder allerdings keine zusätzlich gelieferten Impfstoffe geben werde. Die knapp 5,3 Millionen 12 bis 18-Jährigen werden vielmehr in die Impfkampagne eingereiht und können sich, wie die Erwachsenen auch, nach der Aufhebung der Priorisierung ab dem 7. Juni um einen Impftermin bemühen. Laut Informationen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), die im Vorfeld des Gipfels an die Länder versandt wurden, geht das Ministerium in dieser Altersgruppe von einer Impfbereitschaft von 60 Prozent aus. Damit würden insgesamt knapp 6,4 Millionen Impfdosen für Erst- und Zweitimpfungen für die Minderjährigen benötigt. Weiter wird damit gerechnet, dass die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für die 12-bis 15-Jährigen nicht uneingeschränkt empfehlen wird, da der Nutzen einer Impfung bei vielen Kindern kaum größer sein könnte als das Risiko von beispielsweise Nebenwirkungen. Denn bei Kindern sind bislang deutlich weniger schwere Covid-19-Erkrankungsverläufe bekannt als bei Erwachsenen.

Merkel sowie die beiden Ministerpräsidenten von Berlin, Michael Müller (SPD) und Bayern, Markus Söder (CSU) haben am Donnerstag angedeutet, dass sie die diesbezüglichen Bedenken der STIKO verstanden haben. So war auch der STIKO-Chef Professor Thomas Mertens beim heutigen Impfgipfel zu Gast und hat die Politiker und Politikerinnen über die Pläne der STIKO aufgeklärt. Demnach sei es laut Söder wichtig, dass die Impfungen vor allem in Rücksprache der jeweiligen Kinderärzte erfolgen und dass vor allem Kinder mit Vorerkrankungen geimpft werden könnten. Dafür ist aber keine eigene Priorisierung angedacht, die durch eine Verordnung klar geregelt ist wie das bislang bei Personen mit Vorerkrankungen der Fall ist. Die Entscheidung einer möglichen Priorisierung liege hier in den Händen der Ärzte, betonte Merkel. Dabei bleibt sie bei ihrem Versprechen, das sie bereits im Februar gegeben hatte: Alle, also auch die Kinder und Jugendlichen, sollen bis zum Spätsommer ein Impfangebot erhalten.

Eine Impfpflicht für Kinder werde es jedoch nicht geben, auch keinen indirekten Impfzwang, so die Kanzlerin. Das neue Schuljahr nach den Sommerferien werde unabhängig davon erfolgen, ob die Kinder und Jugendlichen geimpft sein werden oder nicht, erklärte Merkel. Damit werden auch nach den Sommerferien die AHA-Regeln wie Maske tragen, Abstand halten oder auch Wechselunterricht noch von Bedeutung sein.

Probleme mit Janssen-Lieferungen

Auf dem Impfgipfel wurden zudem künftige Impfstoff-Lieferungen besprochen. So soll es für nächste Woche (KW 22) laut BMG-Information für Arztpraxen knapp 2,2 Millionen Biontech/Pfizer-Dosen, ca. 310.000 Dosen Astra-Zeneca und mehr als 720.000 Dosen von Janssen geben. In KW 26 sollen die Bundesländer eine Ausgleichslieferung des Biontech-Impfstoffs erhalten, die bei einer ersten zusätzlichen Lieferung in der KW 13 leer ausgingen oder kürzertreten mussten. Ende März 2021 wurden hier vor allem Bayern, aber auch das Saarland oder Thüringen mit extra Impfdosen beliefert, um in Regionen mit hohen Inzidenzen mehr Impfungen durchführen zu können. Allerdings kündigte Merkel auch an, dass es noch große Unsicherheiten beim Impfstoff von Janssen gebe. Hier läge derzeit eine »beträchtliche Anzahl an Dosen« in den USA und müsse aufgrund von Verunreinigungen im Produktionswerk noch von der dortigen Arzneimittelbehörde FDA freigegeben werden.

Postalischer Versand von Impfzertifikaten?

Auch das Thema rund um den digitalen Impfnachweis stand beim heutigen Impfgipfel auf der Agenda. Allerdings wiederholte Merkel am Donnerstagabend lediglich die Zusage, dass die Nachweise spätestens ab Ende Juni 2021 verfügbar sein und dass das Zertifikat europaweit anerkannt werde. Um die Nachweise für Millionen bereits geimpfter Personen nachträglich zu erstellen, sollen auch die Apotheken eine wichtige Rolle spielen, so sieht es eine geplante Gesetzesänderung vor, die der Bundestag vergangene Woche gebilligt hatte. In einer Vorlage des BMG, das im Vorfeld der Konferenz an die Länder verschickt wurde, ist allerdings auch die Rede von einer Lösung per Post. »Für bereits vollständig Geimpfte sind die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden, dass die Impfzertifikate je nach Verfügbarkeit der dafür notwendigen Daten unbürokratisch und aufwandsarm per Post zugesendet werden können.« Deshalb sollen die Länder Personen, die in Impfzentren geimpft wurden, dieses Zertifikat per Post »zeitnah nach Einführung des technischen Systems« zusenden. Mit dem Papier-Formular bekommen die geimpften Personen dann einen QR-Code zugeschickt, den sie lediglich mit dem Handy abscannen müssen. Der digitale Impfnachweis kann dann in der CovPass-App oder in der Corona-Warn-App angezeigt werden. Sollte dieser Post-Versand der QR-Codes, wie es bereits heute in Thüringen im Rahmen eines Modellversuchs möglich ist, bald kommen, könnte das einen möglichen Ansturm geimpfter Personen in den Arztpraxen und Apotheken, reduzieren.

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