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Neues Coronavirus

Keine Hinweise auf Übertragung im Mutterleib

Eine Untersuchung von neun mit SARS-CoV-2 infizierten Schwangeren ergab keine Hinweise darauf, dass der Erreger intrauterin auf das Ungeborene übergehen kann. Das zeigt eine Publikation im Fachjournal »The Lancet«.
Christina Hohmann-Jeddi
13.02.2020
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Wie sich das neue Coronavirus SARS-CoV-2 (ehemals 2019-nCoV genannt) bei Schwangeren verhält und ob es auf das Kind übergeht, hat ein Team von Medizinern um Dr. Huijun Chen vom Zhongnan Hospital der Universität Wuhan untersucht. An der kleinen Beobachtungsstudie nahmen neun Schwangere mit SARS-CoV-2-bedingter Pneumonie teil, die sich im dritten Trimester befanden. Von sechs Schwangeren wurden Proben des Fruchtwassers, Nabelschnurbluts und der Muttermilch sowie Rachenabstriche der Kinder auf das Virus hin untersucht – alle Tests fielen negativ aus.  Dieses Ergebnis spricht also gegen eine vertikale Transmission des Coronavirus von der Mutter auf das Kind.

Die Symptome der Schwangeren entsprachen dabei etwa denen von nicht schwangeren Erkrankten, berichten die Forscher. Keine der Frauen entwickelte eine schwere Pneumonie oder starb. Die Kinder wurden alle lebend per Kaiserschnitt geboren. Die Neugeborenen zeigten auch keine schweren Beeinträchtigungen. Bei zweien trat fetaler Distress (unregelmäßiges Herzfrequenzmuster des Kindes, die auf Stress hindeuten) auf, bei zwei weiteren kam es zu einem vorzeitigen Blasensprung, der allerdings nach der 36. Schwangerschaftswoche auftrat und nicht durch die Infektion bedingt war.

Die Autoren betonen allerdings, dass nur wenige Frauen über einen kurzen Zeitraum untersucht wurden, die sich erst sehr spät in der Schwangerschaft infiziert hatten und ihre Kinder per Kaiserschnitt bekommen hatten. Es sei daher unklar, welche Auswirkungen eine Infektion zu einem früheren Zeitpunkt in der Schwangerschaft hat und ob eine Übertragung des Erregers während einer vaginalen Geburt möglich ist.

Der aktuellen Publikation war laut Mitteilung von »Lancet« ein Bericht von einem Kind einer infizierten Mutter, das 36 Stunden nach der Geburt positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden war, vorausgegangen. Dieser Bericht hatte die Befürchtung geweckt, dass eine intrauterine Transmission möglich sein könnte. Seniorautor der Studie, Professor Dr. Yuanzhen Zhang, betont allerdings, dass zu diesem einen Fall wichtige klinische Details nicht bekannt seien, und man daher nicht den Schluss ziehen könnte, dass eine Übertragung im Mutterleib möglich ist. »Trotzdem sollten wir Neugeborenen von Müttern mit COVID-19-Pneumonie besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen, um Infektionen in dieser Gruppe zu verhindern«, betont Zhang in der Mitteilung.

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