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Kein Nachteil für Kinder mit Diabetes durch späte Corona-Impfung

Betroffene Eltern können beruhigt sein: Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes sind nicht anfälliger als ihre Altersgenossen für Corona-Infektionen. Sie haben kein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf und müssen mit Blick auf die Imfungen nicht priorisiert werden.
Christiane Berg
22.02.2021  15:00 Uhr

Das macht die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in einer aktuellen Stellungnahme zur geänderten Priorisierung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur Covid-19-Impfung bei Diabetes mellitus deutlich. »Es bleibt dabei: Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und haben keinen Nachteil durch eine spätere Impfung«, so die AGPD. Sie unterstreicht eindringlich, dass »Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes keine Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes sind«. Und empfiehlt daher für Kinder und Jugendliche das identische Vorgehen bezüglich einer Covid-19-Impfung wie für gesunde Kinder und Jugendliche der gleichen Jahrgänge.

Der Beschluss der STIKO zur zweiten Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung sieht vor, dass Menschen mit Diabetes egal welchen Typs und einem erhöhten Blutzuckerwert (HbA1c ≥ 58 mmol/mol beziehungsweise  ≥ 7,5 Prozent) in die Risikostufe 3 der insgesamt sechs Risikogruppen eingestuft werden. »Kinder und Jugendliche mit Typ 1-Diabetes gehören nicht zu dieser Risikogruppe, auch wenn sie einen HbA1c von mehr als 7,5 Prozent haben. Ungünstige Verläufe sind nur bei sehr langer Diabetesdauer und höherem Alter zu erwarten«, erläutert Privatdozent Dr. Thomas Kapellen, der Sprecher der AGPD, in einer begleitenden Pressemitteilung.

Auch er hebt hervor, dass es keine Hinweise auf Nachteile für Betroffene im Kindes- und Jugendalter mit Typ-1-Diabetes durch eine spätere Impfung gibt. »Eltern sollten wissen, dass zudem auch keine Anhaltspunkte für eine vermehrte Aufnahme in Krankenhäuser oder gar für eine erhöhte Sterblichkeit bei Kindern mit Typ-1-Diabetes im Rahmen von Covid-19-Infektionen existieren«, betont der AGPD-Sprecher.

In der zweiten Aktualisierung der STIKO zur Covid-19-Impfung, die am 8. Februar in Kraft getreten ist, wird das stufenweise Vorgehen entsprechend der Höhe des Risikos unter Berücksichtigung spezifischer Grunderkrankungen ausgeführt. »Hierbei handelt es sich um ein pragmatisches Vorgehen, dass auch von uns begrüßt wird«, macht der Vizepräsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), Professor Dr. Andreas Neu, deutlich.

Bei Zulassung für Kinder auch jene mit Diabetes impfen

Studiengemäß sei ein erhöhtes Risiko schwerer Covid-19-Erkrankungen bei Über-50-jährigen Menschen mit Typ-1-Diabetes und ungünstiger Stoffwechsellage bekannt. Aktuelle Zahlen aus Großbritannien, so Neu, zeigen darüber hinaus, dass das Durchschnittsalter der verstorbenen Krankenhauspatienten mit Typ-1-Diabetes bei 72 Jahren und mit Typ-2-Diabetes bei 78 Jahren liegt.

Als gesichert gilt, dass das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe abhängig auch vom allgemeinen Gesundheitszustand beziehungsweise von Organschäden oder Gefäßkomplikationen ist. Daten aus europäischen Ländern verweisen zudem auf schlechtere Covid-19-Prognosen bei gleichermaßen vorliegender Adipositas oder Hypertonie.

Ob mit oder ohne Typ-1-Diabetes: Sobald die Zulassung von Covid-19-Impfstoffen für Kinder und Jugendliche kommt, werde diese Impfung uneingeschränkt für alle jungen Menschen zu empfehlen sein. Negative Folgen einer Covid-19-Impfung seien nicht zu erwarten, so heißt es weiter in der Stellungnahme der AGPD.

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