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SARS-CoV-2

Katzen können sich offenbar infizieren

Inwieweit sich auch Tiere mit SARS-CoV-2 infizieren können, haben chinesische Forscher untersucht. Bei Katzen und Frettchen vermehrt sich das Virus offenbar effizient in den oberen Atemwegen.
Carolin Lang
02.04.2020
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Unter der Leitung des Virologen Bu Zhigao untersuchten Wissenschaftler am veterinärmedizinischen Forschungsinstituts Harbin die Anfälligkeit verschiedener Tierarten für eine Infektion mit SARS-CoV-2. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in Form eines Vorabdrucks auf dem Preprint-Server für Biowissenschaften »BioRxiv« veröffentlicht. Es handelt sich dabei um einen vorläufigen Bericht, der noch nicht von Experten begutachtet wurde.

Das Ergebnis, so die Wissenschaftler, war, dass sich SARS-CoV-2 bei Hunden, Schweinen, Hühnern und Enten schlecht, bei Frettchen und Katzen jedoch effizient repliziere. Bei Katzen werde das Virus dabei vermutlich über Tröpfchen in der Atemluft von einem zum anderen Tier übertragen.

Das Team brachte Proben des SARS-CoV-2-Virus in die Nasen von fünf Hauskatzen ein. Zwei der Tiere wurden sechs Tage später eingeschläfert. Bei diesen Tieren fanden die Forscher sowohl virale RNA als auch infektiöse Viruspartikel in den oberen Atemwegen. Die anderen drei infizierten Katzen wurden in Käfigen neben nicht infizierten Katzen gehalten. Bei einer der exponierten Katzen wiesen die Forscher später virale RNA nach. Das deute auf eine Tröpfcheninfektion durch die infizierten Katzen hin, so die Autoren. Alle vier der infizierten Katzen produzierten Antikörper gegen SARS-CoV-2.

Da Frettchen den Autoren zufolge häufig als Tiermodell für beim Mensch auftretende Atemwegsviren verwendet werden, wurde auch die Anfälligkeit dieser Tierart getestet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass SARS-CoV-2 sich in den oberen Atemwegen von Frettchen replizieren könne. Die Anfälligkeit der Frettchen mache die Tiere demnach zu einem geeigneten Modell für die Prüfung potenzieller Impfstoffe und Medikamente.

Auf der Nachrichtenseite des Fachjournals »Nature« wird Stellung zu der Untersuchung genommen: Dort heißt es, dass andere Wissenschaftler die Ergebnisse für interessant halten, aber keinen Grund dafür sehen, dass Katzenbesitzer alarmiert sein sollten. Denn bei den Laborexperimenten wurde einer kleinen Anzahl von Tieren hohe Dosen SARS-CoV-2 verabreicht. Daher repräsentiere die Studie keine realen Interaktionen zwischen Menschen und ihren Haustieren, sagte die Virologin Linda Saif von der Ohio State University in Wooster. Es gebe keinen direkten Beweis dafür, dass die infizierten Katzen das Virus in ausreichender Menge absondern, um es an Menschen weiterzugeben, ergänzte sie.

Keine der infizierten Katzen habe Krankheitssymptome gezeigt. Dass nur eine der drei exponierten Katzen angesteckt wurde, deute darauf hin, dass das Virus bei Katzen möglicherweise nicht hochgradig effizient übertragbar sei. Darüber hinaus sei die Art der Übertragung unklar, da die Studie nicht beschreibe, wie die Käfige aufgestellt wurden. Die nicht infizierten Katzen könnten sich das Virus daher auch durch kontaminierten Kot oder Urin zugezogen haben. Weitere Studienergebnisse bleiben abzuwarten, so Saif.

Schon von dem ersten SARS-Coronavirus ist bekannt, dass sich Katzen infizieren und untereinander anstecken können. Von der SARS-Epidemie 2002/2003 gebe es aber keine Hinweise, dass das Virus bei Hauskatzen weit verbreitet war oder eine Katze einen Menschen angesteckt habe, berichtet die Virologin.

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