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Heinsberg-Studie

Jeder fünfte Corona-Infizierte ist symptomlos

Virologen der Uni Bonn haben akribisch die Verbreitung des neuen Coronavirus in der Gemeinde Heinsberg untersucht. Auf dieser Grundlage nahm Studienleiter Professor Dr. Hendrik Streeck jetzt eine Schätzung für ganz Deutschland vor – was umstritten ist. 
dpa
04.05.2020
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In Deutschland könnten sich nach Ergebnissen der sogenannten Heinsberg-Studie mittlerweile möglicherweise 1,8 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben. Dies ergebe eine Schätzung auf der Grundlage einer Modellrechnung, teilte die Universität Bonn am Montag mit. Die Forscher um den Virologen Professor Dr. Hendrik Streeck zogen für ihre Schätzung die Dunkelziffer der Infizierten in der untersuchten Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg und die dort errechnete Sterblichkeitsrate bei einer Coronavirus-Infektion heran.

Das Forscher-Team um Streeck hatte in Gangelt an der niederländischen Grenze 919 Einwohner in 405 Haushalten befragt und Corona-PCR-Tests sowie ELISA-Test auf Antikörper zum Virusnachweis vorgenommen, um sowohl akute als auch durchlaufende Infektionen zu erfassen. In dem Ort hatten sich nach einer Karnevalssitzung Mitte Februar viele Bürger mit dem neuartigen Virus infiziert. Laut der Studie waren es 15 Prozent der Einwohner. In der Stichprobe waren Kinder etwas unter-, ältere Menschen etwas überrepräsentiert. In die Berechnung der Sterblichkeitsrate flossen sieben Todesfälle ein. Die Forscher beziffern die Infektionssterblichkeit (IFR) mit 0,37 Prozent. 

Diese Sterblichkeitsrate könne man «als Schätzwert benutzen, um das auf Deutschland hochzurechnen», sagte Studienleiter Streeck der Nachrichtenagentur dpa. Aus diesen Daten errechneten sie eine theoretische Zahl für Deutschland. Dabei gingen die Forscher davon aus, dass in ganz Deutschland die Sterblichkeit in etwa gleich ist. Wenn also bekannt ist, wie viele Infizierte auf einen Toten kommen, kann man von der Zahl der Verstorbenen, die das RKI mit mehr als 6.500 angibt, auf die Zahl der tatsächlich Infizierten – auch der nicht erfassten – schließen. «Das muss man natürlich immer ein bisschen mit Vorsicht genießen, es ist eine Schätzung», sagte Streeck dazu der dpa.

Bisher sei man von einem Spektrum von 0,2 bis 1,5 Prozent Sterblichkeitsrate ausgegangen, die Weltgesundheitsorganisation WHO habe sogar von 3,4 Prozent gesprochen. «Diese Spannbreite können wir durch diese Studie jetzt verringern auf einen sehr viel kleineren Fehlerbereich.» 

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