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Hautkrebs-Vorstufe

Jede aktinische Keratose ist zu behandeln

Etwa 1,7 Millionen Deutsche sind derzeit wegen aktinischer Keratosen in dermatologischer Behandlung. »Im Grunde ist jede aktinische Keratose, vor allem aber die Feldkanzerisierung zu behandeln«, vertritt Professor Dr. Dorothee Nashan, Direktorin der Hautklinik des Klinikums Dortmund.
Brigitte M. Gensthaler
12.02.2021  11:06 Uhr

Aktinische Keratosen (AK) erscheinen oft als raue rote Stellen auf stark sonnenexponierter Haut. Sie können in Hautkrebs übergehen und somit lebensbedrohlich werden. »Jeder einzelne genetisch aberrante Keratinozyt kann plötzlich proliferieren; es gibt keinen Laborparameter für die Prognose einzelner Läsionen«, berichtete die Dermatologin bei der Würzburger wissenschaftlichen Winterfortbildung.

Etwa 1 Prozent der AK gehen pro Jahr in ein invasives Plattenepithelkarzinom (PEK) über. Das kutane PEK ist nach dem Basalzellkarzinom der zweithäufigste Hauttumor. Seine Inzidenz hat sich in den letzten 30 Jahren in Deutschland schätzungsweise vervierfacht, heißt es in der S3-Leitlinie zu aktinischen Keratosen und Plattenepithelkarzinomen vom März 2020. Vorsicht ist bei Hydrochlorothiazid geboten: Der Arzneistoff kann das Risiko für ein PEK und ein Basalzellkarzinom erhöhen. Für die Entstehung von AK gebe es aber keine sicheren Daten.

Die Diagnose einer AK werde klinisch durch Inspektion der Haut und Abtasten gestellt, sagte Nashan. Sie frage die Patienten: »Wo kratzen Sie?« Typisch für Keratosen sei das »Reibeisenphänomen«, also eine raue Beschaffenheit der Läsionen, während Altersflecken homogener sind. Bei Verdacht auf eine Berufserkrankung empfehle sich eine bioptische Sicherung. Eine allgemein anerkannte Definition der Feldkanzerisierung existiert laut Leitlinie nicht; diese umfasst ein Hautareal mit mehreren AK, umgeben von sichtbaren UV-bedingten Hautschäden.

Viele bekannte Therapien und der Neuling Tirbanibulin

Zur Therapie der AK gibt es zahlreiche Optionen, die Nashan immer gemeinsam mit dem Patienten auswählt. Man könne kombinieren, aber dies sei »nicht unbedingt besser als eine Monotherapie«. Zu den primär läsionsgerichteten Verfahren gehören Kryochirurgie, Chirurgie, Laser, photodynamische (PDT) sowie topisch-medikamentöse Therapien. Hier wird 5-Fluorouracil (5-FU)-Salicylsäure- Lösung eingesetzt.

Zu den primär feldgerichteten Therapien zählen Peelings, Dermabrasio, PDT sowie Topika: Diclofenac-Na in Hyaluronsäure, 5-FU-Creme, 5-FU mit Salicylsäure sowie Imiquimod-Creme. Keine sichere Empfehlung gebe es für Wirkstoffe wie Colchicin, topisches Nikotinamid, Birkenkork, Glucane oder Retinoide.

In Europa noch nicht zugelassen ist Tirbanibulin, das die Tubulin-Polymerisation hemmt und damit den Zellzyklus stoppt. Letztlich kommt es zur Apoptose. In zwei randomisierten Phase-III-Studien wurden rund 700 Patienten über fünf Tage mit Tirbanibulin 1 Prozent Salbe topisch behandelt. Die Abheilungsrate aktinischer Keratosen lag bei 44 bis 55 Prozent bei milden bis moderaten Nebenwirkungen wie Juckreiz, Erythem und Schuppung.

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