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Coronavirus-Epidemie

Italien schließt alle Schulen

Unis und Schulen geschlossen, Theater und Kinos dicht: Italien reagiert mit drastischen Maßnahmen auf die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit Covid-19. Die Kultusministerkonferenz hält das in Deutschland nicht für nötig.
dpa
05.03.2020
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Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus bleiben in Italien bis zum 15. März alle Schulen und Hochschulen geschlossen. Das innerhalb der EU am stärksten betroffene Land reagiert damit auf die Epidemie von SARS-CoV-2. Auch Theater und Kinos werden geschlossen. Das geht aus einem entsprechenden Dekret hervor, das Ministerpräsident Giuseppe Conte am späten Mittwochabend unterzeichnete. Bisher waren vor allem in Norditalien die Schulen geschlossen, weil das Virus dort besonders umgeht. In dem Land haben sich bisher rund 3.100 Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert, 107 starben an der durch den Erreger verursachten Krankheit Covid-19.

Italiens Regierungschef rief die Menschen dazu auf, Distanz von mindestens einem Meter zu halten, auf Umarmungen und Küsschen zu verzichten. «Wir sind ein starkes Land. Ein Land, das nicht aufgibt», sagte er in einer Videobotschaft. «Wir sitzen alle im gleichen Boot.» Die allermeisten Menschen würden wieder genesen. Der Grund für drastische Maßnahmen wie Schulschließungen sei, die Versorgung aller Patienten in Kliniken zu garantieren. Wenn die Zahl der Ansteckungen rapide steige, könne eine Versorgung derer, die Intensivmedizin benötigten, nicht gewährleistet werden. Nicht nur Schulen, Kindergärten und Universitäten werden geschlossen. Auch Sportveranstaltungen jeder Art, darunter Fußballspiele der Ersten Liga, müssen ohne Publikum ausgetragen werden.

Die Präsidentin der deutschen Kultusministerkonferenz hält ein vergleichbares Vorgehen hierzulande nicht für nötig. Auch eine Verschiebung der Ferientermine sei kein Thema, sagte Stefanie Hubig der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Auch der Deutsche Lehrerverband lehnt flächendeckende Schulschließungen wegen des neuartigen Coronavirus wie in Italien ab. Lange Komplettschließungen ohne «konkret nachgewiesene, bestätigte Verdachtsfälle» halte er für falsch, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar gebe es auch in Deutschland sehr große Verunsicherung von Eltern, Lehrkräften und Schülern. Diese werde dadurch verstärkt, dass keine einheitliche Verfahrensweise in den Bundesländern erkennbar sei. Letztendlich müsse eine Güterabwägung vorgenommen werden: «Rechtfertigt der Grad der gesundheitlichen Gefährdung, dass mit der Schließung von Schulen Abschlussprüfungen ausfallen und die gesamte Bildungsplanung von Kindern in Gefahr gerät.»

Höhepunkt in Deutschland noch nicht erreicht

Weltweit sind mittlerweile mehr als 93.000 Infektionen bestätigt. In Deutschland setzt die Politik weiter auf eine Eindämmung der Erkrankung. Man müsse sich auf weiter steigende Fallzahlen einstellen, betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. «Der Höhepunkt der Ausbreitung ist noch nicht erreicht.» Der Erreger SARS-CoV-2 ist mittlerweile in allen Bundesländern außer in Sachsen-Anhalt nachgewiesen worden. Bis Mittwochnachmittag zählte das Robert-Koch-Institut (RKI) 262 nachgewiesene Infektionen.

Apotheken können nun leichter Desinfektionsmittel direkt vor Ort herstellen. Dafür sei eine Ausnahmeregelung mit dem Bundesumweltministerium beschlossen worden, sagte Spahn nach Beratungen mit seinen Länderkollegen am Mittwoch in Berlin. Der Minister räumte auch Schwierigkeiten im Umgang mit dem Virus ein. «In den betroffenen Regionen stehen alle Akteure gerade unter großem Druck», sagte er. «Natürlich sind noch nicht alle Abläufe eingespielt.» Spahn weiter: «Es dauert teilweise noch zu lange, bis Verdachtsfälle getestet werden.» Aber: «Wir analysieren die Lage laufend und stellen auftretende Probleme so schnell wie möglich ab.»

Der Bund will nun unter anderem ergänzend zu anderen Beteiligten Schutzkleidung zentral für Arztpraxen, Krankenhäuser und Bundesbehörden beschaffen, wie nach Beratungen des Krisenstabs der Regierung mitgeteilt wurde. Der Export medizinischer Schutzausrüstung ins Ausland wird auf Anordnung des Wirtschaftsministeriums verboten.

Uvex-Atemschutzmasken nur noch für Kliniken und Praxen

Der Brillen- und Sicherheitstechnik-Hersteller Uvex gibt seine noch vorrätigen Atemschutzmasken im Kampf gegen das neuartige Coronavirus nur noch an Krankenhäuser und Arztpraxen ab. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch am Firmensitz im bayerischen Fürth mit. Nach Angaben eines Sprechers stehen derzeit noch mehrere Zehntausend der Masken der Schutzklassen FFP2 und FFP3 zur Verfügung. Normalerweise beliefert Uvex mit den in China hergestellten Masken die Industrie, wo sie zum Schutz etwa vor Staub und Flüssigkeiten im Arbeitsschutz eingesetzt werden. Derzeit sei die Belieferung aus China abgebrochen, sagte der Firmensprecher. Die Produktion sei jedoch wieder angelaufen.

Für weitere Krisenmaßnahmen will die Bundesregierung bis zu 325 Millionen Euro bereitstellen. Über entsprechende außerplanmäßige Ausgaben wurde nach Angaben des Bundestags am Mittwoch der Haushaltsausschuss informiert. Davon sollen demnach bis zu 250 Millionen Euro zum Beschaffen von Schutzausrüstung dienen und bis zu 25 Millionen Euro für Informations- und Aufklärungsmaßnahmen. Wie schon bekannt, will Deutschland zudem die Weltgesundheitsorganisation mit 50 Millionen Euro unterstützen. 

In China sind der Lungenkrankheit Covid-19 weitere 31 Menschen zum Opfer gefallen. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Donnerstag mitteilte, wurden alle neuen Opfer in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei registriert, wo das neuartige Coronavirus ursprünglich in der Millionenmetropole Wuhan ausgebrochen war. Zudem kamen 139 neu bestätigte Infektionen mit dem Erreger hinzu. Mehr als 3.000 Menschen sind auf dem chinesischen Festland bislang an dem Virus gestorben. Von insgesamt 80.409 Infizierten gelten nach offiziellen Angaben bislang 52.045 als genesen.

Israel hat aus Sorge vor einer Covid-19-Ausbreitung neue Einreisebestimmungen verhängt. Touristen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Spanien dürften nicht mehr einreisen, berichtete der israelische Rundfunk am Mittwoch.

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