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Coronavirus in Deutschland

Inzwischen ein inländisches Geschehen

Die Mehrzahl der neuen Coronavirus-Infektionen in Deutschland geht inzwischen nicht mehr auf Auslandsreisen, sondern auf Kontakte im Inland zurück, betonte das RKI heute in Berlin. Das biete die Chance, die Ausbreitung im Land eindämmen zu können – zumal es noch keine Anzeichen für eine hohe Dunkelziffer gibt.
Christina Hohmann-Jeddi
05.03.2020
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Der Erreger SARS-CoV-2 breitet sich in Deutschland weiter aus. »Nicht nur die Fälle der Infektionen nehmen zu, sondern auch die Regionen, in denen sie auftreten«, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Professor Dr. Lothar Wieler, bei der täglichen Pressekonferenz heute in Berlin. Insgesamt 349 laborbestätigte SARS-CoV-2-Infektionen wurden dem Institut bis Donnerstagmorgen gemeldet, aus insgesamt 15 Bundesländern. Nur aus Sachsen-Anhalt ist bislang kein Fall bekannt. Besonders stark betroffen ist immer noch der Landkreis Heinsberg mit mehr als 100 bestätigten Covid-19-Fällen. Die Patienten in Deutschland seien zwischen 2 und 91 Jahren alt, im Mittel etwa 40, berichtete Wieler. Es sind zum jetzigen Zeitpunkt mehr Männer als Frauen betroffen.

Inzwischen sei zu beobachten, dass die Mehrzahl der neuen Infektionen nicht in Zusammenhang mit einer Auslandsreise stehen, sondern mit inländischen Kontakten. Es handele sich inzwischen also um ein inländisches Geschehen, so Wieler. Dies bedeute, dass man eine gute Chance habe, das Geschehen auch in Deutschland eindämmen zu können. Die Strategie des Containments müsse weitergefahren werden.

Der Pandemieplan, der für eine mögliche Influenzapandemie entwickelt worden war, wurde inzwischen angepasst, berichtete Wieler. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass sich die Gesundheitsministerkonferenz auf eine entsprechende Ergänzung zum Pandemieplan geeinigt habe. Diese war nötig, da der Pandemieplan ursprünglich für ein neu auftretendes Influenzavirus entwickelt worden war. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Infektionen.

Die Ergänzung enthält vor allem drei Unterschiede zum Influenza-Pandemieplan, betonte der RKI-Präsident. Erstens sind gegen das Coronavirus, anders als bei der Grippe, in absehbarer Zeit keine Impfstoffe verfügbar. An einem Impfstoff werde zwar weltweit intensiv auch in supranationalen Kooperationen geforscht, mit einer wirksamen Vakzine sei aber wegen der nötigen klinischen Prüfung erst im Laufe des nächsten Jahres zu rechnen, so Wieler.

Der zweite Punkt sei, dass anders als bei der Grippe gegen das Coronavirus auch keine etablierten Therapeutika zur Verfügung stehen. »Die gute Nachricht ist, dass hier viele klinische Studien laufen, vor allem in China, bei denen Medikamente experimentell eingesetzt werden.« Er sei optimistisch, »dass solche Medikamente auch in Deutschland in den nächsten Wochen eingesetzt werden können«. Um welche Wirkstoffe, es sich dabei handelt, sagte er nicht. Eventuell kommen unter anderem das gegen Ebola entwickelte Remdesivir, das gegen Influenza in Japan und China zugelassene Favilaprevir oder die bereits zugelassene HIV-Kombination Lopinavir/Ritonavir (Kaletra®) infrage.

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