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Corona-Krise

Intensivmedikamente werden knapp

Die EU-Kommission warnt vor Engpässen bei wichtigen Anästhetika, Antibiotika und Schmerzmitteln in den kommenden Tagen und fordert die Hersteller auf, die Produktion hochzufahren.
Daniela Hüttemann
08.04.2020  14:00 Uhr

Laut einem Bericht der Tageszeitung »Welt« hat die EU-Kommission den europäischen Pharmaverbänden am Freitag »als Angelegenheit extremer Dringlichkeit« einen Brief geschickt. Demnach sollen die Verbände ihre betroffenen Mitgliedsunternehmen auffordern, ihre Produktion hochzufahren. Hintergrund sei, dass mehrere EU-Mitgliedsstaaten der Europäischen Arzneimittelagentur EMA in den Tagen zuvor mitgeteilt hätten, dass sie nur noch für eine Woche Vorräte der lebenswichtigen Medikamente hätte.

Die »Welt« schreibt von Beruhigungsmitteln, Anästhetika, Muskelrelaxanzien und nennt als konkrete Beispiel  für Deutschland Fentanyl, Propofol, Ketamin, Lorazepam und Morphin. Insgesamt hätten die Krankenhäuser der EMA bevorstehende oder bereits bestehende Engpässe für 47 Wirkstoffe für die Intensivmedizin gemeldet. Schwer an Covid-19 erkrankte Patienten, die auf Intensivstationen an Beatmungsgeräte angeschlossen sind, benötigen dem Bericht zufolge bis zu 50 verschiedene Medikamente.

Die Coronavirus-Pandemie verschlimmere die ohnehin seit Jahren zunehmende Problematik durch verschiedene Faktoren, hatte die EMA am Freitag mitgeteilt. Gerade für Covid-19-relevante Arzneimittel sei man derzeit im Gespräch mit der Pharmaindustrie, um die Herstellung hochzufahren. Ein neues zentrales Meldesystem für Lieferengpässe mit dem Namen i-SPOC soll zudem ein koordiniertes Vorgehen erleichtern.

Zuletzt hatte der Europäische Pharmaverband EFPIA am 3. April in einer Pressemitteilung versichert, dass seine Mitgliedsunternehmen rund um die Uhr daran arbeiten, die Kapazitäten zu erhöhen und die Versorgung mit kritischen Arzneimitteln europaweit sicherzustellen. Auch der Pharmaverband sprach sich für eine EU-weite Koordination aus und warnte vor Hamsterkäufe einzelner Staaten. Flaschenhals in Produktion und Distribution sei derzeit der eingeschränkte Luftfrachtverkehr. Auch den Lockdown und das Exportverbot bestimmter Arzneistoffe aus Indien sieht EFPIA als kritischen Faktor an.

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