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Heinz-Günter Wolf ist neuer Präsident der ABDA

13.12.2004
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Mitgliederversammlung

Heinz-Günter Wolf ist neuer Präsident der ABDA

von Thomas Bellartz, Berlin

Im „Tandem“ mit seinem Vize Friedemann Schmidt will der neu gewählte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf in den kommenden Jahren die Interessen der Apothekerschaft vertreten. Hans-Günter Friese, der am 1. Januar den Stab an Wolf übergibt, dankte die ABDA-Mitgliederversammlung mit stehenden Ovationen.

Der Höhepunkt des dreiwöchigen Wahlmarathons war durchaus nicht arm an Überraschungen. Wochenlang hatte die Gerüchteküche gebrodelt, war mit ständig neuen Informationen angeheizt worden. Das Resultat der Wahlen zum geschäftsführenden Vorstand der ABDA spiegelte den Willen vieler Kammern und Verbände zu einer Veränderung und einem Generationswechsel wider.

Der mit Spannung erwartete dritte Tagesordnungspunkt begann außergewöhnlich: Wolf und Schmidt schlugen sich gegenseitig für die beiden Spitzenämter vor. In einem gemeinsamen Gespräch hatten sich beide am Vorabend der Wahl intensiv ausgetauscht und waren dabei zu dem Schluss gekommen, dass man sich durchaus als Tandem der Wahl stellen wolle.

Schmidt hatte vor dem eigentlichen Wahlgang das Wort ergriffen und sagte: „Wir wollen Sie bitten, uns als Tandem zu wählen. Wir werden Sie gemeinsam – wenn Sie es denn wollen – vertreten.“ Von diesem Statement schienen nicht wenige überrascht. Doch der Beifall machte deutlich, dass auch auf den ersten Blick ungewöhnliche Vorschläge in der angeblich verkrusteten ABDA-Struktur bestehen können. Denn Schmidt machte klar, dass es neben der Zugehörigkeit zu Kammer oder Verband, oder dem Proporz-Denken insgesamt, wohl noch eine andere, elementare Komponente gebe, die zähle. Menschlich komme man nämlich „prima“ miteinander aus. „Es kommt viel Arbeit auf uns zu. Aber davor haben wir keine Angst“, warb Schmidt für die Wahl von Wolf, dem Vorsitzenden des Landesapothekerverbandes Niedersachsen und bisherigen Vizepräsidenten.

Auf Vorschlag des rheinland-pfälzischen Kammerpräsidenten Dr. Hartmut Schmall kandidierte auch Dr. Günther Hanke für das Amt des ABDA-Präsidenten. Schmall, ehemals Präsident der Bundesapothekerkammer, sagte, es gehe ihm bei seinem Vorschlag nicht um Personen, sondern darum, die Diskussion anzuregen. Im ersten Wahlgang setzte sich Wolf gegen Hanke schließlich mit 76 Prozent der abgegebenen Stimmen durch. 27 von 34 Organisationen hatten für den bisherigen ABDA-Vize gestimmt. Noch bevor Wolf sich für die Wahl bedankte und die Wahl annahm, dankte er dem bisherigen ABDA-Präsidenten. „Hans-Günter, es waren schöne vier Jahre mit sehr viel Arbeit.“ Man habe sehr vertrauensvoll zusammen gearbeitet. „In diesem Sinne wollen wir das so weitermachen.“ Hanke freute sich „über das klare Ergebnis“ und sagte Wolf ausdrücklich die Unterstützung der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg zu.

Klare Mehrheit für Schmidt

Auch für die Wahl zum Vizepräsidenten und mit als Wolfs Nachfolger kandidierte auf Vorschlag Schmalls Hanke. Wolf schlug den sächsischen Kammerpräsidenten Schmidt vor, der sich im Wahlgang mit 53 Prozent gegen 32 Prozent für Hanke durchsetzen konnte. 15 Prozent stimmten mit Nein. 23 der 34 Organisationen stimmten für Schmidt als neuen Vizepräsidenten. Der bedankte sich zwar für die Wahl, ließ aber durchaus wissen, dass er die Ohrfeige als solche zu verstehen wisse. Der Gratulationsreigen war bei dem Sachsen nicht kürzer als bei Wolf kurz zuvor. Allerdings hatte es auf Antrag von Dr. Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger Apothekerverbands, eine Sitzungsunterbrechung gegeben.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits spürbar, dass es nach den Wahlen der beiden Spitzen deutlich entspannter zuging. Auch wenn es zu einer neuerlichen Kampfabstimmung um die Besetzung des nicht-selbstständigen Vertreters in den geschäftsführenden ABDA-Vorstand ging. Der Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Niedersachsen, Götz Schütte, kandidierte erneut um das Amt. Gegenkandidatin war Anneliese Menge, seit kurzem Präsidentin der Apothekerkammer Nordrhein. Sie war vom nordrheinischen Verbandsvorsitzenden Thomas Preis vorgeschlagen worden, unterlag Schütte allerdings deutlich, für den 75 Prozent und 28 Organisationen votierten. Menge erhielt 20 Prozent, mit Nein stimmten 5 Prozent.

Als Vertreter der nicht-selbstständigen Apotheker im ABDA-Gesamtvorstand wurden Dr. Martin Weißer und Monika Oppenkowski gewählt. Besetzt wurden ebenfalls der Haushalts- und der PR-Ausschuss.

Vor den Wahlen hatte Friese darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, dass der Berufsstand in größtmöglicher Geschlossenheit auf die jüngsten Veränderungen reagiere. In einem Parforce-Ritt resümierte Friese die vergangenen vier Jahre und die vielfältigen Veränderungen, mit denen sich in dieser Zeit Apothekerinnen und Apotheker, aber eben auch die ABDA habe befassen müssen. Friese dankte den Mitstreitern im geschäftsführenden ABDA-Vorstand, aber auch den Geschäftsführern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ABDA. Sie hätten im Zuge der jüngsten gesetzgeberischen Maßnahmen „Enormes“ geleistet.

Friese verwies darauf, er habe bereits vor einiger Zeit angekündigt, nicht mehr für das Amt des ABDA-Präsidenten zu kandidieren. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihm diese Entscheidung nicht leicht gefallen war. „Die Aufgabe hat mir enormen Spaß gemacht“, versicherte er der Mitgliederversammlung. Er sei stolz darauf, was man gemeinsam in der Vergangenheit geleistet habe.

Stehender Applaus für Friese

Der scheidende ABDA-Präsident will sich allerdings nicht ganz aus der Standespolitik verabschieden, sondern nun „aus der zweiten Reihe“ weiter das Geschehen verfolgen und die neue ABDA-Spitze unterstützen. Mit stehendem Beifall reagierten die Vertreter der Kammern und Verbände auf die Rede Frieses.

Überhaupt dürften auch und insbesondere die Statements von Hanke und Schmidt dazu angetan sein, der ABDA eine positive Perspektive zu geben. Schmidt kündigte an, dass er sich dafür einsetzen wolle, möglicherweise aufgerissene Gräben schnell zuzuschütten und dies mit intensiven Gesprächen und Diskussionen zu begleiten. Hanke sagte, er habe sich – anders als es ihm manche vorausgesagt hätten – bei der Wahl „keine blutige Nase“ geholt. Es sei ihm wichtig gewesen, dem Gremium der ABDA-Mitgliederversammlung die Entscheidung zu überlassen, wer die ABDA in den nächsten vier Jahren führen werde.

Dem geschäftsführenden ABDA-Vorstand gehören ab 1. Januar 2005 neben Wolf, Schmidt und Schütte auch die Präsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK), Magdalene Linz, sowie der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Hermann S. Keller, an.

Seinen ersten Auftritt vor der ABDA-Mitgliederversammlung hatte Dr. Hans-Jürgen Seitz, der im Mai 2005 als Nachfolger von Professor Dr. Rainer Braun das Amt des ABDA-Hauptgeschäftsführers antreten wird. Die ersten Reaktionen auf den Biologen, der zurzeit noch in Diensten des Pharmaherstellers Hoffmann-La Roche ist, waren positiv.

Die Zahl der Gratulanten aus Ärzteschaft, Krankenkassen und Politik war groß. Die Reaktionen auf den Personalwechsel waren wohl auch deswegen positiv, weil in der ABDA-Spitze nicht ausschließlich neue Gesichter vertreten sind. Denn schließlich kannten und kennen Wolf, Keller und Schütte bereits das „Geschäft“. Ausdrücklich begrüßte am Montag die Apothekengewerkschaft Adexa die Wahl des neuen ABDA-Präsidenten. Man setze darauf, dass es zu einer Fortführung bereits begonnener Gespräche über gemeinsame Aktionen kommen werde. Top

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