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Medizin

14.12.1998
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-MedizinGovi-Verlag

HIV-Heilung nicht in Sicht

Als derzeit vielversprechendste Therapie gegen das HI-Virus gilt die Kombination zweier Nukleosidanaloga mit einem Proteasehemmer. Wichtigstes Ziel der antiretroviralen Therapie ist es, die Virusvermehrung maximal zu unterdrücken. Im Idealfall werden dabei Werte unterhalb der Nachweisgrenze der momentan empfindlichsten Tests (< 20 Kopien des viralen Erbmaterials pro ml Blut) erreicht.

Seit wenigen Jahren ist bekannt, daß die Viruslast im Blut zwar einen wertvollen Marker für den Krankheitsverlauf und die Therapie darstellt, der Hauptteil des Geschehens aber in den lymphatischen Organen stattfindet. Nicht alle Medikamente können in ausreichender Konzentration in alle Körperareale vordringen. Deshalb sollte eine Kombinationstherapie immer Medikamente enthalten, die auch in den lymphatischen Organen und im ZNS wirken.

Auch Patienten mit einer fortgeschrittenen HIV-Infektion können von einer antiretroviralen Therapie profitieren. Dies hätten Studien der letzten Jahre gezeigt, meldet das Pharmaunternehmen MSD. HIV-positive Patienten sollten aber sofort nach der Diagnose mit einer Therapie beginnen. Damit könne verhindert werden, daß der Teil des Immunsystems beschädigt wird, der HIV-infizierte Zellen erkennen und vernichten kann. Damit besteht nach Meinung des Unternehmens die Hoffnung, daß bei früh behandelten Patienten das Immunsystem langfristig das HI-Virus ohne Hilfe von Medikamenten in Schach halten könnte.

Von den therapeutischen Fortschritten profitieren die Entwicklungsländer bislang wenig: Es fehlt an Geld und medizinischer Infrastruktur. Zudem beobachten Epidemiologen mit Sorge, daß Gonorrhoe unter HIV-Positiven erneut zunimmt. Auch multiresistente HI-Viren treten immer wieder auf. Infiziere man sich mit einem solchen Virus, habe man mit den heute verfügbaren Medikamenten praktisch keine Aussicht auf Erfolg.

Viele Patienten sind bei langjähriger Einnahme von Medikamenten schlicht überfordert: Pillen werden vergessen oder die Dosis eigenmächtig reduziert. Eine wichtige Strategie, um die Entwicklung resistenter Virusvarianten zu verhindern, ist daher die Förderung der Compliance.

Auch wenn die Pharmakotherapie Erfolge erzielen konnte, sind die Chancen auf eine Heilung praktisch gleich null. Die Entwicklung eines Impfstoffes steckt noch in den Anfängen. Auf absehbare Zeit bleiben Prävention und „Safer Sex„, den leider noch zu wenige Menschen praktizieren, nach wie vor die wichtigsten Waffen im Kampf gegen HIV.

Artikel von der PZ-Redaktion

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