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Bilanz ziehen

14.12.1998
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-EditorialGovi-Verlag

Bilanz ziehen

von Hans-Günter Friese,
Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

Das Jahr 1998 neigt sich allmählich dem Ende zu. Zeit nachzudenken und Bilanz zu ziehen. 1998 war für die Apotheke ein Jahr der Konsolidierung, wenn man die Zahlen aus den Rechenzentren und anderen Quellen richtig interpretiert. Die wirtschaftlichen Einbrüche der letzten Jahre seit 1993 scheinen einigermaßen ausgeglichen.

Politisch hat das Jahr 1998 eine Wende eingeleitet. Horst Seehofer CDU/CSU mußte seinen Stuhl für Andrea Fischer von Bündnis 90/Die Grünen räumen. Welche Konsequenzen dieser Regierungswechsel auf das Gesundheitswesen haben wird, kann zur Zeit - und das hat die Diskussion auf dem 1.Bonner Gesundheitsforum der Pharmazeutischen Zeitung gezeigt - keiner voraussagen.

Das "Weihnachtsgeschenk", das die neue Gesundheitsministerin uns mit dem Vorschaltgesetz auf den Gabentisch gelegt hat, gefällt uns sicher nicht, auch wenn das Budget durch die Änderungsanträge erträglicher geworden ist. Aber die Kritik aus den Reihen der SPD und die Unsicherheit der Gegenfinanzierung lassen befürchten, daß relativ schnell eine Korrektur zu erwarten ist. Bei diesem Durcheinander muß ich die Frage stellen, ob dieses Gesetz notwendig war. Eines ist klar, die Vergünstigungen für den Versicherten - alles Wahlgeschenke - wird er an anderer Stelle selbst bezahlen müssen, denn auch nach den Wahlen ist nicht mehr Geld zum Verteilen da.

1999 wird für uns Apotheker ein Jahr der Entscheidungen über die zukünftige Gestaltung des Gesundheitswesens und über die Rolle des Apothekers in diesem System.

Die ABDA und mit ihr die Mitgliedsorganisationen werden alles tun, in der "großen Gesundheitsreform ab 2000" den Apotheker und die Apotheke so zu positionieren, daß weder der Apotheker noch die Institution Apotheke wegrationalisiert werden können. Mit der Pharmazeutischen Betreuung und den Ergebnissen aus den ersten Studien haben wir Argumente in der Hand, die Politik von der Notwendigkeit der Apotheke als Betreuungsort für den Patienten, insbesondere auch für den chronisch kranken Patienten, zu überzeugen. Der Mehrwert der Apotheke ist für die Gesellschaft inzwischen berechenbar.

Die Dialogbereitschaft der neuen Gesundheitsministerin macht mir Hoffnung, daß wir unser Ziel erreichen. Ob die große Strukturreform am 1.Januar 2000 in Kraft treten kann, daran sind berechtigte Zweifel gestattet, denn die Fragen, wie zum Beispiel ein Globalbudget aussehen wird und wer letztendlich die Verantwortung dafür tragen soll, kann in Bonn zur Zeit keiner beantworten.

Wir werden also parallel zur Diskussion über die Strukturreform die Entwicklung der sektoralen Budgets weiterhin kritisch begleiten müssen und Druck machen, daß Arzneimittel mit den Heil- und Hilfsmitteln nicht weiterhin in einen Topf geworfen werden.

Fazit: Wir wissen, was wir wollen. Wir wissen auch, was die anderen Leistungserbringer und die Krankenkassen wollen. Nur was die Regierung will, wissen wir noch nicht. Wir hoffen, das in den kommenden Gesprächen zu erfahren.

Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen und darüber hinaus allen Mitarbeitern, wünsche ich ein geruhsames Weihnachtsfest und ein hoffentlich erfolgreiches Neues Jahr. Top

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