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Nicht deklarierte Corticosteroide in topischen Zubereitungen

07.12.1998  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

Nicht deklarierte Corticosteroide in topischen Zubereitungen

Dem ZL werden immer wieder von Apotheken aus dem ganzen Bundesgebiet Cremes, Salben, Sprays und Lotionen unbekannter Zusammensetzung, manchmal mit bekannter Aufmachung samt Angabe der Inhaltsstoffe und als deklariertes Kosmetikum zur Überprüfung vorgelegt. Die Präparate gelangen über diverse Vertriebskanäle mit oder ohne Mitwirkung der Apotheken zum Patienten. Diese Zubereitungen sollen bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis, auch bei Kindern, wundersam gewirkt haben. Die Apotheken und Patienten schöpfen häufig Verdacht hinsichtlich eventuell nicht deklarierter potenter Arzneistoffe wie Corticosteroide in den Zubereitungen und schicken die Proben zur Überprüfung an das ZL. In den letzten zwei Jahren (1997 und 1998) sind allein etwa 130 Verdachtsproben auf Corticosteroide untersucht worden. In mehr als 50 % der Fälle konnte der Anfangsverdacht bestätigt und synthetische Corticosteroide qualitativ identifiziert und halbquantitativ bestimmt werden.

Die Anzahl der zu prüfenden Corticosteroide liegt bei etwa 45 diversen Verbindungen und deren Derivaten. Hier werden authentische Referenzsubstanzen benötigt. Die Proben mit diversen Matrices müssen vor dem Einsatz der Analysenverfahren entsprechend behandelt und unterschiedlich extrahiert werden. Die Begleitstoffe und störende Bestandteile müßen im ersten Schritt zum großen Teil abgetrennt werden.

Dünnschichtchromatographie mit Fließmitteln unterschiedlicher Polarität sowie verschiedene Sprühreagenzien, HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie), normal-Phase und reversed-Phase Verfahren mit UV-Detektion und mit Diodenarray-Detektor, sind die gängigen Analysenverfahren zum Nachweis von nicht deklarierten Corticosteroiden. Zur Bestätigung eines gefundenen Corticoids kommt gegebenenfalls auch die Infrarotspektroskopie (Aufnahme eines Infrarotspektrum des chromatographisch abgetrennten Stoffes) zum Einsatz. Als weitere aufwendige aber "gerichtsfeste" Methode wird im ZL das Verfahren LC-MS-MS, Liquidchromatographie mit einem Doppelquadrupol-Massenspektrometer zur Identitätsbestimmung eingesetzt. Hier werden nicht nur die Masse der in Frage kommenden Stoffe nach HPLC-Trennung massenspektrometrisch genau identifiziert, sondern auch mit einem zweiten Quadrupol die Fragmentierungsprofile eben dieses Stoffes massenspektrometrisch analysiert. Als Vergleichssubstanzen werden simultan authentische Referenzstandarde eingesetzt. Hier gilt das Argument (wie manchmal vom Hersteller hervorgebracht) eines falsch positiven Nachweis wegen Interferenzen von Begleitstoffen nicht. Ohne weitere Anreicherung der Probe beträgt die Nachweisgrenze von Corticoiden in den Zubereitungen im allgemeinen bei etwa 0,01 %.

Darüber hinaus wird im ZL eine zweite, unabhängige pharmakodynamische Methode, der Vasokonstriktionshauttest unter standardisierten Bedingen (Blindwert, Standard und Probe) zum positiven oder negativen Nachweis von Corticoiden in den topischen Zubereitungen eingesetzt. Hier wird die Probe ohne jegliche Vorbehandlung direkt auf die Hautoberfläche einer Testperson aufgetragen und die durch Steroide induzierte Abblassung der Hautfläche im Testfeld betrachtet. Dieser Test wird nicht für sich allein, sondern zusammen mit den Ergebnissen der analytischen Untersuchungen beurteilt. Dadurch ergibt sich ein Mosaikwerk der Beweisführung.

Diese Vorgehensweise, der Einsatz von chromatographischen, spektroskopischen und massenspektrometrischen Analysenverfahren, verbunden mit einem pharmakodynamischen Vasokonstriktionshauttest führt mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit zur Detektion eines nicht deklarierten und heimlich zugesetzten Corticosteroids in den Salben-, Creme- und Sprayproben bekannter oder unbekannter Zusammensetzung.

Als Beispiele aus der letzten Teit sind die Nachweise von Corticosteroiden in den sogenannten kosmetischen Produkten Skin-Cap-SprayÒ und Psorigon Cremes genannt. Das ZL hat zunächst in Skin-Cap-Sprays Triamcinolonacetonid, dann bei einer späteren Charge nicht deklarierte Clobetasolpropionat und dann vor kurzem ein Betamethasonderivat nachgewiesen. Diese Ergebnisse wurde dann von mehreren Labors in Europa bestätigt. Vor kurzer Zeit wurde ebenfalls vom ZL nicht deklariertes Clobetasolpropionat in Psorigon Creme detektiert. Diese Aktivitäten führten zum Rückruf der entsprechenden Chargen in der Pharmazeutischen Zeitung bzw. zur weiteren Veranlassungen der zuständigen Behörden. Diese Mitteilungen werden regelmäßig unter der Rubrik von Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker bekannt gemacht.

Diese kurze Notiz sollte darlegen, wie arbeitsintensiv die Untersuchung einer Probe bis zum sicheren positiven oder negativen Nachweis eines nicht deklarierten Corticoids in einer Probe, häufig unbekannter Zusammensetzung, ist.

Alle interessierten Apothekerinnen und Apotheker können beim Vorliegen einer Verdachtsprobe auf Corticosteroide mit dem ZL Kontakt aufnehmen.

PZ-Artikel von Syed Laik Ali, ZL, EschbornTop

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