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PZ Nachrichten

07.12.1998  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-VerlagPZ +++ Nachrichten +++   08.12. AOK will Versicherte beraten
PZ. Die Ortskrankenkassen sehen sich in ihrer Forderung bestärkt, stärker in die Arzneimittelberatung und -therapie einzusteigen. Diese Schlußfolgerung zieht das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO, Bonn) aus einer repräsentativen, bundesweiten Bevölkerungsbefragung unter 3000 Kassenmitgliedern. Nach Angaben des Instituts haben dabei im Frühsommer rund 74 Prozent der Befragten "starke Einschränkungen für Arzneimittel ohne nachgewiesene Wirksamkeit verlangt". Die Versicherten stünden damit "eindeutig hinter Konzepten einer rationalen Arzneimitteltherapie". Wie das WIdO weiter berichtet, würden rund 80 Prozent der Versicherten erwarten, daß die Krankenkassen stärker über Qualität, Unbedenklichkeit und Nutzen von Medikamenten und neuen Behandlungsmethoden informieren. Eine hohe Zustimmung finde mit knapp 73 Prozent auch "die Verpflichtung des Arztes" zur Abgabe preisgünstiger Generika.

08.12. Inkontinenz: Anticholinergika sinnvoll
PZ. Vier bis fünf Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Harninkontinenz. Etwa die Hälfte könnte von einem Anticholinergikum profitieren. Mit dieser Therapie könnten jährlich etwa 500 Millionen DM gespart werden, sagte Dr. Andreas Wiedemann vom Marienhospital in Gelsenkirchen vor der Presse. In einer Anwendungsbeobachtung mit 2034 mobilen Patienten wurden die Kosten für aufsaugende Hilfsmittel, Medikamente, Tees und Hautpflegemitteln vor und nach vierwöchiger Therapie mit zweimal täglich 20mg Trospiumchlorid geschätzt. Der Bedarf sank deutlich: 26 Prozent der Patienten konnten auf Vorlagen und Netzhosen verzichten, 71 Prozent brauchten keine Hautpflegemittel mehr. Es ergab sich eine Nettoeinsparung von 7,60 DM pro Patient und Woche. Ein ähnliches Ergebnis lieferte eine Untersuchung mit 131 Patienten, die an Dranginkontinenz und Reizblasensymptomatik litten. Hier betrug die Nettoeinsparung 6,1 0DM pro Patient und Woche.

07.12. Leichter Überschuß bei GKV in Sicht
PZ. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wird das laufende Jahr bei 250 Milliarden DM Gesamtausgaben mit einem Überschuß von vermutlich zwei Milliarden DM abschließen. Das ergibt sich nach übereinstimmender Einschätzung von Regierung und Opposition aus den jetzt vorliegenden Rechnungsergebnissen der ersten drei Quartale 1998. Darin wird zwar noch ein Defizit von 0,9 Milliarden DM ausgewiesen. Im vierten Quartal ist aber aufgrund von Sonderzahlungen an die GKV-Mitglieder zum Jahresende erfahrungsgemäß mit deutlich höheren Beitragseinnahmen zu rechnen. Die GKV-Leistungsausgaben je Mitglied sind in den ersten drei Quartalen 1998 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,1 Prozent gestiegen (Westdeutschland: +1,4 Prozent, Ostdeutschland: -0,1 Prozent). Die beitragspflichtigen Einnahmen nahmen um 1,6 Prozent zu (West +1,9 Prozent, Ost -0,3 Prozent). Die GKV-Ausgaben für Arzneimittel expandierten nach den Angaben des Ministeriums je Mitglied bundesweit um 1,8 Prozent. Im Westen expandierten sie überdurchschnittlich um 2,7 Prozent, während sie in den neuen Ländern um 1,8 Prozent zurückgingen.

07.12. BVMed hilft Kliniken bei Jahr-2000
PZ. Mit eine Checkliste will der Bundesfachverband Medizinprodukteindustrie Krankenhäuser davor bewahren, daß zum Jahrtausendwechsel Aufzüge steckenbleiben oder EDV-gesteuerte Systeme auf Intensivstationen ausfallen. Alle elektronisch gesteuerten Systeme in Krankenhäusern könnten von dem Problem betroffen sein, teilte der Bundesfachverband (BVMed) in Wiesbaden am Montag mit. Dazu gehörten Telefonanlagen, Heizungssysteme, aber auch Überwachungseinrichtungen im OP. Der Wechsel ins Jahr 2000 kann ältere Computersysteme zum Absturz bringen, deren interner Kalender die Jahreszahl nur zweistellig erfaßt. Solche Systeme springen dann von 99 auf 00 um, was als 1900 interpretiert werden kann. Krankenhäuser müßten bei dem Problem besonders sensibel sein.

07.12. EU-Ausschuß für Verbot von Tierantibiotika
vwd. Ein Vorschlag von EU-Agrarkommissar Franz Fischler zum Verbot von vier Antibiotika in Tierfutter ist mehrheitlich von EU-Wissenschaftlern unterstützt worden. Aus der Umgebung von Fischler verlautet am vergangenen Mittwoch, daß im Ständigen Ausschuß für Futtermittel bei der Europäischen Kommission zehn Vertreter der EU-Staaten - darunter Deutschland - den Vorschlag unterstützen, aus Gesundheitsgründen vier Antibiotika von der Liste zugelassener Tierfutter-Zusatzstoffe zu streichen. Wie es hieß, will Fischler seinen Vorschlag beim Rat am 14./15. Dezember einbringen. Für eine Annahme reiche eine einfache Mehrheit. Demnach würden die Antibiotika Spiramycin, Virginiamycin, Tylosin-Phosphat und Bacitracin-Zink von 1. Januar 1999 an auf den Index gesetzt.

04.12. Genvariante beschleunigt Aidsausbruch
dpa. Wie schnell ein HIV-Infizierter an Aids erkrankt, ist auch genetisch determiniert. Eine bestimmte Mutation führt schon in der Hälfte der durchschnittlichen Zeit zur Erkrankung. Das haben Wissenschaftler in einer Studie mit 2603 Aids-Patienten in fünf Kliniken der USA entdeckt. Die Forscher berichten über die erste bisher bekannte Gen-Variante, die den Zusammenbruch des Immunsystems durch HIV fördert, im US-Fachjournal "Science" (Bd. 282, S.1907). Die Variante CCR5P1 kommt überraschenderweise am selben Gen vor, das sich bisher einen Namen als Schutzengel für HIV-Infizierte gemacht hatte. Bestimmte Varianten des CCR5-Gens wie auch des verwandten CCR2-Gens können die Folgen der HIV-Infektion verzögern und die Entwicklung von Aidssymptomen aufhalten. Bei denjenigen, die die ungünstige Variante von beiden Eltern geerbt habe (CCR5P1/P1), die Immunschwächekrankheit Aids im Durchschnitt schon nach dreieinhalb Jahren ein.

04.12. Ministerium warnt vor Psorigon
PZ. Vor möglichen Gesundheitsschäden bei der Anwendung bestimmter Chargen der Hautpflegeserie Psorigon hat das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium gewarnt. Wie das Ministerium am Donnerstag in Kiel mitteilte, enthalten die Präparate verschreibungspflichtiges Tretinoin. Tretinoin kann die Haut stark reizen. Die Produkte dürfen keinesfalls in der Schwangerschaft verwendet werden, da sie den Embryo schädigen können. Betroffen ist das Produkt Skin Regenerator mit der Zusatzbezeichnung Skin Repair plus C (Ch.-B.: 85-201/05C). Ebenfalls gewarnt wird vor den Präparaten Psorigon Skin Regenerator und Psorigon Body Lotion (Ch.-B.: 88-201/07EU, 84-202/02, 87-202/03 EU und 080203). Das Ministerium fordert Verbraucher auf, die gekauften Produkte zurückzugeben. Erst vor einigen Wochen wurden Verbraucher vor anderen Chargen von Psorigon gewarnt.

04.12 BPI erwartet Änderung im Vorschaltgesetz
PZ.Der Entwurf des Vorschaltgesetzes zur Gesundheitsreform wird nach Einschätzung des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) noch modifiziert. Der Grund: Die neuen Bundesländern wollen nach BPI-Informationen die am Mittwoch beschlossenen Änderungen beim Arzneimittelbudget nicht mittragen. Das habe der Staatssekretär im brandenburgischen Gesundheitsministerium Schirmer in einem Gespräch mit dem BPI gesagt. Demnach wollen die neuen Länder eine getrennte Regelung für West- und Ostdeutschland durchsetzen. Hintergrund dieser Marschrichtung ist, daß der Pro-Kopf-Verbrauch an Medikamenten im Osten höher als in den alten Ländern ist. Eine Budgetregelung auf Basis gesamtdeutscher Durchschnittswerte könnte deshalb in den neuen Ländern teilweise zu erheblichen Problemen bei der Arzneiversorgung führen, wird befürchtet.

04.12. Arme Menschen sterben früher
dpa. Arme Menschen ohne soziale Absicherung haben nach Erkenntnissen der Berliner Ärztekammer eine sieben Jahre geringere Lebenserwartung. Mittellose Personen kämen nicht in Genuß dergesundheitlichen Leistungen und würden häufiger krank, sagte der Präsident der Ärztekammer Berlin, Ellis Huber, am Freitag in Berlin zu Beginn des vierten bundesweiten Kongresses Armut und Gesundheit. "In Deutschland leben bis zu 20 Prozent der Menschen in sozialer Not", sagte Johannes Spatz, Sprecher des Vorstandes Gesundheit in Berlin. Dazu gehörten Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, illegale Flüchtlinge, Obdachlose und Menschen in Altersarmut.

03.12 Die aktuellen Änderungen im SolG
PZ. Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen SPD-Fraktion und dem Bundesgesundheitsministerium in einer internen Sitzung des Gesundheitsausschusses des Bundestages gab es doch noch Einigung. Und dabei änderten insbesondere die SPD einige wichtige Änderungsvorschläge zum Entwurf des Solidaritätsstärkungsgesetzes (SolG). Die Entscheidungen im Arzneimittelbereich: Es gilt das Arzneimittelbudget von 1996 plus einem Zuschlag von 7,5 Prozent. Wenn Kassenärztliche Vereinigungen zur damaligen Zeit kein Budget hatten, legt die zuständige Aufsichtsbehörde das Budget fest. Sie kann dann auch die in den Vorjahren nicht vorgenommenen Budgetanpassungen nachholen, um eine Benachteiligung der Ärzte in diesen Regionen zu vermeiden. Das Aufsichtsamt ist zu einem Teil auf Schätzungen angewiesen, die eventuell Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen. Darum wird festgelegt, daß eine Klage keine aufschiebende Wirkung hat. Nach vorläufigen Berechnungen dürfte das Arzneimittelbudget bei insgesamt 38,6 Milliarden DM liegen. Im ersten Entwurf des Gesetzes war festgelegt worden, die Festbeträge der Stufe I im unteren Drittel der Produktepreise anzusiedeln. Nun ist daraus eine Kannbestimmung geworden, allerdings für alle drei Festbetragsstufen. Die Zuzahlungen für Arzneimittel bleiben bei 8, 9 und 10 DM je Packungsgröße.

02.12. Geringes Risiko bei Narkosen
dpa. Das Risiko einer tödlich verlaufenden Narkose nimmt in Deutschland stark ab. Wie Professor Dr. Hugo Van Aken am Mittwoch beim 30. Münsteraner Anästhesie-Symposium mitteilte, starb im vergangenen Jahr nur noch einer von 250.000 Patienten an den Folgen einer Narkose. 1985 war die Zahl nach Angaben des Wissenschaftlers noch 25mal so hoch. Die Fortschritte seien vor allem auf die verbesserte Ausbildung der Anästhesieärzte zurückzuführen. "Wenn Krankenhäuser jetzt versuchen, in diesem Bereich Personalkosten einzusparen, wird das Risiko aber wieder steigen", warnte Van Aken. 80 Prozent der Zwischenfälle seien auf menschliches Versagen zurückzuführen. In ganz Deutschland werden jährlich rund sieben Millionen Anästhesien angewandt.

02.12 Gute Noten für Beratung in Apotheken
PZ. Für die meisten Menschen ist die Apotheke weit mehr als eine Rezept-Einlöse-Stelle. Rund zwei Drittel der Deutschen kaufen auch ohne ärztliche Verordnung Produkte in einer Apotheke. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen bundesweiten Umfrage, die der Deutsche Apothekerverband am 1. Dezember in Düsseldorf vorstellte. Fast jeder zweite Befragte habe die Apotheke als wichtige Informationsquelle für Gesundheitsprodukte genannt, sagte Dr. Andreas Kaapke vom Kölner Institut für Handelsforschung, das die Studie im Auftrag des DAV ausgeführt hatte. Insgesamt wurden 7575 Menschen in der gesamten Bundesrepublik befragt. Besonders gut schnitten die Pharmazeuten bei der Beratung ab. Auf einer Skala von 0 (schlechte Beratung) bis 5 erhielten sie durchschnittlich den Wert 4,7. Nach den Aussagen der Befragten sei die Qualität der Beratung auch das wichtigste Kriterium für die Auswahl einer Apotheke.

02.12 Verstopfung durch Arzneimittel
PZ. Viele Arzneistoffgruppen haben obstipierende Begleiteffekte: Daran sollte man im Offizinalltag denken und die wichtigsten "Verdauungshemmer" gedanklich parat haben, um Nebenwirkungen aufzudecken. Eine Eselsbrücke: Grundsätzlich können alle Arzneistoffgruppen, die mit der Silbe "An" beginnen, obstipierend wirken. Das sind beispielsweise Analgetika, Anticholinergika, Antidepressiva (besonders trizyklische) ; Antikonvulsiva, Antiepileptika, Antacida, Antiarrhythmika, Anionenaustauscher wie Colestyramin Antihypertonika (besonders Clonidin, Verapramil), Antiparkinson-Mittel, (anticholinerge, antidopaminerqe), außerdem Codein oder Opiat-haltige Husten- und Schmerzmittel sowie Diuretika. Lösen Medikamente Verdauungsprobleme bei geriatrischen Patienten aus, wird man in den meisten Fällen um ein Abführmittel nicht umhinkommen.Top

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