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Bei der Wundversorgung umdenken

07.12.1998  00:00 Uhr

-MedizinGovi-Verlag

Bei der Wundversorgung umdenken

Passé ist der Slogan, es muß Luft an eine Wunde kommen, damit sie heilt. Das Gegenteil ist der Fall: Modernes Wundmanagement erfordert ein feuchtes Milieu und das gilt insbesondere für das Ulcus cruris, betonte Dr. Karl Christian Münter aus Hamburg kürzlich in Köln.

Erzielen läßt sich ein feuchtes Wundmilieu nach seinen Worten mit Hilfe moderner Hydrokolloidverbände. Diese dichten die Wunde ab und nehmen das Wundsekret in die Innenschicht auf, wo es mit Hilfe der dort enthaltenen Mikropartikel geliert. Es sei der Heilung förderlich, wenn das Wundsekret an der Oberfläche konserviert wird, denn es enthält zahlreiche Wachstumsfaktoren. Es kommt zu einer verstärkten Chemotaxis, zur Stimulation der mitotischen Aktivität, die die Wundheilung verstärkt anregt. Fibroblasten und Endothelzellen werden aktiviert, durch die Anreicherung von Proteasen und Metalloproteasen werden Fibrinthromben und Beläge aufgelöst.

"Die Zeit der Wundheilung wird signifikant verkürzt, das Ulcus cruris heilt deutlich schneller ab", erklärte Münter. Rund zwei Drittel aller venösen Ulcera könnten nach seinen Worten mit einem solchen modernen Wundmanagement innerhalb von zwölf Wochen zur Abheilung gebracht werden. Damit würden zugleich der öffentlichen Hand erhebliche Kosten gespart, denn das Ulcus cruris stellt derzeit in aller Regel eine chronische Wunde dar, die der regelmäßigen ärztlichen Versorgung bedarf. In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Patienten an Ulcus cruris, eine erhebliche Dunkelziffer kommt hinzu.

Die feuchte Wundversorgung hat einen weiteren Vorteil, der dem Patienten ebenfalls direkt zugute kommt: Es gibt praktisch kein Verkleben mehr, der Verbandswechsel ist weit schonender und schmerzfreier als das konventionelle Vorgehen.

PZ-Artikel von Christine Vetter, Köln

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