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In Schweden verschärft sichein Mangel an Apothekern

30.11.1998  00:00 Uhr

-Politik

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GESUNDHEITSPOLITISCHES FORUM

In Schweden verschärft sich
ein Mangel an Apothekern

Immer weniger Apotheker müssen in Schweden immer mehr Arzneimittel verkaufen. Allein seit Anfang 1997 hat fast ein Zehntel aller Angestellten der staatlichen Apothekengesellschaft "Apoteket AB" das Angebot genutzt, vorzeitig in Pension zu gehen. Nun fehlt es an Personal, denn der Verkauf rezeptpflichtiger Arzneimittel ist unerwartet stark gestiegen.

300 Millionen schwedische Kronen mußte Apoteket AB in den Jahren 1997 und 1998 sparen. Das war die Auflage, die das staatliche Budget der bisher einzigen zugelassenen Apothekenbetriebsgesellschaft in Schweden gemacht hatte. Um dieses Ziel zu erreichen, bot die Geschäftsführung den Mitarbeitern an, unter bestimmten Bedingungen frühzeitig in Pension zu gehe. Mit Erfolg: 914 Angestellte - fast ein Zehntel des gesamten Personals - nutzten das Angebot. Doch jetzt fehlt das Personal, um in den rund 900 Verkaufsstellen von Apoteket AB sicherzustellen, daß zumindest immer ein Pharmazeut anwesend ist. Dies jedoch ist gesetzliche Voraussetzung dafür, überhaupt rezeptpflichtige Arzneimittel an Patienten abzugeben.

Der Arbeitsmarkt ist leergefegt

In vielen Gebieten des Landes melden sich auf Stellenanzeigen hin überhaupt keine Bewerber - der Arbeitsmarkt für Pharmazeuten ist leergefegt. Vor allem die Arzneimittelindustrie, aber auch der westliche Nachbar Norwegen sind die Hauptkonkurrenten. Und die Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre haben die staatliche Apothekengesellschaft als Arbeitgeber nicht gerade attraktiver gemacht. Gleichzeitig werden die Schlangen in den Apotheken immer länger. Denn der Verkauf nahm seit Anfang 1997 um rund zehn Prozent zu - unerwartet, wie die Leitung von Apoteket AB betont.

Den Hintergrund für den akuten Mangel an Pharmazeuten sieht Lennart Axelsson, der Geschäftsführer des schwedischen Pharmazeuten-Verbandes, in der zu geringen Ausbildungskapazität. Darauf habe sein Verband bereits seit vielen Jahren hingewiesen. So legten 1996/97 nur 33 Apotheker ihr Examen ab; 1994/95 waren es noch 83.

Ähnlich sieht es bei den "Receptariern" aus, die im Anschluß an ihre Pharmazeutische Ausbildung und das bestandene Examen das Recht haben, rezeptpflichtige Arzneimittel zu verkaufen: Hier gab es 1996/97 267 Examen, 41 weniger als 1994/95. Der Neuzugang, so Axelsson, reiche einfach nicht aus, den Bedarf zu decken. Und wenn es zu der erwogenen Deregulierung des Apothekenmarktes in Schweden kommen sollte, werde es auf keinen Fall genügend ausgebildete schwedische Pharmazeuten geben, um den dann entstehenden noch höheren Bedarf zu decken.

In einzelnen Landesteilen könnte es angesichts der gegenwärtigen prekären Personalsituation nun dazu kommen, daß Apotheken ganz geschlossen werden. Zumindest aber wird es vielerorts zunächst einmal kürzere Öffnungszeiten geben. Allerdings, sagte Lars-Åke Söderlund, der geschäftsführende Apothekendirektor für den Großraum Stockholm, sei dies nur die letzte Gegenmaßnahme gegen die Personalnot. Eigentlich wolle man die Zugänglichkeit der Apotheken nicht verringern, sondern im Gegenteil erhöhen.

PZ-Artikel von Uwe K. Preusker, Stockholm

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