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Klare Ergebnisse fehlen bislang

30.11.1998  00:00 Uhr

-Pharmazie

Govi-Verlag

MAGENKREBSDURCH HELICOBACTER

Klare Ergebnisse fehlen bislang

Seit einigen Jahren spekulieren Wissenschaftler darüber, ob Helicobacter pylori nicht nur die Entstehung von Ulcera fördert, sondern auch das Magenkrebsrisiko erhöht. Bislang sind das allerdings nur Spekulationen; noch fehlen Ergebnisse einer breitangelegten prospektiven Interventionsstudie.

"Die Helicobacter-pylori-Gastritis ist wichtigste Grundbedingung für die Krebsentstehung," bemerkte Professor Dr. Manfred Stolpe vom Institut für Pathologie an der Universität Bayreuth während einem Streitgespräch auf der Medica in Düsseldorf. Zahlreiche epidemiologische, histologische und pathologische Befunde sprächen eindeutig dafür. Darüber hinaus sei es Wissenschaftlern vor kurzem erstmals im Tierexperiment gelungen, ein Magenkarzinom durch die alleinige Infektion mit H. pylori zu erzeugen. Von dem Keim gebildete Substanzen wie Zytotoxine, Ammoniak und Phospholipasen führten zu Schäden des Oberflächenepithels der Magenschleimhaut bis hin zur Nekrose. Daraus resultiere eine verstärkte Proliferation die auch die Mutationsgefahr in den Stammzellen erhöhe. Immerhin habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Keim schon 1994 als Karzinogen eingestuft.

Der Internist Professor Dr. Friedrich Hagenmüller vom Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Altona gab zu bedenken, daß weniger als 1 Prozent aller Infizierten tatsächlich ein Magenkarzinom entwickeln. Auch Patienten mit Zwölffingerdarmgeschwüren, die immerhin zu 95 Prozent mit Helicobacter durchseucht sind, litten äußerst selten an Karzinomen. Die unterschiedlichsten Faktoren begünstigten die Krebsentstehung. Neben dem Bakterium spielten zahlreiche andere endo- und exogene Einflüsse eine Rolle. Weitere Studien seien dringend nötig.

Nach dem heutigen Kenntnisstand beeinflussen vor allem ernährungs- und umweltbedingte Risikofaktoren wie salzreiche und vitaminarme Kost, Nitrosamine, Alkohol sowie Tabak die Pathogenese. "Der negative Effekt des Helicobacter geht zwischen allen anderen Faktoren unter", sagte Hagenmüller, der es deshalb ablehnte, alle Patienten allein aus Krebsvorsorgegründen gegen das Bakterium zu behandeln. Die Untersuchung auf H. pylori sei Patienten mit chronischer Gastritis, Ulcus und malignen Lymphomen aber dringend angeraten.

Weltweit laufen derzeit zehn Interventionsstudien. Ergebnisse liegen bislang noch nicht vor. Nach Meinung beider Experten gibt es schon so genügend Gründe, das Bakterium zu bekämpfen. Man solle die Karzinom-Problematik nicht überbewerten. Ansonsten schüre man nur eine Krebsangst in der Bevölkerung.

PZ-Artikel von Ulrich Brunner, Düsseldorf

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