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PZ Nachrichten

30.11.1998  00:00 Uhr
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PZ +++ Nachrichten +++  01.12.Alzheimer-Preis an Australier vergeben
PZ. Der mit 20 000 US-Dollar dotierte Alois-Alzheimer-Award geht 1998 an den australischen Pathologen Colin L. Masters, einen Pionier der neurobiologischen Grundlagenforschung. Erstmals fand die Verleihung im renovierten ehemaligen Mikroskopiersaal Alzheimers in der Psychiatrischen Universitätsklinik in München statt. Mit seinen Forschungen, unter anderem zusammen mit dem Deutschen Professor Dr. Konrad Beyreuther, trug Masters maßgeblich zum Verständnis der molekularen Grundlagen der Erkrankung bei. Sie erforschten gemeinsam das Plaque-Amyloid, das sich im Gehirn der Patienten ablagert, und erkannten dieses als Eiweißbruchstück. Ihre Schlußfolgerung, daß der Schlüssel zu der degenerativen Hirnerkrankung im Verständnis der Freisetzung des ßA4-Fragments aus dem Amyloid-Vorläuferprotein liegt, erwies sich als richtig. Der Preis, der am 28. November zum vierten Mal vergeben wurde, wird gestiftet von der Pharmaceutical Group Europe des Pharmaunternehmens Bristol-Myers Squibb.

01.12. Erste Grippe-Erkrankungen gemeldet
dpa. Experten melden erste Grippefälle dieses Winters in Deutschland. Die ersten Grippe-Erkrankungen dieses Winters hat die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) gemeldet, "Wir haben einige Fälle in Hessen und einen Fall in Bayern registriert, bei denen das Influenza-Virus Typ A nachgewiesen wurde", sagte AGI-Sprecher Michael Köllstadt am Montag der dpa in Marburg. Nachdem nun auch die ersten Grippe-Viren isoliert worden seien, rechne die AGI in den nächsten ein bis zwei Wochen mit Grippewellen in einigen deutschen Regionen. Eine Grippe-Epidemie deute sich aber nicht an. Immer noch sei es Zeit für Risikogruppen, etwa immungeschwächte, ältere Menschen, sich gegen die Virus-Grippe impfen zu lassen, sagte der Grippe-Experte.

30.11.Neuropeptid steuert die Lust auf Alkohol
dpa. Der eine neigt zu Alkoholismus, der andere kann Bier oder Schnaps nicht einmal riechen: Wesentlichen Anteil daran hat vermutlich das Neuropeptid Y. Das geht aus Tierversuchen hervor, deren Ergebnisse Todd Thiele und seine Mitarbeiter von der University of Washington in Seattle, USA, kürzlich in Nature veröffentlichten. Bei ihren Untersuchungen verwendeten die Wissenschaftler Mäuse, die kein Neuropeptid Y mehr besaßen. Ohne unter äußeren Zwang gesetzt zu sein, tranken diese Mäuse doppelt soviel Alkohol wie die Mäuse der gesunden Kontrollgruppe. Außerdem brauchten sie viel weniger Schlaf, um sich von ihrem Rausch zu erholen. Bei einem umgekehrten Versuch mit Mäusen, die mehr als die normale Menge des Neuropeptids besaßen, trat das Gegenteil ein. Sie hatten einen sehr viel geringeren Hang zum Alkohol als Tiere der Kontrollgruppe, und sie brauchten länger, um sich zu erholen. Wie das Neuropeptid die Lust auf Alkohol steuert, ist allerdings noch unklar.

30.11. Mittelstand sieht sich vom GKV-SolG bedroht
PZ. Der pharmazeutische Mittelstand sieht sich ständig existenz-bedrohenden Eingriffen durch die Gesundheitspolitik ausgesetzt. Darauf hat heute in Bonn Peter Derwein vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hingewiesen. Derwein sprach auf einer Pressekonferenz des "Aktionskreises Mittelstand im Gesundheitswesen", der erstmals öffentlich auftrat. Die Initiative von Verbänden der Ärzte, Zahnärzte und Pharmaindustrie kritisiert das geplante Vorschaltgesetz zur Gesundheitsreform. Apotheker sind in dem Aktionskreis noch nicht mit von der Partie, jedoch sollen weitere Berufsgruppen zur Mitarbeit angeregt werden. Durch die im Solidaritatsstärkungsgesetz vorgesehenen Arzneibudgetierung seien Rationierungen programmiert. Während große Unternehmen in andere Bereiche - etwa den OTC-Markt - oder auf ausländische Märkte ausweichen könnten, sei mittelständischen Herstellern das oft nicht möglich. Sie seien häufig an den deutschen Markt und hier nicht selten auf bestimmte Marktsegmente spezialisiert.

30.11.Aids-Epidemie weitgehend außer Kontrolle
dpa. Die Aids-Epidemie ist nach Einschätzung von Experten weitgehend außer Kontrolle. "In diesem Jahr werden sich weltweit 5,8 Millionen Menschen mit dem Immunschwächevirus HIV infizieren und 2,5 Millionen an Aids sterben", warnte der Leiter der Aids-Arbeitsgruppe am Robert-Koch-Institut, Ulrich Marcus, am Montag in Berlin. In Ländern des südlichen Afrika wie Botswana, Namibia und Simbabwe seien 20 bis 26 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung infiziert. Ein weiterer Brennpunkt der Epidemie sei Indien mit jetzt rund vier Millionen Infizierten. Relativ günstig sehe die Situation in Deutschland aus, sagte Marcus anläßlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember. In der Bundesrepublik würden sich jährlich 2000 bis 2500 Menschen neu anstecken. Dank besserer Medikamente, die den Ausbruch von Aids hinausschieben, sei in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Aids-Toten in Deutschland von 2000 auf 800 jährlich gesunken. "Diese Zahl wird schon in den nächsten zwei Jahren wieder steigen, weil die HI-Viren Resistenzen gegen die Aids-Hemmer entwickeln", warnte Marcus. Zufrieden äußerten sich Marcus und Etgeton über die Präventionsarbeit in der Bundesrepublik. Die niedrigen Zahlen in Deutschland seien ein Erfolg der gemeinsamen Anstrengungen von Bundesregierung und Aids-Hilfe.

27.11. Scheurich Präparate nun von Strathmann
PZ.Die Strathmann-Gruppe hat gemäß eigenen Angaben die Geschäftsanteile der E. Scheurich Pharma zum 15. November 1998 übernommen und das Unternehmen von Appenweier nach Hamburg verlagert. Strathmann will sich durch den Erwerb im OTC-Vertrieb neu orientieren, etwa durch eine Ausweitung des Scheurich-Sortiments und Einrichtung eines kaufmännischen Außendienstes zum 1. Januar 1999. Das Design der Scheurich-Medikamente soll beibehalten bleiben, die Bestelladresse ist nun aber dieselbe wie für die Strathmann-Produkte. Für Scheurich Pharma in Appenweier bedeutet dies das „zweite Aus". Denn schon einmal, 1990, war das Schicksal der deutschen Pharmafirma besiegelt. 1971 vom US-Konzern A. H. Robins übernommen, geriet Scheurich in den Strudel dieses bankrotten Unternehmens, das Anfang 1990 vom Konkurrenten American Home übernommen wurde. Diesem Konzern wiederum gehörte die Firma Much in Bad Soden an, die ihrerseits nun mit der Aufgabe einer Integration von Scheurich Pharma und weiteren Home-Töchtern in Deutschland - beispielsweise Wyeth Pharma, Münster, und Efeka, Isenhagen, betraut war. Ein Umzug von Scheurich nach Bad Soden sowie eine Fusion mit Much unter dem Namen Much Pharma ab dem 1. Januar 1991 war bereits beschlossene Sache. Es gelang jedoch dem Geschäftsführer von Scheurich, Manfred Rübel, dies durch ein ManagementBuy zu verhindern. Seitdem gehörte ihm das Unternehmen, das im 75. Jahr seines Bestehens - 1987 - 220 Mitarbeiter in Appenweier beschäftigte. Kurz vor der Übernahme durch Strathmann waren indes nur noch eine Handvoll Mitarbeiter beschäftigt.

27.11. Vorschaltgesetz überflüssig
PZ. Der Entwurf des Solidaritätsstärkungsgesetzes ist nach Einschätzung der Union überflüssig und sollte umgehend zurückgezogen werden. Die vorgesehene Budgetierung gefährde die Versorgungsqualität der Bevölkerung und zudem Tausende Arbeitsplätze im Gesundheitswesen, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Wolfgang Lohmannn, heute in Bonn. Das Gesetz sei nicht nötig, um die Beitragssatzstabilität in der GKV 1999 zu gewährleisten, betonte der Parlamentarier. Das hatten bei der Anhörung des Gesundheitsausschusses in der vergangenen Woche die Kassenvertreter übereinstimmend bestätigt. Das Vorschaltgesetz ist demnach nur erforderlich, um rot-grüne Wahlversprechen einzulösen. Nach den Ausführungen der Sachverständigen seien diese "Geschenke" aber "zur Zeit nicht seriös und damit nicht sicher gegenfinanziert". Die Finanzierungslücke bezifferte Lohmann auf rund zwei Milliarden DM. So wisse zur Zeit niemand, wieviel Geld den Kassen durch die Neuregelung der 620/520 DM-Jobs zufließen werde, zumal die Neuregelung nun erst zum 1. April 1999 greifen solle. Zudem ist nach den Worten Lohmanns die vorgesehene Entlastung der GKV-Arzneiausgaben in Höhe von 900 Millionen DM durch die drastische Senkung der Festbeträge nicht realisierbar. Nach Berechnungen der Krankenkassen werde dieser Einspareffekt im nächsten Jahr nur bescheidene 60 bis 80 Millionen DM betragen.

27.11. Feigwarzen übers Immunsystem angehen
PZ. Imiquimod ist der erste Repräsentant einer neuen Wirkstoffklasse, der sogenannten Immune Response Modifier. Imiquimod (Aldara®) ist seit kurzem zur topischen Behandlung von Feigwarzen, zugelassen. Anders als herkömmliche Behandlungsverfahren zielt Imiquimod nicht auf eine chemische oder mechanische Beseitigung der Kondylome ab. Es aktiviert vielmehr gezielt das Immunsystem, das dann die zugrunde liegende Infektion, induziert durch Papillomaviren (HPV), bekämpft. Imiquimod wirkt somit indirekt kausal. Es aktiviert topisch appliziert das lokale kutane Immunsystem. Es stimuliert lokal die Produktion von Interferon A beziehungsweise von Zytokinen. Bei sachgerechter Anwendung treten als Ausdruck der lokalen Zytokininduktion leichte bis mäßig starke Anzeichen einer lokalen Entzündungsreaktion auf. Diese korrelieren eng mit der Heilungstendenz und sind als Zeichen der pharmakologischen Wirkung zu interpretieren. Die Rezidivrate liegt bei 10 bis 15 Prozent und damit deutlich niedriger als unter allen anderen Therapien, vermutlich weil Imiquimod die Viruslast drastisch vermindert.

26.11. ZL-Leiterin will Vertrauen zurückgewinnen
PZ. Die zukünftige Leiterin des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL), Professor Dr. Helga Möller, will das hohe Renomée des Institutes möglichst schnell wieder herstellen. Auf der ZL-Mitgliederversammlung am 26. November in Eschborn, sagte Möller, sie werde alles tun, um das Vertrauen der Industrie zurückzugewinnen. Die ZL-Chefin wird am 1. Januar 1999 das Amt übernehmen. Im Vordergrund der vertrauensbildenden Maßnahmen müsse ein Qualitätsmangementsystem stehen, das unter anderem die Validität der vom ZL ermittelten Daten garantiere. In der Industrie habe es in jüngster Zeit kritische Stimmen zur Unabhängigkeit des Institutes gegeben, berichtete die neue Leiterin, die bis zur Jahresmitte bei Hoechst tätig war.

26.11. Sorge um Arbeitsplätze in Bayern
PZ. Einige tausend Arbeits- und Ausbildungsplätze in bayerischen Apotheken sind nach Einschätzung der bayerischen Berufsorganisationen durch das Solidaritätsstärkungsgesetz ernsthaft bedroht. "Vor allem Frauen und ältere Angestellte fürchten um ihren Arbeitsplatz", sagte Jutta Rewitzer vom Kammervorstand vor der Presse. Auch die Patienten werden Einschränkungen spüren: Allein in Bayern dürfen die Ärzte 1999 Arzneimittel im Wert von rund 600 Millionen DM nicht mehr verordnen, ergänzte Kammerpräsident Johannes Metzger. "Das ist Rationierung." Als unmoralisch und unsauber bezeichnete Verbandschef Gerhard Reichert die Bonusregelung für Ärzte. In einer Resolution, die am Vorabend bei einer Protestveranstaltung von über 500 Apothekern einstimmig verabschiedet wurde, wenden sich die bayerischen Kollegen in scharfer Form gegen das Gesetz und das zu niedrig angesetzte Budget.

25.11. Hoechst: Fusion mit Rhone-Poulenc
dpa. Der Frankfurter Chemieriese Hoechst und die französische Rhone-Poulenc wollen einen der weltweit größten Pharmahersteller schmieden. Nach wochenlangen Spekulationen bestätigte die Hoechst AG am Mittwoch, daß mit den Franzosen Verhandlungen über eine Fusion des Gesundheits-, Ernährungs- und Agrarchemiegeschäftes beider Unternehmen (Life Sciences) geführt werden. Zuvor hatte Hoechst nach dpa-Informationen auch mit anderen Branchengrößen einen möglichen Zusammenschluß sondiert. Über diesen eher unverbindlichen Status sind die Kontakte mit Rhone-Poulenc aber jetzt hinausgetreten. Als mögliches Modell gilt der Zusammenschluß der Schweizer Chemiegiganten Ciba und Sandoz zu einem Konzern unter dem Namen Novartis. Nach Informationen des "Wall Street Journal" soll der Zusammenschluß bereits in der kommenden Woche bekanntgegeben werden. Unter Berufung auf Verhandlungskreise schreibt das US-Blatt, das Pharma- und Agrarchemiegeschäft beider Konzerne werde in ein neues Unternehmen eingebracht, das Hoechst und Rhone-Poulenc zu gleichen Teilen gehören solle.

25.11. Neues Immunsuppressivum Basiliximab
PZ. Ein monoklonaler Antikörper, der den Interleukin-2-Rezeptor blockiert, soll bei frisch Transplantierten die Abstoßungsreaktion gegen das neue Organ unterdrücken. Seit November ist der Wirkstoff Basiliximab (Simulect®, Novartis) zur Behandlung von Menschen nach Nierentransplantationen zugelassen. Mit der Zulassung für Herz- und Lebertransplantationen rechnet der Basler Konzern im nächsten Jahr. Der chimäre monoklonale Antikörper, der an die alpha-Kette des Interleukin-2-Rezeptors bindet, habe sich in zwei Phase-III-Studien mit insgesamt 722 nierentransplantierten Patienten als effektiv erwiesen, sagte Dr. Björn Nashan von der medizinischen Hochschule Hannover auf einer Pressekonferenz des Herstellerunternehmens Novartis am 20 November in Freiburg. Die Patienten erhielten 40 mg Basiliximab (je 20 mg am Tag 0 und 4) zusätzlich zur Standardtherapie mit Ciclosporin und Steroiden. Bei den 363 Patienten aus der Verumgruppe lag die Häufigkeit akuter Abstoßungen ein halbes Jahr nach der Transplantation um 33 Prozent unter der Inzidenz der Placebogruppe. Diese hatten lediglich die Standardtherapie aus Ciclosporin und Steroiden erhalten, bilanzierte Nashan. Die Verum-Patienten hätten zudem signifikant weniger Steroide eingenommen. Nebenwirkungen und Infektionen unterschieden sich in beiden Gruppen nicht.

25.11. Ungewöhnlich viele Lungenentzündungen
dpa. In Deutschland erkranken mehr Menschen als im November üblich an einer Lungenentzündung. "In den vergangenen zwei Wochen beobachten wir, daß die Zahl stark zugenommen hat", sagte der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Influenza, Helmut Uphoff am Mittwoch in Marburg. Es handele sich dabei um die Mykoplasma-Pneumonie, die alle vier Jahre verstärkt auftrete. Bei jungen Menschen sei zudem eine grippeähnliche Atemwegserkrankung beobachtet worden, bei der man noch nicht wisse, welcher Erreger dahinterstehe. Von einer Grippewelle bleibe Deutschland jedoch bislang verschont. Im vergangenen Jahr sind Uphoff zufolge 17 000 Menschen in Deutschland an einer Lungenentzündung gestorben. Genaue Zahlen zur derzeitigen Krankheitswelle gebe es nicht. Die Arbeitsgemeinschaft steht ständig in Verbindung mit rund 600 praktischen Ärzten, die ihr auffällige Krankheiten melden. Trotz der kalten Witterung sind in diesem Herbst in Deutschland noch keine Grippeviren registriert worden. Es sei auch keine Epidemie in Sicht, sagt der Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Influenza, Rolf Heckler, in Hannover.

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