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Hoechst und Celanese gehengetrennte Wege

23.11.1998  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

Hoechst und Celanese gehen getrennte Wege

Damit hatten weder die Journalisten noch die Wertpapieranalysten gerechnet, und der Vorstandsvorsitzende des Hoechst-Konzerns, Jürgen Dormann, kam am 17. November in der Herbst-Pressekonferenz gleich zur Sache: "Wir beabsichtigen, das Life-Sciences-Geschäft und das Industriegeschäft voneinander zu trennen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats und einer außerordentlichen Hauptversammlung sollen zwei voneinander unabhängige, börsennotierte Gesellschaften mit den Schwerpunkten Gesundheit und Ernährung beziehungsweise industrielle Chemie entstehen."

Zugleich enttäuschte Dormann insistierende Fragen der Journalisten nach einer hartnäckigen, das Börsengeschäft beeinflussenden Übernahmespekulation zwischen Rhône-Poulenc-Rorer und Hoechst. "Zu Gerüchten", so seine konsequente Aussage, "nehmen wir nicht Stellung."

Die Life-Sciences-Gesellschaft umfaßt nach Vollzug der Transaktion, die im Frühjahr 1999 abgeschlossen sein soll, Hoechst Marion Roussel für Pharma, AgrEvo für Pflanzenschutz und -produktion sowie Hoechst Roussel Vet für Tiergesundheit. Beteiligt bleibt Hoechst an den Gemeinschaftsunternehmen Dade Behring, Diagnostika, Centeon, Blutplasma, Nutrinova, Lebensmittelzusatzstoffe und zunächst weiter auch an den Industriegeschäften Clariant, Dyneon, DyStar, Messer, Targor, Trespaphan und Wacker, von denen sich Hoechst schrittweise ohne Wertverlust trennen will.

Celanese wird den Aktionären geschenkt

Dem Industriebereich gehören Celanese für Chemikalien und Ticona für technische Kunststoffe sowie einige weitere Industrie- und Dienstleistungsaktivitäten unter dem Namen Celanese AG mit Sitz in Frankfurt am Main an. Börsennotierungen sind in Frankfurt und in New York geplant.

Von dem geplanten Verkauf von Celanese und Ticona über die Börse wurde laut Dormann abgesehen, da dies aufgrund des großen Volumens nur schrittweise hätte erfolgen können. Die Abspaltung erfolge nach sorgfältiger Prüfung, da dies der direkteste, schnellste und günstigste Schritt für das angestrebte Ziel sei, Hoechst zu einem führenden Life-Sciences-Konzern zu machen und gleichzeitig dem Industriegeschäft Wachstumsperpektiven außerhalb von Hoechst zu eröffnen. Die unterschiedlichen Geschäfte von Hoechst hätten nicht mehr genug gemeinsam gehabt und rechtfertigten keine gemeinsame Führung und Vermischung in einem Konglomerat. Dies berge die Gefahr, daß die einzelnen Geschäfte nicht gleichermaßen Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit erhalten würden.

Dormann weiter: Durch die in Deutschland bisher in dieser Größenordnung noch nicht vollzogene, innovative, für die Aktionäre steuerfreie Transaktion bleibe die gesamte Gesellschaft zum Zeitpunkt der Abspaltung vollständig im Besitz der Hoechst-Anteilseigner. Sie erhalten zusätzlich für je zehn Hoechst-Aktien eine Celanese-Aktie und können anschließend beide Papiere getrennt voneinander erwerben, veräußern oder halten.

Vorausgesetzt, der Aufsichtsrat und die außerordentliche Hauptversammlung am 22. Januar 1999 stimmen zu drei Vierteln des repräsentierten Kapitals der Spaltung zu, gehört die Celanese-Gruppe mit rund 15.000 Mitarbeitern und einem weltweiten Umsatz von 9,6 Milliarden DM zu den führenden Unternehmen der industriellen Chemie, wie Claudio Sonder, der nominierte Vorstandsvorsitzende von Celanese, hervorhob. Wirtschaftlich und steuerlich soll die Abspaltung rückwirkend zum 1. November 1998 erfolgen.

PZ-Artikel von Erdmuthe Arnold, Frankfurt am Main

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