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23.11.1998  00:00 Uhr
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PZ +++ Nachrichten +++  24.11. Pharmaindustrie erwartet Exportrekord
dpa. Die deutschen Pharmahersteller werden in diesem Jahrmehr exportieren als jemals zuvor. Das gute Ausfuhrergebnis von 8,1 Milliarden DM 1997 wird auf jeden Fall übertroffen, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller, Cornelia Yzer, am Dienstag in Berlin. Als Grund nannte sie die hohen Innovationen der deutschen Branche. Konkrete Exportzahlen konnte sie noch nicht nennen. Yzer verwies darauf, daß allein im ersten Halbjahr der Exportüberschuß mehr als fünf Milliarden DM betragen habe. Derzeit werde jedes zweite in Deutschland hergestellte Medikament ins Ausland geliefert. 1997 habe der Export der Branche 21,2 Milliarden DM betragen, die Importe hätten 13,1 Milliarden DM erreicht. Die Zahl der Beschäftigten sei mit 78.000 nahezu konstant geblieben. Die Betriebe hätten in den vergangenen Jahren ihr Personal vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung leicht aufgesteckt.

23.11. ABDA erneuert Kritik an SolG
PZ. Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat am Montag in Bonn die Öffentlichkeit vor drohenden Einschränkungen bei Medikamenten gewarnt. Mit dem Entwurf für ein Solidaritätsstärkungsgesetz (SolG) werde nicht die Solidarität gestärkt, "sondern die Leistungsfähigkeit des Arzneimittelmarktes überstrapaziert und die Arzneimittelversorgung in nie dagewesenen Weise rationiert", sagte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese vor Journalisten. Darüber hinaus drohten massive Arbeitsplatzverluste in Apotheken. Das würde auch die Qualität der Arzneimittelvergabe negativ beeinflussen, da trotz Umsatzeinbußen praktisch dieselbe Anzahl von Packungen gehandelt werden müßte. Eine typische Apotheke muß nach Einschätzung der ABDA infolge des SolG mit einem Einkommensrückgang um 30 bis 35 Prozent rechnen, wenn er keine Gegenmaßnahmen ergreift. Für die ambulante Versorgung von Kassenpatienten sollen 1999 nach dem SolG-Entwurf Arzneimittel im Wert von rund 33,9 Milliarden DM einschließlich Zuzahlungen zur Verfügung stehen, hat die ABDA ausgerechnet. Das wären 3,8 Milliarden DM oder zehn Prozent weniger als im laufenden Jahr. Damit ist das Arzneimittelbudget 1999 viel zu niedrig angesetzt worden, stellt die ABDA fest.

23.11. Mehr TB-Tote als je zuvor
dpa. Die Lungenkrankheit Tuberkulose, die weltweit auf dem Rückzug schien, tötet immer mehr Menschen. Vor allem in Asien sei die Seuche durch ihre Verbindung mit dem HI-Virus und als Folge der schweren Wirtschaftskrise "außer Kontrolle" geraten, berichtete die Weltgesundheitsorganisation WHO am Montag in Bangkok. "Die Krankheit, die wir im Verschwinden glaubten, bringt heute mehr Menschen um als je zuvor in der Geschichte", sagte WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland zur Eröffnung eines internationalen Kongresses in der thailändischen Hauptstadt. Mehr als 50 Prozent der weltweit acht Millionen TB-Fälle wurden 1996 in den sechs asiatischen Ländern Bangladesch, China, Indien, Indonesien, Pakistan und auf den Philippinen registriert. Zwei Drittel aller TB-Toten kommen aus Asien. "Wenn wir die Krankheit in Asien nicht in den Griff bekommen, dann werden wir sie auch weltweit nicht stoppen können", sagte Brundtland. In Thailand hat sich die Zahl der TB-Fälle in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, parallel zum Anstieg der HIV-Infektionen, die auf 800.000 geschätzt werden.

23.11. Versorgungswerke: Renten gestiegen
PZ. Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Altersrente der berufsständischen Versorgungswerke mit 3540 DM um 2,58 Prozent über dem Betrag von 1996. Ein Teil der Steigerung sei allerdings darauf zurückzuführen, daß in den letzten Jahren immer mehr Menschen Rente erhielten, die über den gesamten Zeitraum ihrer Berufstätigkeit in die berufsständische Versorgung eingezahlt hätten und somit höhere Ansprüche erwarben, erläuterte der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungswerke (ABV), Karl-August Beck, bei einer Presseveranstaltung zum 20jährigen Bestehen der ABV am 19. November in Bonn. Bereinigt um diese strukturelle Komponente liege der Anstieg bei etwa 1,5 Prozent. Nach Becks Angaben gehörten 1997 den Versorgungswerken 536.067 Mitglieder an, 37,5 Prozent davon sind Frauen. Bezüge erhielten im vergangenen Jahr 83.520 Personen. Der durchschnittliche Beitrag lag bei 1284 DM, das waren 8,7 Prozent mehr als 1996. Wesentlicher Grund für den Anstieg seien die höheren Beiträge in der gesetzlichen Rentenversicherung und die höhere Bemessungsgrenze. Die Versorgungswerke orientieren sich bei ihrer Beitragssatzgestaltung an der gesetzlichen Rentenversicherung.

20.11. Phoenix expandiert nach Großbritannien
PZ. Phoenix Pharmahandel hat am 20. November die beiden britischen Pharmagroßhändler Philip Harris, Shenstone, und L. Rowland & Co., Wrexham, Wales, übernommen. Die beiden Unternehmen haben im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Jahresumsatz von zusammen 600 Millionen DM erwirtschaftet, hieß es in einer Pressemitteilung von Phoenix. Philip Harris sei seit 180 Jahren im Pharmagroßhandel tätig und beliefere landesweit Apotheken in England und Wales sowie selbst dispensierende Ärzte. Bei Rowland handele es sich um ein 1810 gegründetes Familienunternehmen, das mit etwa 45 Prozent Marktführer in Wales ist. Beide Firmen seien auch im Geschäftsfeld Apothekeneinzelhandel tätig und verfügten über eigene Apotheken. Phoenix setze mit der Übernahme der beiden Unternehmen den schrittweisen Ausbau seiner europäischen Marktstellung konsequent fort, so der Phoenix-Vorstandsvorsitzende Dr. Bernd Scheifele, der mit einem durchschnittlichen Wachstum des britischen Pharmamarktes von circa sieben Prozent rechnet.

20.11. Warnung vor Medikamenten aus dem Internet
dpa. Vor dem Kauf von Medikamenten per Internet hat die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft mit Nachdruck gewarnt. Die Risiken der im Internet angebotenen Mittel "werden verschwiegen oder nur unvollständig aufgeführt", kritisierte der Kommissions-Geschäftsführer Karl-Heinz Munter am Freitag auf dem Düsseldorfer Ärztekongreß Medica. Bisher hätten weder das Bundesgesundheitsministerium noch die Pharma-Industrie keine offiziellen Stellungnahmen dazu abgegeben, kritisierte der Mediziner. Während Apotheken in Deutschland unter strenger behördlicher Regelung nur qualitätsgesicherte Pharma-Produkte anbieten dürften, seien beim On-Line-Kauf verschreibungspflichtige Mittel zu bekommen oder sogar Produkte, die wegen mangelnder Qualität keine Chance auf eine Zulassung in Deutschland gehabt hätten. Nachweislich werde im "world wibe web" auch mit "völlig falschen Angaben" für Arzneimittel geworben: So sei dort ein angeblicher "Intelligenzbeschleuniger mit einem fremdsprachigen Beipackzettel zu erhalten, der bereits bei geringer Fehldosierung tödlich wirke. Ebenso habe man im Internet einen Anbieter ermitteln können, der harmlose Erfrischungs-Pastillen blau angepinselt und gewinnbringend als das "Potenzmittel" Viagra verkauft habe. Die Bundesärztekammer werde ab sofort auf ihrer eigenen Internetseite über die Risiken von Viagra oder anderer "Lifestyle-Medikamente" aufklären.

20.11. Merck will körpereigenen Knorpel züchten
dpa. Patienten mit Knieknorpel-Defekten soll künftig mit der Züchtung von körpereigenem Knorpel geholfen werden. Ein entsprechendes Forschungsprojekt hat jetzt die Firma Merck-Biomaterial in Darmstadt gestartet. Bei dem vom Bundesforschungsministerium mit 2,5 Millionen Mark geförderten Verfahren werden Knorpelzellen des Patienten zunächst mit Wachstumshormonen vermehrt. Später würden diese dann auf ein Gerüst gegeben, das die Form des benötigten Knorpelstücks hat. Unter dem Einsatz weiterer Hormone bilde sich schließlich die für Knorpelgewebe typische gallertartige Struktur. Das so gezüchtete Knorpelstück könne später im Knie eingesetzt werden. Um eine lebenslange Haltbarkeit zu garantieren, werde die Oberfläche des künstlichen Knorpelstücks speziell beschichtet. An dem Forschungsprojekt seien neben Merck Biomaterial auch das Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf, die TU Hamburg-Haburg und die TU München beteiligt, heißt es.

19.11. 2000 Chinesen sterben täglich durch Rauchen
dpa. Jeder dritte junge Chinese wird nach einer Expertenprognose an den Folgen des Tabakkonsums sterben. Aus der weltweit bisher umfangreichsten Studie über die Risiken des Rauchens geht auch hervor, daß Rauchen schon heute täglich 2.000 Menschen in China tötet. Die Untersuchung wurde am Donnerstag in Peking und London vorgelegt. Für die Langzeitstudie der Chinesischen Akademie für vorbeugende Medizin in Zusammenarbeit mit den Universitäten von Oxford in England und Cornell in den USA wurden 1,25 Millionen Chinesen befragt. Die Wissenschaftler schlossen aus den Ergebnissen, daß im Jahr 2000 etwa eine Millionen Chinesen sterben werden, weil sie rauchen. Im Jahr 2025 werde diese Zahl auf jährlich zwei Millionen Tote steigen. "Chinesische Erwachsene unterschätzen ernsthaft die Risiken des Rauchens", sagte Professor Richard Peto von der Oxford Universität. "Eine landesweite Umfrage 1996 zeigte, daß zwei Drittel glaubten, Rauchen schade nicht oder nur kaum. 60 Prozent der chinesischen Erwachsenen wissen nicht, daß Rauchen Lungenkrebs verursacht und 96 Prozent wissen nicht, daß es Herzleiden auslöst." Chinas jährlicher Tabakkonsum ist von 100 Milliarden Zigaretten Anfang der 50er Jahre auf 1,8 Billionen Zigaretten gestiegen. Heute fangen zwei Drittel aller Männer, aber nur ein Prozent der Frauen, mit dem Rauchen an, bevor sie 25 Jahre alt werden.

18.11. Die fünf Weisen kritisieren Vorschaltgesetz
PZ. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat das Vorschaltgesetz zur Stabilisierung der GKV-Finanzen kritisiert. Es laufe den für die zweite Reformstufe im Jahr 2000 genannten Zielen zuwider, kritisieren die fünf Wirtschaftsprofessoren in ihrem am 18. November in Bonn vorgelegten Jahresgutachten. Kurzfristige Ausgabenbegrenzung, weniger Selbstbeteiligung und die Streichung der Möglichkeit, GKV-Tarife mit Selbstbehalt und Beitragsrückgewähr anzubieten, förderten nicht Qualitätswettbewerb, Wirtschaftlichkeit und effizientere Versorgungsstrukturen. Als Schritte in die richtige Richtung bewerten die "Wirtschaftsweisen" jedoch die GKV-Neuordnungsgesetze sowie die Rentenreform, die 1999 in Kraft treten sollte. Deshalb sollte die neue Regierung diese Reformen nicht zurücknehmen, so das Gremium. Der konsequente Ansatz für eine Gesundheitsreform wäre die Einführung einer privaten Krankenversicherung obligatorisch für alle, so der Sachverständigenrat. Dies müßte allerdings mit einem Kontrahierungszwang der Versicherer, einer Mindestversicherungspflicht der Bürger sowie Beitragszuschüssen des Staates bei Bedürftigkeit verbunden sein.

18.11. Irmgard Schwaetzer im Bundestag
PZ. Die Apothekerschaft ist mit einer weiteren gesundheitspolitisch tätigen Abgeordneten im Deutschen Bundestag vertreten. Apothekerin Irmgard Schwaetzer wurde von ihrer FDP-Fraktion zur Vorsitzenden des Arbeitskreises III gewählt. In diesem Arbeitskreis werden die Aufgaben der Gesundheits- und Sozialpolitik sowie der Seniorenpolitik gebündelt. Acht Jahre lang war Frau Schwaetzer gesundheitspolitisch abstinent. Sie wirkte in dieser Zeit als Staatsministerin im Auswärtigen Amt und als Bundesbauministerin.

18.11. Warnzeichen für Schlaganfall oft unbekannt
dpa. Mehr als 500 Menschen erleiden täglich in Deutschland einen Schlaganfall; jeder fünfte stirbt nach Expertenangaben an den Folgen. Obwohl diese plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns nach Herzerkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache ist, sind die Warnzeichen eines nahenden Schlaganfalls in der Bevölkerung weithin unbekannt. Darauf haben Mediziner am Mittwoch während des Medica-Fachkongresses in Düsseldorf hingewiesen. Mehr als die Hälfte von 2.000 Befragten hätten nicht gewußt, daß plötzliche Sehstörungen und Doppelbilder "konkrete Warnzeichen" für einen Schlaganfall seien. Außerdem hätten 40 Prozent typische Symptome wie plötzlichen Sprachverlust oder vorübergehende Lähmung nicht diesem Krankheitsbild zuordnen können, sagten die Mediziner: "Auch mancher Arzt hält erste leichte Anzeichen wie Kopfschmerzen und Schwindel für eine Migräneattacke", hieß es. Viele Patienten, die einen Schlaganfall überleben, haben Folgeschäden mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität: Hier könnten bis zu 70 Prozent der Folgen verhindert werden, wenn Risikofaktoren frühzeitig erkannt und eine rechtzeitige Behandlung eingeleitet würden. Bei ersten Warnzeichen sei deswegen schnelles Handeln der wichtigste Faktor.

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