Pharmazeutische Zeitung online

Kommunikation

23.11.1998  00:00 Uhr

-Editorial

Govi-Verlag

Kommunikation

von Gisela Stieve,
stellvertretende Chefredakeurin

Man kann nicht nicht kommunizieren. Gleichgültig, ob der Apotheker seine Patienten und Kunden in der Offizin begrüßt, berät, pharmazeutisch betreut oder abfertigt, er transportiert wesentlich mehr Botschaften und Informationen als das gesprochene Wort.

Kommunikation war das Leitmotiv des 3. ABDA-Symposiums Pharmazeutische Betreuung am vergangenen Wochenende in Berlin. Die nahezu 600 Teilnehmer sind in Fachvorträgen und Seminaren diesem Thema immer wieder in Variationen begegnet: Pharmazeutische Betreuung ist ein aktives und offensives Programm, das die Apotheke in die Zukunft führt. Nur mit größeren Anstrengungen und noch mehr Engagement als bisher wird die Apotheke als Institution und der Apotheker als qualifizierter Heilberufler seinen Platz in der Gesellschaft behalten.

Der Blick in das volle Plenum und die gut besuchten Seminare hatte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese beeindruckt. In Berlin war viel pharmazeutischer Geist zu spüren. "Wir, die Arzneimittelfachleute, wollen Kommunikationsdefizite abbauen. Wir haben der Gesellschaft etwas zu geben", war das, was die überwiegend jungen und vielen weiblichen Teilnehmer vermittelt haben.

Mal ehrlich: Apotheker sind hervorragend ausgebildet und ruhen sich auf ihrem Wissen nicht aus, wie man in Berlin sehen konnte. Sie sind hervorragend ausgebildet, aber sie haben mitunter Schwierigkeiten, das Fachwissen auf der Kommunikationsebene ihrer Patienten zu übermitteln. Sie sind hervorragend ausgebildet, können aber manchmal nur mühsam mit den Ärzten in ein gleichberechtigtes, kollegiales Gespräch kommen. Sie sind hervorragend ausgebildet, aber nicht trainiert, ethische Konflikte in der täglichen Berufspraxis systematisch anzugehen und zu lösen.

Eine naturwissenschaftliche Ausbildung kann nicht alle Facetten der Berufstätigkeit vermitteln. Das Studium ist viel zu sehr verschult. Das kann die persönliche Entwicklung erschweren und vernagelt den Blick für kommunikative und ökonomische Notwendigkeiten. Ärzte bekommen mit der Approbation offenbar ein anderes Selbstverständnis mit auf den Weg. Vielleicht gestaltet sich deshalb auch die Kommunikation mit ihnen so schwer.

Der Weg ist klar: Pharmazeuten müssen lernen, ihr Wissen weiter zu geben - sei es an den Patienten, den Arzt, die Selbsthilfegruppe oder den Politiker. Die Novellierung der Approbationsordnung geht zu langsam, um jetzt den neuen Erfordernissen der Berufspraxis gerecht zu werden. Das ABDA-Symposium hat dagegen schnell reagiert: 1997 war der Wunsch der Teilnehmer, mehr praktische Anleitungen in Seminaren zu bekommen. Also gab es dieses Jahr mehr Seminare, in denen auch Studienapotheker referiert haben.

Man kann nicht nicht kommunizieren. Das Symposium in Berlin hat gezeigt, daß sich die Apotheker auf den Weg der Pharmazeutischen Betreuung gemacht haben. Top

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