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Pharmazeutische Betreuung in der Pionierphase

24.11.1997
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Govi-Verlag

Pharmazeutische Betreuung in der Pionierphase

Pharmazeutische Betreuung muß der Kern des Apothekerberufs sein. Mit diesen Worten umschrieb ABDA-Präsident Hans-Günter Friese keine Vision. Der Berufsstand befinde sich vielmehr in einer Pionierphase. Vor weit über 500 Besuchern des 2. ABDA-Symposiums Pharmaceutical Care am 22. und 23. November in Frankfurt forderte Friese eine Neuordnung der Strukturen. Die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen, die Räumlichkeiten in den Offizinen und die Approbationsordnung müßten an die neuen Anforderungen angepaßt werden. "Pharmazeutische Betreuung soll ein Qualitätsbegriff werden", so der ABDA-Präsident

Friese zeigte sich überwältigt davon, daß bereits Anfang Oktober alle Vorträge und Seminare dieses Symposiums ausgebucht waren. Im ersten Editorial dieses Jahres hatte sich der neu gewählte ABDA-Präsident gewünscht, einen Tag der Pharmazeutischen Betreuung in Deutschland einzurichten. Die hohe Teilnehmerzahl spreche für die Aufbruchstimmung. Die Spitze des Berufsstandes, unter anderem Dr. Hartmut Schmall, Präsident der Bundesapothekerkammer, und Dr. Peter Steinbach, Präsident der FIP - Federation International Pharmaceutique, beweise durch ihre Anwesenheit, daß sie sich mit dieser neuen Philosophie identifiziere. Mehr denn je gelten die Worte "Der Patient ist das Maß aller Dinge" sowie das Motto des Deutschen Apothekertages 1997 "In die Zukunft investieren".

Nach Frieses Worten ist Pharmazeutische Betreuung die konsequente Wahrnehmung der Mitverantwortung des Apothekers bei der Arzneimitteltherapie mit dem Ziel, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Unter anderem sieht Friese eine Chance in der Regelung, bis zum 1. Januar 1998 die Räumlichkeiten in der Offizin so zu verändern, daß ein vertrauliches Gespräch zwischen Apotheker und Patient oder Kunde diskret geführt werden kann. Schon heute erbringe der Apotheker einen unvergleichbaren Dienst zum Nutzen des Patienten, wobei Informationsterminologie und Datenmanagement genutzt werden können.

Die Erwartungen der am Gesundheitswesen Beteiligten sind nach Frieses Worten verschieden: Die Apotheker wollten den Anforderungen der gesellschaftlichen und therapeutischen Entwicklung entsprechend ihrer Aufgabe als Heilberufler gerecht werden, wobei es gelte, eine starke Patientenbindung aufzubauen; die Patienten ihrerseits erwarten von den Heilberuflern eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes und ihrer Lebensqualität; die Ärzte brauchten mehr Informationen für den Therapieentscheid, sei es in Fragen der Pharmakologie und Arzneimittelauswahl oder bezüglich der Budgetverantwortung.

Der ABDA-Präsident ermutigte die Kollegenschaft, Risikobereitschaft zu zeigen, um die Zukunft der Apotheke zu sichern und zu gestalten. Sie müßten sich darüber hinaus fachspezifische Informationen aneignen, ihre Kommunikationsfähigkeit ausbauen, Verantwortung übernehmen sowie Dokumentation und Monitoring in ihre Arbeitsabläufe einführen. Mit Pharmazeutischer Betreuung würden ausgetretene Wege verlassen und eine Weiterentwicklung ermöglicht.

Pharmaceutical Care wird akzeptiert

Pharmazeutische Betreuung ist keine Kampagne, sondern ein langfristiges Programm zur Weiterentwicklung des Berufsbildes der Apotheker, das ständig stärker akzeptiert wird, bestätigte Dr. Marion Schaefer, Humboldt-Universität Berlin. In ihrem Vortrag "Möglichkeiten und Perspektiven der Pharmazeutischen Betreuung in der Apotheke" rief sie dazu auf, Mut, Geduld, Teamgeist, Durchhaltevermögen und Innovationsgeist aufzubringen, um auf dem begonnenen Weg weiterzukommen.

In der Kooperation mit den Ärzten müsse vor allem die Verordnungs-, Abgabe- und Anwendungsqualität thematisiert werden. Allerdings stelle sich die Kommunikation mit den Ärzten oft schwierig dar. Auch die Datenerwerbung und Dokumentation oder die richtige Ansprache der Patienten könnten Probleme bereiten. Pharmaceutical Care und alle damit verbundenen Bemühungen sollten nach Ansicht von Schaefer für den Patienten mit einem emotionalen Erfahrungswert verbunden sein. Sie warnte jedoch davor, übertriebene Erwartungen zu wecken. Ganz wichtig sei, daß die Kontinuität der Betreuung gesichert werde. Deshalb: hinsehen, handeln, helfen!

Ziel der neuen pharmazeutischen Philosophie sei es, auch das Management der Begleiterkrankungen eines Patienten zu beachten oder in bestimmten Fällen Motivation zur Physiotherapie zu geben. Darüber hinaus sei man dabei, weitgehend standardisierte Basisprogramme und krankheitsspezifische Module zu entwickeln.

PZ-Artikel von Christiane Berg, Brigitte M. Gensthaler und Gisela Stieve, Frankfurt
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