Pharmazeutische Zeitung Online
AMK

Nachrichten

17.11.2003
Datenschutz bei der PZ

 

Streit um Praxisgebühr eskaliert
17.11. dpa. Der Konflikt um die Zuständigkeit für das Kassieren der künftigen Praxisgebühr wird schärfer. Was für Apotheker seit Jahren Alltag ist, wird bei den Ärzten zum Dauerthema. Trotz eindringlicher Aufforderung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) an Krankenkassen und Kassenärzte, ihren Streit rasch beizulegen, wiesen die Mediziner die Vorstellungen des Ministeriums am Freitag kategorisch zurück. Damit ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitsreform zum Jahresbeginn 2004 in Frage gestellt. Schmidt hatte Kassen und Kassenärzte darauf hingewiesen, ohne einvernehmliche Lösung müssten Patienten und Ärzte Anfang 2004 «mit großen Rechtsunsicherheiten und praktischen Schwierigkeiten» rechnen. Dies sei «nicht zu verantworten», heißt es in einem Brief Schmidts an die Spitzenverbände der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Sie betrachte die Lösung des Problems als «entscheidende Bewährungsprobe für die gemeinsame Selbstverwaltung». Die Praxisgebühr beträgt ab Januar zehn Euro pro Quartal. Schmidt zeigte sich im Deutschlandradio Berlin verärgert über das «übliche Geschrei» der Ärzte, das die Patienten verunsichere. Praxisgebühren gebe es in allen europäischen Ländern. Daran werde sich die deutsche Ärzteschaft gewöhnen müssen. Die Ministerin verwies auf die Praxis bei den Apotheken, die das von Patienten erhaltene Geld ebenfalls mit den Krankenkassen verrechneten. Die Praxisgebühr sei praktisch ein Vorschuss auf das Honorar des Arztes. Dies sieht die KBV völlig anders: «Die Praxisgebühr ist eine vom Versicherten an die Krankenkassen zu entrichtende Zuzahlung. Es handelt sich also eigentlich um eine Kassengebühr, die in voller Höhe den Krankenkassen zugute kommt. Also müssen auch die Kassen das Inkassorisiko übernehmen», argumentierte der KBV-Vorsitzende Manfred Richter-Reichhelm.

Gesetzliche und private Krankenkassen planen gemeinsame Angebote
17.11. dpa. Mehrere große Krankenkassen wollen kommendes Jahr gemeinsam mit Privatversicherern Zusatzangebote etwa für die Chefarztbehandlung auf den Markt bringen. «Wir wollen die Möglichkeit der Kooperation mit den Privaten nutzen», sagte Herbert Rebscher, Chef der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK), der «Financial Times Deutschland» (Montag). Auch der Marktführer, die Barmer Ersatzkasse, und die Techniker Krankenkasse planten eine Zusammenarbeit, berichtet das Blatt. Die Gesundheitsreform erlaubt den Kassen ab 2004 Zusatzangebote in Kooperation mit Privatversicherern. Die großen Kassen wollen mit Zusatzversicherungen zu attraktiven Konditionen Mitglieder davon abhalten, zu günstigeren Konkurrenten wie etwa Betriebskrankenkassen abzuwandern. Die DAK plant laut Rebscher Sondertarife für die Zweibett-Zimmer-Logis im Krankenhaus, Chefarztbehandlung und den Auslandsreiseschutz. Zudem will die Kasse Zusatzversicherungen für Leistungen anbieten, die mit der Gesundheitsreform 2004 als reguläre Leistungen wegfallen. Geplant ist ein Angebot zur Absicherung von Brillen und eine ergänzende Zahnersatz-Versicherung. «Wir bemühen uns, die Angebote am 1. Januar starten zu können», sagte Rebscher. Auch die Techniker-Krankenkasse steckt nach Aussage einer Sprecherin noch in den Verhandlungen. Am weitesten fortgeschritten sind die Planungen laut Zeitung bei der Barmer. Bereits diese Woche will die größte deutsche Kasse ein von den Aufsichtsbehörden genehmigten Modell präsentieren.

Sport in Schwangerschaft hilft bei Geburt
17.11. dpa. Entgegen der landläufigen Meinung können Schwangere bedenkenlos auch Sportarten wie Joggen, Aerobic und Reiten betreiben. «Sport in der Schwangerschaft ist gesund», sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatalmedizin, Professor Dr. Karl-Theo Schneider, in einem dpa-Gespräch. «Es gibt keinerlei Erkenntnisse, dass maßvoller Sport bei einer normalen Schwangerschaft einen Abort auslöst», betonte der Leiter der Abteilung Perinatalmedizin am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München. Vielmehr könne durch den Sport die Ausschüttung von Endorphinen regelrecht trainiert werden. Unter anderem trügen die Glückshormone dazu bei, dass die Wehen besser ertragen werden könnten. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Ausschüttung der Endorphine bei Sportlerinnen während der Geburt signifikant höher sei als bei anderen Frauen. Auch werde durch eine sportliche Betätigung die Gefahr von Bluthochdruck und Diabetes in der Schwangerschaft reduziert. Zu Beginn der Schwangerschaft seien Frauen auf Grund der hormonellen Umstellung sogar leistungsfähiger als sonst und können somit auch neu in Sportarten einsteigen. Dieser Effekt sei seinerzeit in der ehemaligen UdSSR genutzt worden – viele Sportlerinnen seien bei Wettkämpfen schwanger gewesen. Allerdings sollten die Schwangeren beim Sport deutlich unter ihrer maximalen Belastbarkeit bleiben und verletzungsträchtige Sportarten meiden.

Industrie will gegen OTC-Ausgrenzung klagen
14.11. PZ. Pharmaunternehmen halten die Ausgrenzung der nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel aus der Erstattungsfähigkeit für nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main kündigte Rechtsanwalt Dr. Axel Sander eine Überprüfung der Regelung auf seine Verfassungskonformität an. Mehrer Pharmaunternehmen würden eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht vorbereiten. Die Beschränkung der Verordnungsfähigkeit auf verschreibungspflichtige Arzneimittel sei weder notwendig noch geeignet und zudem für die Unternehmen unzumutbar, erläuterte Sander die Motivation der Unternehmen. Nicht notwendig sei die Ausgrenzung, da zur Sanierung der Gesetzlichen Krankenversicherung auch andere Maßnahmen denkbar wären, so Sander. Für ungeeignet hält sie der Jurist deshalb, weil die Verschreibungspflicht ein ungeeignetes Kriterium sei. Das GMG solle eine effiziente Arzneimittelversorgung sicherstellen. Die Verschreibungspflicht stehe weder damit noch mit der Qualität eines Arzneimittels in Zusammenhang. Sie lasse lediglich Rückschlüsse auf das Gefährdungspotenzial eines Medikamentes zu. Der Ausschluss rezeptfreier Arzneimittel führe deshalb zu keiner Qualitätsverbesserung. Sander erwartet auch keine Kostenersparnis. Schon bei einer Substitutionsquote von 30 Prozent würden die erhofften Einsparungen von 1 Milliarde Euro von den Mehrkosten für verschreibungspflichtige Arzneimittel aufgefressen. Bei offenkundig geringem Nutzen seien die ökonomischen Auswirkung des Gesetzes auf die Hersteller von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln jedoch erheblich. Das Umsatzvolumen dieses Marktes betrage 3,04 Milliarden Euro. Ein Umsatzrückgang um 1 Milliarde treffe die OTC-Hersteller deshalb massiv. In der Praxis müssen sich die Apotheker allerdings darauf einstellen, dass das Gesetz zum 1. Januar 2004 wie beschlossen in Kraft tritt und OTC-Produkte damit in der Regel nicht mehr verordnungsfähig sind. Obwohl Sander der Klage zwar große Chancen auf Erfolg einräumt rechnet er nicht mit einer schnellen Entscheidung. Die Erfahrung aus anderen Verfahren habe gezeigt, dass die Mühlen des Verfassungsgerichtes sehr langsam mahlen. (dr)

Schmidt-Appell für Kompromiss bei Praxisgebühr
14.11. dpa. Im Streit um die Einführung der Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eindringlich an die Kompromissbereitschaft von Ärzten und Krankenkassen appelliert. Sollte es keine einvernehmliche Lösung geben, sei zum Start der Gesundheitsreform Anfang kommenden Jahres «mit großen Rechtsunsicherheiten und praktischen Schwierigkeiten» zu rechnen. Dies sei «nicht zu verantworten», heißt es in einem Brief Schmidts an die Spitzenverbände der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Sie betrachte die Lösung des Problems als «erste und wichtige Bewährungsprobe». Schmidt verwies in ihrem am Freitag in Berlin veröffentlichten Schreiben indirekt auf einen Kompromissvorschlag ihres Ministeriums: Dieser sieht vor, dass die Kassen während einer Probezeit das Inkasso der Praxisgebühr übernehmen. Die Krankenkassen hatten diese Variante bei einem Krisengespräch Anfang der Woche abgelehnt. Die Ärzte wehren sich dagegen, dass sie das Geld für die Praxisgebühr - die als eine Art Vorschuss auf das Honorar zu sehen ist - künftig bei säumigen Patienten selber eintreiben sollen.

WHO warnt vor Verdopplung der Diabetes in Entwicklungsländern
14.11. dpa. Die Zahl der Diabetes-Kranken in Entwicklungsländern wird sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO in drei Jahrzehnten mehr als verdoppeln. Die Fälle könnten von 115 Millionen im Jahr 2000 auf bis zu 284 Millionen im Jahr 2030 zunehmen, teilte die Organisation in Genf anlässlich des Welt-Diabetes-Tages am Freitag mit. Derzeit sei weltweit einer von 20 Todesfällen auf die Folgen von Diabetes zurückzuführen. WHO-Vize-Generaldirektorin Catherine Le Galès-Camus macht einen weltweit veränderten Lebensstil für den Anstieg der Diabetes verantwortlich. «Wir sind weniger aktiv als unsere Eltern und Großeltern, und wir essen mehr Lebensmittel mit einem höheren Anteil von Zucker und Fett, so dass wir als Ergebnis an Gewicht zunehmen und das Risiko von Diabetes vergrößern», sagte sie. Um dem Anstieg von Diabetes entgegenzuwirken, bereite die WHO derzeit eine weltweite Strategie für gesunde Ernährung und physische Bewegung vor. Nach Angaben der WHO haben neun von zehn der weltweit geschätzten 171 Millionen Zuckerkranken den Diabetes Typ 2. Dies sei früher als Krankheit der älteren Menschen und Reichen angesehen worden. Heute dagegen sei beispielsweise die Mehrheit der Diabetiker in Afrika zwischen 45 und 64 Jahre alt.

Metzger warnt vor Dachmarke
13.11. PZ. Der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Johannes M. Metzger, betrachtet die Dachmarkenkonzepte von Apothekerverbünden mit großer Sorge. Der Kunde werde nicht zwischen einer Kooperation selbstständiger Apotheker mit gleichem Auftritt und einer Apothekenkette unterscheiden können. Damit würde das Fremdbesitzverbot massiv gefährdet.Apotheker sollten sich genau überlegen, ob sie sich einem Verbund anschließen wollten, bei dem sie ihre Selbstbestimmung abgeben, sagte Metzger auf der Mitgliederversammlung der Bayerischen Landesapothekerkammer in München. Wenn die Politik den Eindruck gewinne, Apotheker bildeten selbst Ketten, dann würde sie diese sicherlich grundsätzlich legalisieren. Mit fatalen Folgen für alle Apotheker. Metzger: „Das Original wird das Surrogat schnell ablösen.“Als größte Gefahr bezeichnete Metzger die Kooperationen, die mit einer Dachmarke arbeiten wollen. Vor allem sie vermittele den Eindruck einer Kette. Ausdrücklich kritisierte der Kammerpräsident den genossenschaftlichen Großhändler Sanacorp. „Meine Apotheke“ sei ein Fehler. Zudem bedauerte Metzger, die Informationspolitik des Großhändlers. Nach Aussagen von Aufsichtsratsmitgliedern seien selbst sie nicht über das Konzept informiert worden.Der BAK-Präsident zeigte gleichzeitig Verständnis dafür, dass Apotheker in dieser schwierigen Zeit nach Unterstützung suchen. Hier seien die Apothekerverbände in der Pflicht, möglichst bald tragfähige Konzepte zu entwickeln, bei denen die vollständige pharmazeutische und wirtschaftliche Verantwortung beim Apotheker liegen wird. (dr)

Viele Jungendliche haben Essstörungen
13.11. dpa. Jede dritte Schülerin im Gymnasiastenalter leidet nach Untersuchungen der Universität Jena an Frühformen von Essstörungen. «Vor allem Mädchen unter starkem Leistungsdruck und mit einem Drang nach Perfektionismus sind dafür anfällig», sagte der Jenaer Psychologe Bernhard Strauß. Der Professor für Medizinische Psychologie untersuchte in einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie mehr als 700 Schüler und Studenten im Alter von 12 bis 32 Jahren auf Symptome von Essstörungen. Expertenschätzungen zufolge leiden bundesweit mehr als 100.000 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren an Magersucht (Anorexie), rund 600.000 Frauen sind von der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) betroffen. «Essstörungen sind mittlerweile eine der häufigsten psychischen Störungen im Jugendalter», sagte Strauß. Mädchen seien stärker betroffen als Jungen, häufig jagten sie einem von der Werbung vermittelten Körperideal nach. Magersucht ist dem Experten zufolge neben der Depression die psychische Erkrankung mit der höchsten Todesrate. Etwa 10 Prozent der Magersüchtigen sterben an ihrer Sucht. Bulimie und Magersucht sind jedoch prinzipiell heilbar. Je nach Schweregrad der Erkrankung könne dieser Prozess allerdings mitunter einige Jahre dauern, sagte der Wissenschaftler. Die Behandlung übernehmen niedergelassene Psychotherapeuten und Fachkliniken. Neben Gesprächs- und Verhaltenstherapie umfasst die Behandlung auch eine gezielte Ernährungsberatung.

Angst schädlicher als Strahlung
13.11. dpa. Die Angst vor Mobilfunkantennen ist nach Expertenansicht gesundheitsschädlicher als die tatsächliche Strahlung. Aus Unkenntnis werden nach Meinung Jiri Silnys, Leiter des Forschungszentrums für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit der Universitätsklinik Aachen, die Risiken des Mobilfunks aufgeblasen. «Das macht den Leuten Angst und sie werden krank», sagte der Forscher anlässlich eines Fachkongresses über die Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung in Jena. In den mehr als 7000 wissenschaftlichen Publikationen zum Thema ließen sich bislang keine eindeutigen Belege zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Handy-Strahlung finden. «Es gibt nur ein einziges Risiko, das die Forschung klar nachweisen konnte», erläuterte Silny. «Handys in der Brusttasche können Herzschrittmacher ausschalten und dadurch tödlich sein.» Darüber hinaus hätten viele Studien ergeben, dass die Wirkung der Strahlen auf den menschlichen Organismus sehr gering sei. Genauere Erkenntnisse über die Wirkung der Mobilfunk-Strahlung soll eine multinationalen Studie der Weltgesundheitsorganisation bringen, deren Ergebnisse frühestens im nächsten Jahr vorliegen werden. «Informationsdefizite sind das größte Problem», resümierte Silny. Debatten über Antennen würden hitzig geführt, viele Menschen wüssten jedoch nicht, dass die Strahlung des Handys am Ohr ein 1000-mal stärkeres elektromagnetisches Feld erzeuge als die Basisstationen.

Offensive gegen gefälschte Medikamenten
12.11. dpa. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will in sechs südostasiatischen Ländern gegen gefälschte und unwirksame Medikamente vorgehen. Das kündigte WHO-Sprecherin Fadhela Chaib in Genf an. Die kopierten Mittel hätten vielfach keinen therapeutischen Effekt und führten oft zum Tod. Armut sei einer der Hauptgründe für den Kauf gefälschter Medikamente. Die Billigmittel würden für Tuberkulose, Malaria und die unheilbare Immunschwächekrankheit Aids angeboten. Darüber hinaus werde das Potenzmittel Viagra kopiert. Nach Angaben der WHO haben in Vietnam und Thailand rund 8 Prozent von zufällig geprüften Medikamente den Labortest nicht bestanden. In Burma seien es sogar 16 Prozent gewesen. In Kambodscha werde die Zahl nicht registrierter Medikamente auf 1000 geschätzt. In Laos werde von rund 2100 illegalen Händlern ausgegangen. Zu China als sechstem Land machte die WHO keine Angaben. Die US-Regierung geht davon aus, dass in armen Ländern bis zu einem Viertel aller Medikamente unwirksam oder gefälscht sind. In den westlichen Industriestaaten würden vor allem neue und teure Modedrogen einschließlich Hormonen, Steroiden und Antihistaminika kopiert. Der Schaden durch gefälschte und sowie nicht standardisierte Medikamente wird auf jährlich 32 Milliarden US-Dollar (knapp 28 Milliarden Euro) weltweit geschätzt.

Neue Sucht- und DrogenHotline
12.11. PZ. Ab sofort ist unter der bundesweit einheitlichen Telefonnummer (0 18 05) - 31 30 31 die „Sucht- und Drogen-Hotline“ zu erreichen. Sie bietet telefonische Beratung, Hilfe und Informationen durch erfahrene Fachleute aus der Drogen- und Suchthilfe. An die Experten können sich sowohl Menschen mit Suchtproblemen als auch deren Angehörige, Freunde oder Kollegen wenden. Die Hotline ist 24 Stunden am Tag besetzt und kostet 12 Cent pro Minute. Die bundesweite „Sucht- und DrogenHotline“ ist auf Initiative der parlamentarischen Staatssekretärin und Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, eingerichtet worden. Sie besteht aus einem Zusammenschluss regionaler Anbieter von Drogennotrufeinrichtungen in Deutschland. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt das organisatorische Dach zur Verfügung. „Telefonische Beratung bietet viele Vorteile, sie ist direkt, unkompliziert und wahrt die Anonymität. Die Sucht- und DrogenHotline stellt vielfältige Hilfen zur Verfügung - von allgemeinen Informationen über Beratung bei Angst vor Rückfällen bis zur Vermittlung von örtlichen Hilfsangeboten,“ erläutert Caspers-Merk. Mit der Sucht- und DrogenHotline bündeln acht regionale Drogennotrufeinrichtungen die bestehenden Ressourcen an Telefonberatung im Suchthilfebereich. So wird ein bundesweites und effektives Netz sich gegenseitig unterstützender und ergänzender Drogennotrufeinrichtungen geschaffen. (ch)

Arme Menschen sterben früher
12.11. dpa. Arme Menschen sterben in Deutschland im Vergleich zu reichen im Durchschnitt sieben Jahre früher und haben ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko in allen Lebensphasen. Darauf haben Gesundheitsexperten in Köln bei Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung hingewiesen. Um die Gesundheitsförderung sozial Benachteiligter zu verbessern, beschlossen die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die Bundesvereinigung für Gesundheit sowie 15 Landesvereinigungen eine Zusammenarbeit.

Schmidt sichert sinkende Kassenbeiträge für 2004 zu
11.11. dpa. Millionen Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) können im kommenden Jahr mit sinkenden Kassenbeiträgen rechnen. Dies sicherte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Dienstag zu. Sie reagierte damit auf Berichte, dass trotz der Gesundheitsreform bei einzelnen Kassen zum Jahreswechsel die Krankenversicherung teurer zu werden droht. Die «Bild»-Zeitung hatte vier kleine Betriebskrankenkassen (BKK) mit zusammen 50 000 Beitragszahlern genannt. «Die Mehrheit der Versicherten wird im nächsten Jahr auch gesenkte Beiträge haben», sagte Schmidt im ZDF-«Morgenmagazin». Alle Kassen müssten das, was umfinanziert wird, mit Beitragssatzsenkungen an ihre Kunden weitergeben. Dies ist ein Volumen von sieben Milliarden Euro. Unklar ist lediglich, wann und in welchem Umfang die Kassenbeiträge sinken. Schmidt geht davon aus, dass sich der durchschnittliche Beitragssatz von derzeit 14,3 auf 13,6 Prozent im Laufe des kommenden Jahres ermäßigt. Allerdings werden die Patienten im Gegenzug mit deutlichen höheren Eigenbeteiligungen zur Kasse gebeten. In der GKV sind insgesamt rund 70 Millionen Bundesbürger krankenversichert. Ein knappes Drittel davon ist beitragsfrei mitversichert.

Forscher entwickeln neue Therapie für tränende Augen
11.11. dpa. Eine neue Behandlungsmethode soll Menschen mit ständig tränenden Augen komplizierte Operationen ersparen. Statt eines mehrtägigen Klinikaufenthalts genüge mit der neuen Methode ein kleiner ambulanter Eingriff, teilte die Universität Bonn am Dienstag mit. Rund fünf Prozent aller Augenpatienten sind den Angaben zufolge von einer chronischen Entzündung der ableitenden Tränenwege betroffen. Durch diese Entzündung könne die Tränenflüssigkeit nicht mehr über den gewohnten Kanal abfließen, und die Augen tränten permanent. Bei der neuen Methode werde ein dünner Ballonkatheter in die verengten Tränenkanäle eingeführt. Durch Aufpumpen werden diese dann erweitert und mit einer Schiene vor dem Wiederverschließen geschützt, wie Entwickler Kai Wilhelm erklärte. Mehr als 180 Patienten habe er so bereits behandelt, rund 80 Prozent seien dauerhaft von ihrem Leiden befreit worden. Die Krankenkassen zahlten diese Behandlung allerdings noch nicht.

Rente und Gesundheit brennen Deutschen unter den Nägeln
11.11. dpa. Altersvorsorge und Gesundheitsversorgung sind derzeit noch vor der Angst um den Arbeitsplatz die beiden größten Sorgenkinder der Deutschen. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid (Bielefeld) nannten jeweils 59 Prozent der 1500 Befragten zwischen 18 und 55 Jahren die Altersvorsorge und die Gesundheitsversorgung als Themen, die ihnen zu schaffen machten. 85 Prozent sind der Ansicht, dass künftig private Altersvorsorge nötig sein wird, teilte TNS Emnid am Dienstag mit. 91 Prozent der Befragten hätten sogar die Befürchtung geäußert, dass die gesetzliche Rente ihren bisherigen Lebensstandard nicht gewährleisten werde. Die gesetzliche Rente befinde sich in einer Vertrauenskrise, schlussfolgerten die Bielefelder Meinungsforscher. Mehr als zwei Drittel zögen eine private Altersvorsorge zumindest in Erwägung. Ein Drittel der heute 18- bis 29-Jährigen rechnete überhaupt nicht mehr damit, später eine gesetzliche Rente gezahlt zu bekommen. Die Befragten hätten sich gewünscht, dass mehr steuerliche Anreize für eine private Altersvorsorge geschaffen werden. Außerdem sollte die einmalige Kapitalauszahlung steuerlich nicht schlechter gestellt werden, als die Auszahlung in Form einer lebenslangen Rente. «Restriktivere Produktkriterien bei Renten- und Lebensversicherungen werden allgemein abgelehnt», sagte Oliver Krieg, Bereichsleiter bei der TNS Emnid Sozialforschung. «Wer dies missachtet, verringert die Bereitschaft der Bevölkerung, individuelle Vorsorge zu betreiben», sagte er.

 

© 2003 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa