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Hessen und Hoechst machenSchritt nach vorn

16.11.1998  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

GENTECHNIK

Hessen und Hoechst machen
Schritt nach vorn

Der Hessische Ministerpräsident Hans Eichel und der Vorstandsvorsitzende der Hoechst AG, Jürgen Dormann, haben am 12. November 1998 eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet, mit der der Gründung des größten deutschen Venture Kapitalfonds für Life Sciences und Chemie der Weg geebnet wurde.

Diesem offiziellen Akt ging eine Pressekonferenz voraus, in der auch der Hessische Wirtschaftsminister Lothar Klemm und der im Hoechst-Vorstand für gruppenübergreifende Forschungsfragen zuständige Professor Ernst Schadow den Journalisten Rede und Antwort standen.

Die als Aktiengesellschaft gegründete Future Capital AG wurde mit 125 Millionen DM ausgestattet und soll die Entwicklung innovativer und technologieorientierter Unternehmen beziehungsweise ihre Gründung mit dem Branchenschwerpunkt Life Sciences und Chemie fördern. Gesellschafter sind zu gleichen Teilen das Land Hessen und Hoechst. Willkommen sind allerdings weitere Gesellschafter, nicht nur Unternehmen, sondern auch Städte und Gemeinden in Hessen, wie auf Rückfrage betont wurde. Gefördert werden sollen "mutige Geschäftsideen und Jungunternehmer, die sich in Hessen niederlassen wollen" und bereit sind, das Unternehmerrisiko auf sich zu nehmen, qualifizierte Arbeitsplätze vor allem in der Produktion und Forschung zu schaffen.

Erfolgreiche Bewerber können bis zu 3 Millionen DM Startkapital erhalten. Die neue AG soll mit einem Vorstand und zwölf Mitarbeitern in Frankfurt am Main ihre Arbeit aufnehmen.

Die beiden Gesellschafter haben bei der Konzeption des Fonds Wert darauf gelegt, daß das Mangement völlig unabhängig von Landesregierung und Hoechst agieren kann, wie Schadow betonte. Es sei ausschließlich auf die Optimierung der Rendite des eingesetzten Kapitals verpflichtet. Auch dürften die Gesellschafter kein Vorkaufsrecht und keinen Zugriff auf vertrauliche Daten der Portfoliogesellschaften des Fonds haben. Im übrigen würden nicht nur Finanzbeteiligungen, sondern auch der Zugang zu einem umfassenden Beratungs- und Dienstleistungsnetzwerks angeboten, der auf die speziellen Bedürfnisse von Existenzgründern und wachsenden Unternehmen zugeschnitten ist.

Ausbau des Forschungs- und Biotechnologiestandorts

Wie Eichel betonte, sind das Land Hessen und Hoechst die strategische Partnerschaft eingegangen, um die Attraktivität des hessischen Forschungs- und Biotechnologiestandorts zu stärken und weiter auszubauen. Gemeinsam wolle man die Weiterentwicklung der Innovationskraft im Sinne von öffentlicher und privater Partnerschaft fördern. Auf den Koalitionspartner in Hessen angesprochen, der der Gentechnik skeptisch gegenübersteht, meinte Eichel, "mit der Genforschung müssen wir hinaus in die Debatte gehen. Auch die Forscher sollten sich in die öffentliche Diskussion einschalten."

Für den Life-Science-Konzern Hoechst ist die Stärkung seiner globalen Wettbewerbsfähigkeit auf den Märkten oberstes Ziel für das neue Engagement, wie Dormann erläuterte. Kontinuierliche Innovationen seien im Zeitalter der Wissensgesellschaft eine wesentliche Voraussetzung für den Markterfolg. Es gäbe eine Vielzahl von Frauen und Männern mit wegweisenden technologieorientierten Geschäftsideen. Der Fonds solle sie hierbei unterstützen, "denn sie können unsere Partner von morgen sein", so Dormann. Er begrüßt den gemeinsamen Auftritt von Landesregierung und Hoechst, da über den Fonds Fragestellungen aufgegriffen werden können, die der Gesundheit von Menschen, Pflanzen und Tieren dienen könnten.

"Hessen liegt vorn" - belegt eine neue HTS-Studie

Als ein Signal für den Aufbruch in eine neue Gründerzeit und als einen großen Schritt nach vorn wertete Klemm den Venture Kapitalfonds. Geld und Ideen fänden in Deutschland nur schlecht zueinander, daher sei Hessen dabei, eine Allianz von Wirtschaft, Finanzdienstleistern, Verbänden und Politik für Existenzgründungen und eine Innovationsarchitektur zu schaffen.

Klemm nahm die Gelegenheit wahr, um Hessen als den führenden Bio- und Gentechnikstandort in Deutschland herauszustellen. Eine vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene neue Studie der Hessischen Technologiestiftung (HTS) "Biotechnologiestandort Hessen" belege dies. Danach arbeiten hier bereits 15.000 Menschen in dieser Zukunftstechnologie in 300 Firmen inklusive Dienstleistungs-, Vertriebs- und Wissenschaftsunternehmen. Bezogen auf die Einwohnerzahl lasse Hessen alle Flächenstaaten - auch Baden-Württemberg und Bayern - weit hinter sich und belege nach Berlin und vor Hamburg den zweiten Platz.

Gründerwettbewerb gemeinsam mit VCI und Dechema

Auf Initiative der hessischen Landesregierung und von Hoechst veranstaltet die HTS (Abraham-Lincoln-Straße 38 bis 42, 65189 Wiesbaden) in Zusammenarbeit mit dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) und Dechema einen Gründerwettbewerb unter dem Motto "Grow up Science 4 Life, Hessen Venture Cup 99". Zielgruppen sind Studenten, wissenschaftliche Mitarbeiter, Doktoranden, Dozenten und Hochschullehrer. Unterstützt wird der Wettbewerb von einer Vielzahl von Unternehmen, Verbänden, den Universitäten in Marburg und Gießen, der TU Darmstadt und der Rektorenkonferenz Hesssischer Fachhochschulen.

Für die erfolgreichen Bewerber werden regelmäßig Gründerforen und Seminare veranstaltet. Ein Teilnehmerhandbuch soll helfen, einen Geschäftsplan zu erstellen und vermittelt das Grundwissen zur Vorbereitung einer Unternehmensgründung speziell für den Bereich Life Sciences und Chemie. Der Sieger des Wettbewerbs erhält 30.000 DM und einen Messeauftritt auf der Biotechnika oder der Achema, der zweite erhält 20.000 DM, der dritte 10.000 DM. Für den vierten und fünften Sieger gibt es je 5000 DM.

PZ-Artikel von Erdmuthe Arnold, Frankfurt am Main
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