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Neue Gentherapie für Herzkranke

16.11.1998
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Govi-Verlag

Neue Gentherapie für Herzkranke

dpa. Mediziner haben mit einer Gentherapie bei todkranken Herz-Patienten überraschende Erfolge erzielt. Eine einzige Injektion mit dem VEGF-Gen ermöglichte Patienten, für die es sonst keine Hoffnung mehr gab, wieder ein normales Leben zu führen, meldet dpa. Das Herz der Kranken wurde nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt oder ihr Herzmuskel war, etwa nach einem Infarkt, stark geschwächt.

Einige der neuen, vielversprechenden Experimente wurden auf den 71. Scientific Sessions des Amerikanischen Kardiologenverbandes (American Heart Association AHA) in Dallas vorgestellt. AHA-Präsident Valentin Fuster aus New York bezeichnete das Ergebnis als einen der "aufregendsten neuen Ansätze in der Behandlung von Herz- und Kreislaufkrankheiten".

Am weitesten fortgeschritten ist offenbar die Arbeit von Jeffrey Isner von der Tufts Universität in Cambridge, Massachusetts, USA. Isner spritzte das VEGF-Gen über einen kleinen Einschnitt in der Brust direkt in den Herzmuskel von 16 Patienten. Das Gen ist im Durchschnitt zwei Wochen aktiv und reichert das unterversorgte Herz mit neuen Blutgefäßen an, erläuterte Isner auf einer Pressekonferenz in Dallas. VEGF steht für Vascular Endothelial Growth Factor (Wachstumsfaktor für Arterien).

Einer seiner Patienten, der vor der Gentherapie keine hundert Schritte mehr gehen konnte, fühlt sich nach eigenen Angaben "so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr". Der Eingriff erfordere einen viertägigen Krankenhausaufenthalt und sei bereits nach drei Wochen voll wirksam. Er wird nur an Patienten ausprobiert, für die alle anderen Mittel der Kardiologie ausgeschöpft sind. Die Therapie sei günstiger als andere herzchirurgische Eingriffe wie Bypass und Angioplastie mit einem Ballonkatheter.

Neben Isners Verfahren werden derzeit wenigstens vier andere Gentherapien in den USA und Europa erprobt. Ronald Crystal vom New York Presbyterian Hospital der Cornell Universität benutzt ein Rhinovirus zum Gentransport in die kranke Herzregion. Auch der Erfolg des finnischen Forschers Seppo Yla-Herttuala von der Universität Kuopio ist beeindruckend. Er injizierte das Gen während der Angioplastie. Nur bei einem von zehn Patienten verschloß sich die behandelte Arterie wieder. Ohne Gentherapie kommt es normalerweise zu einer erneuten Verschlußrate von 50 Prozent.Top

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