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Gallensäure soll vor Krebs schützen

16.11.1998
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Govi-Verlag

Gallensäure soll vor Krebs schützen

Die Ursodeoxycholsäure hat eine steile Karriere hinter sich. Zunächst zur medikamentösen Therapie bei Gallensteinen eingesetzt, ist die endogene Gallensäure inzwischen Mittel der Wahl bei allen Erkrankungen mit cholestatischer Komponente. Darüber hinaus gibt es erste Hinweise darauf, daß Ursodeoxycholsäure in das Wechselspiel zwischen Zellerneuerung und Apoptose eingreift und möglicherweise präventiv beim Kolonkarzinom wirkt.

Immer noch herrscht unter Wissenschaftlern großes Rätselraten darüber, wie Ursodeoxycholsäure (UDC) wirkt. UDC beeinflußt den Gallensäurepool und fördert die Ausscheidung aggressiver Gallensäuren wie Chenodeoxycholsäure. Gleichzeitig werden toxische Metabolite und direkte Toxine über die forcierte Gallenausscheidung rascher eliminiert. Beides zusammen mindert schädigende Einflüsse auf die Hepatozyten und könnte erklären, wieso UDC bei Patienten mit cholestatischer Lebererkrankung lebensverlängernd wirkt, so Professor Dr. Gustav Paumgartnern aus München.

Zwar sei der genaue Wirkmechanismus noch ungeklärt, UDC habe sich aber bislang als einzige wirksame Therapieform neben der Transplantation bei cholestatischen Lebererkrankungen wie der primär biliären Zirrhose etabliert. Es bessere die Symptome und Laborparameter. Der Zeitpunkt einer Lebertransplantation könne deutlich hinausgezögert werden, erklärte der Mediziner bei einem internationalen Symposium der Falk Foundation in Titisee.

Die Wissenschaftler stellten im Schwarzwald neue wissenschaftlichen Daten zur UDC vor. Tierexperimentelle Studien, die Professor Thomas A. Brasitus aus Chicago präsentierte, zeigen, daß die Gallensäure neben nichtsteroidalen Antirheumatika und Mesalazin der Entstehung eines kolorektalen Karzinoms vorbeugen kann. Ratten, denen UDC unter das Futter gemischt wurde, entwickelten seltener ein Karzinom als Kontrolltiere.

Die Untersuchung habe die Diskussion, wie Gallensäure wirkt, erneut belebt. Die Forscher glauben, daß UDC in das komplexe Gleichgewicht zwischen Zellerneuerung und Apoptose eingreift und das Absterben älterer Zellen in der Dickdarmschleimhaut stimuliert, berichtete Professor Dr. Wolf Schmiegel aus Bochum.

Als gewagt bezeichneten anwesende Wissenschaftler dagegen eine neue Theorie von Professor Dr. Alan Hofmann aus San Diego: Er stellte in Titisee neue Untersuchungen vor, wonach UDC die Aufnahme und Akkumulation von Gallensäuren in Zellorganellen und hier insbesondere in Mikrosomen hemmt. Hofmann: "Ursodeoxycholsäure scheint eine regelrechte Organellen-Blockade zu bewirken, auch das könnte seine zytoprotektiven Eigenschaften erklären."

PZ-Artikel von Christine Vetter, Titisee
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