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16.11.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  17.11. Hoechst-Konzern wird gespalten
dpa. Der Frankfurter Chemieriese Hoechst soll in zwei selbständige Konzerne aufgespalten werden. Dies kündigte die Hoechst AG in Dienstag in Frankfurt an. Danach soll die gesamte industrielle Chemie künftig von der neu zu gründenden Celanese AG übernommen werden. Das bisherige Hoechst-Geschäftsfeld Gesundheit mit Pharma, Ernährung und Agrarchemie bleibt bei der Hoechst AG. Eine Stellungnahme zu den jüngsten Börsengerüchten über eine unmittelbar bevorstehende Fusion mit der französischen Rhone-Poulenc gab es zunächst nicht. Unterdessen hat die kühlere Chemiekonjunktur auch im Hoechst-Geschäft tiefe Spuren hinterlassen. Allein im dritten Quartal schrumpfte der Konzerngewinn vor Steuern sogar um 77 Prozent auf 191 Millionen DM. Damit liegt auch der Gewinn für die ersten neun Monate mit knapp 2,4 Milliarden DM um 13 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Konzernumsatz fiel im Zeitraum Januar bis September mit knapp 33 Milliarden DM um 17 Prozent hinter das Vorjahresniveau zurück.

16.11. Impfschutz vielfach mangelhaft
PZ. Eine von Chiron Behring initiierte Studie zum Impfstatus bei Bundeswehrrekruten hat erhebliche Impflücken aufgedeckt. So habe nur etwa die Hälfte der 18- bis 20jährigen Männer einen ausreichenden Impfschutz gegen Tetanus und nur ein Drittel gegen Diphtherie und Kinderlähmung, schreibt Chiron Behring in einer Stellungnahme. Bei den 21- bis 40jährigen Rekruten liege die Rate sogar noch niedriger. Die notwendige Zweitimpfung bei Masern, Mumps und Röteln (MMR) sei bei verschwindend wenig Rekruten dokumentiert. Chiron Behring hat die Impfdokumente von 18.123 Rekruten erfaßt und ausgewertet (veröffentlicht im Epidemiologischen Bulletin 40/98 des RKI). Die Ergebnisse im einzelnen: Bei den 18- bis 20jährigen sind laut Dokumentation gegen Tetanus nur 55 Prozent, gegen Diphtherie nur 38 Prozent und gegen Poliomyelitis nur 34 Prozent ausreichend geimpft. Notwendig dagegen seien Durchimpfungsraten bei Tetanus von 100 Prozent, bei Diphtherie von 80 Prozent und bei Poliomyelitis von 90 Prozent.

16.11. Diabetikerberatung am Telefon
dpa. An diesem und am nächsten Dienstag (17. November und 24.November) geben Mediziner unter der bundesweit gebührenfreien Nummer 0800/2555555 jeweils von 11 bis 13 Uhr Auskunft über Diabetes, teilte der Bundesverband der Betriebskrankenkassen am Montag in Bonn mit. Die häufiger Form der Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 2) tritt meist nach dem 40. Lebensjahr auf und trifft oft jene, die sich zu wenig bewegen, Übergewicht haben und sich einseitig ernähren. Vorbeugung ist deshalb durch regelmäßige sportliche Betätigung und ausgewogenne Ernährung möglich. Wird die Stoffwechsel-Krankheit zu spät entdeckt oder falsch behandelt, können Erblindung, Amputation von Gliedmaßen oder vorzeitiger Herztod die Folge sein. Die Behandlung von Diabetikern kostet nach Darstellung des BKK-Bundesverbandes bis zu 25 000 Mark im Jahr.

16. 11. Krankenhaus-Notopfer nicht zahlen
dpa. Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) hat ihre Versicherten aufgefordert, das Krankenhaus-Notopfer für dieses und das kommende Jahr noch nicht zu überweisen. Die AOK Schleswig-Holstein verwies am Montag in Kiel auf die Ankündigung der Bundesregierung, daß die Zahlungen ausgesetzt werden sollen. Trotzdem erhält die Krankenkasse von den Versicherten des nördlichsten Bundeslandes rund 1.300 Einzahlungen täglich und damit über 137 000 Mark pro Woche. "Wir gehen davon aus, daß schon in den nächsten Wochen durch das Vorschaltgesetz die weitere Zahlung des Krankenhaus-Notopfers ausgesetzt wird", sagte AOK-Sprecher Dieter Konietzko. Wer die Zahlung jetzt noch nicht leiste, erspare der Krankenkasse Verwaltungsaufwand. Denjenigen Versicherten, die das für die Sanierung der Krankenhäuser eingeforderte "Notopfer" bereits eingezahlt haben, wird der Betrag ohne Antrag zurückerstattet.

13.11. BgVV warnt vor Alphahydroxysäure
dpa. Vor der Anwendung von kosmetischen Mitteln mit Alphahydroxysäuren (AHA) hat am Freitag das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) in Berlin gewarnt. Die in Früchten natürlich vorkommende Säure bewirke eine Steigerung der Festigkeit und Elastizität sowie Glättung der Haut, in hohen Konzentrationen in Kosmetika sei Alphahydroxysäure aber "gesundheitlich bedenklich". Mit zunehmender Dosis und Anwendungsdauer sowie niedrigem ph-Wert der verwendeten Mittel könne sich die Haut röten, anschwellen, brennen und Blasen bilden. Das Institut empfahl Verbrauchern, sich beim Kauf über die Zusammensetzung von Hautglättern zu informieren. So könne ein Glykolsäure-Anteil unter vier Prozent und ein ph-Wert von 3,8 und höher im Endprodukt für den Verbraucher noch sicher sei. Bei Milchsäure könne ein Anteil von unter 2,5 Prozent und ein ph-Wert von über fünf toleriert werden, Nach dem Eincremen sollte die Sonne gemieden und bei ungewöhnlicher Hautrötung das Produkt abgesetzt werden.

13.11. Versicherte geben Kassen schlechte Noten
PZ. Eine repräsentative Umfrage der AOK Hessen ergab, daß rund ein Drittel der Versicherten die Krankenkassen und den Gesetzgeber und nicht die Ärzte dafür verantwortlich machen, wenn sie mit der Behandlung nicht zufrieden sind. Das Bonner Meinungsforschungsinstitut Infas 2000 hat im Auftrag der AOK Hessen 2000 Versicherte in Hessen ab 16 Jahren zur Qualität im Gesundheitswesen gefragt. Nur jeder siebte hielt danach das Gesundheitswesen für patientenfreundlich. Jeder dritte Patient war mit seiner letzten Behandlung unzufrieden. "Besonders der Behandlungserfolg und die Nachsorge werden in Frage gestellt", informierte Wolfgang Gerresheim, Vorstandsvorsitzender der AOK Hessen. Auch die Fachärzte bekommen in der Bewertung der Patienten keine guten Noten. 44 Prozent der Patienten, die in letzter Zeit beim Arzt waren, waren mit dem Erfolg der Behandlung unzufrieden. Etwa ein Drittel der Versicherten erwarten jedoch vom Gesetzgeber und den Krankenkassen eine Verbesserung der Qualität, nicht mal ein Viertel sieht dafür die Ärzteorganisationen verantwortlich.

13.11. BfB gegen Änderung bei Versorgungswerken
PZ. Gegen eine Einbeziehung angestellter Freiberufler in die gesetzliche Rentenversicherung spricht sich der Bundesverband freier Berufe (BfB) aus. Alle Angehörigen freier Berufe müßten weiterhin in den Berufsversorgungswerken bleiben, verlangt der Verband in seinem Forderungskatalog an die neue Bundesregierung. Zum Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen müsse die Besonderheit der freien Berufe in der Wirtschafts- und Steuerpolitik stärker berücksichtigt werden, forderte BfB-Präsident Ulrich Oesingmann vor Journalisten in Bonn. Der BfB setzt sich vor allem für eine Senkung des Spitzensteuersatzes und eine Erhaltung der 620-DM-Jobs in ihrer bisherigen Form ein. Strikt abgelehnt werden eine Ausbildungsplatzabgabe und die Einbeziehung sogenannter Scheinselbständiger in die Sozialversicherungspflicht.

13.11. Reo-Virus zerstört Krebszellen
dpa. Das Reovirus kann Krebszellen abtöten. Wissenschaftler der Universität Calgary berichten in "Science" (Bd. 282, S.1332) vom 13. November über Tierversuche mit Reoviren (respiratory enteric orphan), die möglicherweise zu einem neuen Ansatz in der Krebstherapie führen. Empfindlich für diese Virusinfektion sind nur Tumorzellen, in deren Erbgut ein bestimmtes krebserzeugendes Programm angeschaltet ist. Das Krebsgen mit der Bezeichnung Ras ist bei etwa einem Drittel aller menschlichen Tumore aktiv, darunter fast alle bösartigen Geschwulste der Bauchspeicheldrüse und etwa jeder zweite Dickdarm- oder Lungenkrebs. Ras sorgt offenbar für eine ungehinderte Vermehrung der Reoviren, die dann die Krebszelle zerstören können. Die kanadischen Wissenschaftler machten sich dies zunutze: Sie pflanzten Labormäusen Krebszellen mit aktivem Ras ein. Als die Tumore zu einer Größe von etwa einem drittel Kubikzentimeter herangewachsen waren, spritzten sie Reoviren direkt hinein. Nach zwölf Injektionen über einem Zeitraum von drei Wochen ließen sich in sechs von neun Tieren keine Krebszellen mehr nachweisen. In einer weiteren Versuchsserie verpflanzten die Krebsforscher menschliche Tumorzellen in Mäuse. Auch die daraus herangewachsenen Geschwulste wurden durch Inaktivierung von Reoviren in vier von fünf Mäusen zerstört.

12.11. Betablocker senkt Mortalität
PZ. Die Einnahme des Betablockers Metoprolol (Beloc-Zok®) senkt bei Patienten mit einer Stauungsinsuffizienz die Sterblichkeit um 35 Prozent. Professor Sidney Goldstein vom Heart und Vascular Institute in Detroit, Michigan (USA), gab dieses Ergebnis am 11. November auf der 71. Scientific Session der American Heart Association in Dallas bekannt. Die MERIT-HF-Studie (Metoprolol CR/XL Randomized Intervention Trial in Heart Failure) wurde Ende Oktober wegen des positiven Ergebnisses frühzeitig abgebrochen, so die Firma Astra in einer Pressemitteilung. Die Vorteile des Medikaments zeigten sich in allen Patienten-Untergruppen. Auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte konnte durch die Therapie mit Metoprolol reduziert werden. Die Kombination aus dem Betablocker und anderen Standardtherapien, wie Diuretika und ACE-Inhibitoren, könne viele Leben retten, so Dr. Stephen Gottlieb, der amerikanische Koordinator der MERIT-HF-Studie. 3.991 Patienten hatten an der placebokontrollierten Studie teilgenommen. Metoprolol sei anderen Betablockern in der Studie vorgezogen worden, da es besonders gut vertragen werde und die morgendliche Einnahme von 200 mg für 24 Stunden ausreiche.

11.11. Fischer sieht Kehrtwende
dpa. Die neue Bundesregierung will die Belastungen in der gesetzlichen Krankenversicherung gleichmäßiger verteilen und die Beitragssätze stabil halten. Das sagte Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) am Mittwoch vor dem Bundestag in Bonn. Mit dem Gesetzentwurf zur Stärkung der Solidarität in der gesetzlichen Krankenversicherung hätten SPD und Grüne die Kehrtwende in der Gesundheitspolitik eingeleitet. "Wir wollen eine Entlastung der Versicherten", sagte Fischer. Dem Bundestag lag in erster Beratung das Sofortprogramm zur Rücknahme von Belastungen für die Patienten und zur Ausgabenbegrenzung für die Krankenkassen vor. Die Zuzahlungen für Arzneimittel sollen auf acht, neun und zehn Mark sinken. Für chronisch Kranke sollen sie nach einem Jahr ganz fallen, wenn sie mehr als ein Prozent des Bruttojahreseinkommens für die Zuzahlungen zur Behandlung einer Krankheit aufwenden müssen, Auch die Direktabrechnung der Zahnärzte mit ihren Patienten bei Zahnersatz und das Krankenhaus-Notopfer von jährlich 20 Mark werden gestrichen.

11.11. ABDA befürchtet Verluste für Apotheker
PZ. Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände befürchtet in einer ersten Stellungnahme, daß Apotheker Einkommensverluste von bis zu 35 Prozent hätten, weil wieder einmal der Arzneimittelmarkt die Lasten der Kostendämpfung tragen müsse. ABDA-Präsident Hans-Günther Friese fordert die Regierung auf, bei der Weiterentwicklung der Versichertenkarte den Sachverstand der Apotheker hinzuzuziehen. Unterstützt wird die ABDA vom Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels, er sieht eine Gefährdung der Arzneimitteldistribution durch das geplante Gesetz. Dagegen haben die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenversicherung das Vorschaltgesetz begrüßt. Sie erwarten aber eine solide Gegenfinanzierung der Regelungen, von denen sie zusätzlich belastet werden (etwa 1,5 Milliarden DM). Um die Beitragssatzstabilität zu sichern, sei eine konsequente Deckelung der Ausgaben für die stationäre und ambulante Versorgung sowie für den Arzneimittelbereich notwendig.Top

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