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Contra Versandhandel

17.11.1997
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-Editorial

Govi-Verlag

Contra Versandhandel

von Gisela Stieve
Stellvertretende Chefredakteurin

Die Krankenkassen wollen nach wie vor den Versandhandel für Arzneimittel. Das ist sicher, auch wenn es zu ihrer Strategie gehört, sich vorläufig mehr im Hintergrund zu halten. Den neuen Distributions- und Vertriebsweg zu bewerben und zu pushen, ist jetzt nicht angesagt. Das tun andere, und die Krankenversicherer beobachten das mit Genugtuung.

Ein Fürsprecher der angeblich so günstigen und sicheren Vertriebsschiene ist der Direktor des Schweizer Versandhandelsunternehmens Mediservice, Jean Pierre Krähenbühl. Er ist von seiner Sache überzeugt und redet viel über die Vorteile der Packungen per Post: spart Kosten, ist bequem und sicher, diskret und portofrei.

Mit Medikamentenversand lassen sich aber nur dann Einsparungen erzielen, wenn die Arzneimittelpreisverordnung fällt, halten die öffentlichen Apotheker zu Recht dagegen. Davon kann zur Zeit nicht die Rede sein, nachdem der Bundeswirtschaftsminister die Novellierung zur Arzneimittelpreisverordnung vorgelegt hat. Schließlich ist das auch nur die finanzielle Seite der Medaille. In Deutschland setzen die Apotheker immer noch auf Arzneimittelsicherheit, die ein Qualitätskriterium sine qua non ist. In Apotheken wird nicht geschachert, sondern Arzneimittelsicherheit praktiziert, indem pharmazeutisch ausgebildete Personen das Medikament dem Patienten aushändigen - mit Beratung. Und das auch nachts und am Wochenende und wenn, wie kürzlich in Frankreich, Streiks den öffentlichen Verkehr lahmlegen und damit auch das Versandgeschäft mit Medikamenten.

Gute Arzneimittelversorgung ist zudem ein Gegenwert, den die Versicherten im Krankheitsfall für ihre Beiträge erwarten. Mit diesem Vertrauen sollten die Kassen nicht spielen.

Letztlich ist es keine organisatorische, sondern ausschließlich eine politische Frage, ob die Medikamentenabgabe den Apotheken vorbehalten bleiben soll. Die Antwort hat der Bundesgesundheitsminister schon gegeben: kein Versandhandel mit Arzneimitteln in Deutschland. Dieses politische Credo, enthalten im Entwurf der 8. Novelle zum Arzneimittelgesetz, soll Gesetz werden und die Argumentation auf Europaebene stärken. Das ist Qualitätssicherung im Sinne des Patienten.

"Als beratungsintensiver Apotheker habe ich keine Angst vor Versandhandel", erklärte unlängst ein Besucher der Fortbildungsveranstaltung der Landesapothekerkammer Hessen, bei der das Schweizer Modell vorgestellt wurde. Gut so. Wem Beratung allerdings zu viel ist, wird damit rechnen müssen, daß die Patienten ihre Konsequenzen ziehen. Auch wenn Apothekern ein gutes Image bestätigt wird, ist die einzelne Apotheke längst kein Selbstläufer mehr, sondern ein Dienstleistungsbetrieb im Gesundheitswesen mit durchaus selbstregulierenden Marktkräften.

Die Apotheker haben zwar nicht viele Argumente gegen den Versandhandel, dafür aber gute. Und darauf kommt es an. Wir bleiben dabei: Zum persönlichen Kontakt zwischen Patient und Apotheker gibt es keine Alternative. Top

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