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Apotheker sind beliebt, aber wenig gefragt

09.11.1998  00:00 Uhr

-Politik

Govi-Verlag

Apotheker sind beliebt, aber wenig gefragt

Die Deutschen ist insgesamt zufrieden mit den Apothekern, doch als Berater bei Gesundheitsfragen schätzt er ihn wenig. Dies ermittelte eine von Janssen-Cilag veranlaßte Studie. Sie enthält eine Bestandsaufnahme aller repräsentativer Untersuchungen über Einstellungen und Erwartungen der letzten zehn Jahre als ein erster Schritt, der zu weiteren Untersuchungen führen soll. Die Ergebnisse dieser Desk Research Studie wurden von Professor Dr. Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom an der Ludwig-Maximilians-Universität, München, und Dr. Bernd Güther, Sozialwissenschaftler sowie Projektmanager und Bereichsleiter Gesundheitsversorgung/-ökonomie bei der I+G Gesundheitsforschung, München, auf einer Pressekonferenz Ende September präsentiert.

Der Studie zufolge hält die Mehrheit der Bevölkerung den Apotheker für verständnisvoll, kompetent, vertrauenswürdig und zuverlässig. Entsprechend hoch ist auch das gesellschaftliche Ansehen des Apothekerberufs bei den Menschen: Auf einer Beliebtheitsskala, die 17 Berufe aufführt, steht der Apotheker an siebter Stelle. Übertroffen wird er von Arzt, Pfarrer, Rechtsanwalt, Hochschulprofessor, Botschafter und Unternehmer. (Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach). Das positive Erscheinungsbild bestätigt sich zudem in dem Prozentsatz der Befragten, die eine "Stammapotheke" haben. 1981 gaben dies 59 Prozent der Befragten an, 1991 waren es schon 61 Prozent. Der Apothekerverband Nordrhein ermittelte für 1991 sogar 84 Prozent. Daß die Zahl der Apotheken seit den 80er Jahren erheblich gestiegen ist und dem Kunden somit einen Wechsel erleichtern würde, hat demnach keinen Einfluß.

Kritischer steht die Bevölkerung dem Apotheker jedoch in seiner Eigenschaft als Berater gegenüber - zumindest wenn es über die Arzneimittelberatung hinaus um Gesundheitsprobleme geht. Auf die Frage, wem sich die Patienten eher anvertrauen würden, nämlich dem Arzt oder dem Apotheker, bevorzugten rund 87 Prozent von 2000 Befragten den Arzt. Nur sieben Prozent dagegen sprachen sich für den Apotheker aus. Dies ergab eine vom Hartmannbund beauftragte Emnid-Untersuchung von 1996. Eine von der ABDA- Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände veranlaßte Studie kam zu ähnlichen Ergebnissen: Hier rangierten die Apotheker ebenfalls weit hinter den Ärzten - und sogar noch hinter dem Fernsehen und den Krankenkassen.

Als ein wichtiger Grund wird die fehlende dauerhafte Beziehung des Patienten zum Apotheker genannt. Der Patient trete hier überwiegend nur in der Rolle des Verbrauchers beziehungsweise des Käufers auf. So vermißten Patienten das für eine Beratung notwendige vertrauliche Umfeld, das erst ein persönliches Gespräch ermögliche. Auch könne in Apotheken zu wenig Zeit für Beratungsgespräche aufgewendet werden. Eine knappe Mehrheit der Befragten von rund 40 Prozent dagegen glaubt, daß der Apotheker nicht der kompetente Ansprechpartner in Gesundheitsfragen sei.

Geht es um die Beratung über Arzneimittel, klaffen die Ergebnisse allerdings auseinander. Die im Auftrag von der ABDA gegebene Umfrage ermittelte eine Beratungsquote von über 60 Prozent zugunsten des Apothekers, dagegen kamen Untersuchungen - je eine von den betrieblichen Krankenkassen und von der Infratest Gesundheitsforschung im Auftrag des Bundesfachverbands der Arzneimittel (BAH) - auf eine Quote von nur 30 Prozent. Der Studie zufolge sind die unterschiedlichen Ergebnisse auf eine Befragungstechnik zurückzuführen, die überprüft werden muß.

Als Informationsquelle zum Thema Gesundheit steht der Apotheker an vierter Stelle. Hier erreicht er - je nach Alter aufgeschlüsselt - 28, 25 und 32 Prozent (18 bis 34, 35 bis 54 und 55 bis 75 Jahre). Auch hier liegt der Arzt wieder vorn (54, 60, 76 Prozent), gefolgt von Fernsehen und Zeitschriften. Eine beachtliche Zahl von Bürgern immerhin greift zu den Apothekerzeitschriften (13, 27, 36 Prozent). Sie rangieren damit an sechster Stelle.

Laut der Studie ist die Zufriedenheit der Patienten mit dem Gesundheitssystem insgesamt relativ groß. Es erhielt die Durchschnittsnote von 3,0 (Die Skala reicht von 1 bis 5). Am besten schnitt die Gesundheitsversorgung durch niedergelassene Ärzte mit der Note 2,5 ab. Die Arzneimittelversorgung kam auf die Note 2,6. Gegenüber Arzneimitteln jedoch sind die Patienten vorsichtig eingestellt. Das sagten über 80 Prozent der befragten Personen sowohl in den Umfragen von 1990 als auch 1994. Zwischen 70 und 80 Prozent immerhin glauben einschätzen zu können, wann sie ihre Beschwerden selbst - ohne Hilfe des Arztes - behandeln können., Selbstmedikation in der Bundesrepublik Deutschland.

Nach Janssen-Cilag wurde mit dieser Bestandsaufnahme erstmals das Befinden der Patienten zum Gesundheitswesen gebündelt. Um Forschungslücken zu schließen, will Janssen-Cilag die Arbeit mit einer eigenen repräsentativen Primärbefragung fortsetzen. Erst wenn man die Einstellungen und Erwartungen der Patienten kenne, könne man das Gesundheitssystem der Zukunft kundengerecht gestalten, so die Begründung.

PZ-Artikel von Susanne Jöckle, Eschborn
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