Pharmazeutische Zeitung online

PZ Nachrichten

09.11.1998  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-Verlag

PZ +++ Nachrichten +++  10.11. Erfolgreiche Gentherapie bei Herzkranken
dpa. Mit gentherapeutischen Methoden kann offensichtlich scheinbar unheilbar herzkranken Menschen geholfen werden. Eine einzige Injektion mit dem VEGF-Gen ermöglichte den Patienten, wieder ein normales Leben zu führen. Einige der neuen, vielversprechenden Experimente wurden auf dem größten Herzkongreß der Welt, den 71. Scientific Sessions des Amerikanischen Kardiologenverbandes (AHA), in Dallas vorgestellt, der am Mittwoch endet. AHA-Präsident Valentin Fuster (New York), nannte sie "die aufregensten neuen Ansätze in der Behandlung von Herz- und Kreislaufkrankheiten". Am weitesten fortgeschritten ist offenbar die Arbeit von Jeffrey Isner von der Tufts Universität in Cambridge (US-Staat Massachusetts). Isner spritzte das VEGF-Gen über einen kleinen Einschnitt in der Brust direkt in den Herzmuskel seiner ersten 16 Patienten. VEGF steht für Vascular Endothelial Growth Factor, was so viel heißt wie Wachstumsfaktor für Arterien. Das Gen ist im Durchschnitt zwei Wochen aktiv - lang genug, um das unterversorgte Herz mit neuen Blutgefäßen anzureichern, erläuterte Isner auf einer Pressekonferenz in Dallas. Außer Isners Verfahren werden derzeit wenigstens vier andere Gentherapien in den USA und Europa erprobt, Ronald Crystal vom New York Presbyterian Hospital der Cornell Universität benutzt ein Schnupfenvirus zum Transport in die kranke Herzregion.

09.11. Arbeitsgruppe Biopharmazie gegründet
PZ. Seit 7. November gibt es unter dem Dach der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft eine weitere Arbeitsgemeinschaft. Die Gruppe Bioverfügbarkeit/Biopharmazie wird sich schwerpunktmäßig mit Qualitätsstandards für pflanzliche Arzneimittel befassen. Dabei sei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und mit Experten anderer Fachgesellschaften äußerst wichtig, betonte Professor Dr. Henning Blume bei der Gründungsversammlung im Rahmen des DPHG-Jahreskongresses in Tübingen. Für eine einjährige lnterimsphase - bis zur Mitgliederversammlung am 7. Oktober 1999 - wurde ein geschäftsführender Vorstand legitimiert. Ihm gehören neben Blume Dr. Barbara Schug, Dr. Frauke Gaedcke, Dr. Frank Runkel sowie die Professoren Dr. Rüdiger Gröning, Dr. Adolf Nahrstedt, Dr. Theo Dingermann und Dr. Hermann P. T. Ammon an. Bislang haben 35 Kollegen ihr Interesse bekundet.

09.11. Hormone senken Herzinfarkt-Risiko
dpa. Frauen mit sehr hohem Risiko für Herzkrankheiten profitieren besonders stark von einer Hormontherapie in den Wechseljahren. Das berichtete der Kardiologe Robert Superko vom Lawrence Berkeley National Laboratory (Kalifornien) am Sonntag auf dem weltgrößten Herzkongreß, den 71. Scientific Sessions des Amerikanischen Kardiologenverbandes (AHA), in Dallas. Superko bezog sich auf Studien, nach denen die kombinierte Einnahme von Östrogen und Progestin ältere Frauen vor der Entstehung von Herzkrankheiten schützen kann. Eine Veranlagung für Herzkrankheiten läßt sich laut Superko unter anderem aus den Anteilen verschiedener Cholesterin-Gruppen im Blut erkennen. Als besonders schädlich gilt das LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein). Vor allem ein kleines, dichtes LDL-Molekül - Typ B - erhöht Superko zufolge das Herzinfarktrisiko. Bei Typ-B-Patienten bleiben 40 Prozent mehr LDL-Moleküle an den Wänden der Blutgefäße haften als bei anderen, erläuterte Superko in Dallas. Dadurch verstopfen sich ihre Arterien doppelt so schnell wie von Menschen mit LDL-Typ A, die größere LDL-Moleküle besitzen und ein normales Herzinfarktrisiko haben. Der Forscher verglich den Effekt der Hormontherapie an 44 Frauen im Alter von durchschnittlich 58 Jahren, die Hälfte vom Typ A und die andere vom Typ B. Dabei fand er, daß das gefährliche LDL bei den Risikopatientinnen vom Typ B in nur vier Monaten dreimal so schnell sank wie bei den anderen Frauen. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil des "guten" Cholesterins HDL bei Typ B-Frauen stark. Die Hormontherapie empfiehlt sich laut Superko daher besonders für Frauen vom Typ B.

9.11. Verschlüsselte DIMDI-Recherche
PZ. Seit dem 20. Oktober können Nutzer der Datenbanken des DIMDI - Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information, Köln, ein verschlüsselte Übertragung wählen. Verwendet wird laut DIMDI die neuesten weltweit akzeptierte Verschlüsselung SSL3. Nutzer müssen dazu einen SSL3-fähigen Browser einsetzen. Der chiffrierte, derzeit 40 bit lange Schlüssel wird für jede Sitzung neu generiert.

06.11. Erstes Antisense-Medikament auf dem Markt
PZ. Für AIDS-Patienten mit Retinitis, die durch das Cytomegalievirus (CMV) ausgelöst wird, hat die amerikanische Zulassungsbehörde FDA das Medikament Fomivirsen (Vitravene) zugelassen. Fomivirsen ist das erste Antisense-Oligonukleotid-Medikament, das es bis zur Marktreife gebracht hat. Fomivirsen kommt dann zum Einsatz, wenn übliche Virustatika wie Ganciclovir, Foscarnet oder Cidofovir kontraindiziert sind, wenn diese einen Teil ihrer Maximalwirksamkeit eingebüßt haben oder wenn der Patient bereits resistent geworden ist. Es wird unter lokaler Betäubung intravitreal, also in den Glaskörper des Auges, injiziert. Die Antisense-Technologie ist ein neuer Weg, um pharmazeutische Wirkstoffe zu konzipieren. Antisense-Wirkstoffe hemmen die Produktion dieser krankheitsauslösenden Proteine im Syntheseschritt. Antisense-Oligonukleotide, kurze synthetische Nukleinsäure-Ketten, binden an die komplementäre Sequenz der mRNA des Zielproteins, wodurch die Bildung dieses Zielproteins spezifisch gehemmt wird. Fomivirsen ist ein solches Antisense-Oligonukleotid, das zielgerichtet an eine spezifische mRNA des Cytomegalievirus bindet. Diese mRNA kodiert mehrere Proteine, die für die Vermehrung des Virus notwendig sind. Die Bindung von Fomivirsen an die Ziel-mRNA führt folglich zur Hemmung der Proteinsynthese und somit zur Hemmung der Virusreplikation. Fomivirsen erkennt spezifisch nur die gewünschte Virus-RNA.

06.11. Hoffnung auf Aids-Impfstoff
dpa. Australische Forscher erhoffen sich von langzeitüberlebenden HIV-Infizierten den Schlüssel für einen Aids-Impfstoff. Sechs Patienten lebten bereits seit bis zu 17 Jahren unbeschadet mit einem ungewöhnlichen Aids-Virus, berichtete der australische Wissenschaftler John Mills auf einem Immunologenkongreß in Neu Delhi. Nach seinen Ausführungen sind die Betroffenen Träger eines Stammes des Aids-Erregers, der die Krankheit nicht auslöst. Dieser enthalte ein verändertes Gen, das normalerweise eine wichtige Rolle beim Ausbruch von Aids spiele, sagte der Wissenschaftler. Der Experte hofft, das Gen isolieren und in andere Virem implantieren zu können. Bei den bekannten Viren liegen durchschnittlich zehn Jahre zwischen Infektion und Erkrankung.

06.11. Ruhelos und trotzdem depressiv
PZ. Nach der Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837 bis 1898) haben Mediziner das "Sisi-Syndrom" benannt. Nach heutigen Erkenntnissen litt Sisi unter einer Depression. Allerdings reagierte sie auf die seelische Schieflage nicht mit Resignation, Traurigkeit oder Weinerlichkeit. Im Gegenteil: Sisi suchte stets nach Wegen, durch Aktivität ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Fluchtartige Reisen, strenge Diäten und der Schönheitskult brachten ihr jedoch allenfalls Linderung, aber keine Heilung. Dieses aktive Verhalten im Umgang mit einer Depression bezeichnet man heute als Sisi-Syndrom. Experten schätzen, daß heute etwa 2,5 Millionen Menschen unter dieser Art der Depression leiden. Die Devise scheint "Aktion statt Resignation" zu lauten. Damit liegen Betroffene eigentlich im Trend, gelten doch Aktivität, Leistungsfähigkeit und körperliche Fitneß gerade heute als Schlüssel zu Erfolg und Ansehen. Doch auch hier kommt es auf das gesunde Maß an, und gerade das geht durch das Sisi-Syndrom verloren. Heute weiß man, daß für das "Sisi-Syndrom" eine Dysbalance des Serotoninstoffwechsels im Gehirn mitverantwortlich ist. Dieser Stoffwechsel kann durch Serotonin-Reuptakehemmer wie Paroxetinhydrochlorid (Seroxat) reguliert werden.

05.11. Fischer dementiert beschränkten Arztwechsel
dpa. Die Bundesregierung plant nach einem Bericht der Bild-Zeitung, die Zahl der Arztbesuche pro Quartal für gesetzlich Krankenversicherte einzuschränken. Es werde überlegt, auf der Chipkarte künftig die Zahl der Arztbesuche des jeweiligen Patienten zu speichern, berichtet die Zeitung heute. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer wies den Bericht zurück: "Die Meldung ist falsch. Es gibt keinerlei Entscheidungen, die über die Vereinbarung im Koalitionsvertrag hinausgehen." Im Vertrag der Koalition von SPD und Bündnis 90/Die Grünen steht lediglich, die neue Bundesregierung wolle - neben einer Reihe anderer schnellerer Änderungen im Gesundheitsrecht - per "Vorschaltgesetz" auch eine "Modifizierung der Krankenversicherungskarte (Arztwechsel)" vornehmen. Über Details dazu soll nach Fischers Angaben in den Bundestagsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen gesprochen werden. "Alles andere ist reine Spekulation."

04.11. HMR/Pfizer entwickeln inhalierbares Insulin
PZ. Hoechst Marion Roussel und Pfizer werden in einer Allianz inhalierbares Insulin produzieren, entwickeln und vermarkten. Das haben die beiden Unternehmen am 4. November bekanntgegeben, hieß es in einer Pressemeldung von HMR. Inhalierbares Insulin, das derzeit in Phase II der klinischen Entwicklung getestet wird, biete einen neuen Ansatz bei der Behandlung von Typ-1- und Typ-2-Diabetes, so HMR. Bei der neuen Behandlungsmethode inhalieren die Patienten Insulin in trockener Form. Die beiden Pharmaunternehmen wollen gemeinsam eine Produktionsanlage in Frankfurt errichten, die weltweit die größte ihrer Art sein wird. Bis zu deren Fertigstellung werde Hoechst Marion Roussel für die Weiterentwicklung des Projekts biosynthetisches Humaninsulin aus der eigenen Anlage zur Verfügung stellen. Pfizer bringe seine Erfahrungen in der Entwicklung des inhalierbaren Insulins in das Projekt ein. Das Unternehmen habe gemeinsam mit der Firma Inhale Therapeutics Systems, San Carlo, Kalifornien, USA, einen Inhalator entwickelt und die Formulierungstechnologie für die Verabreichung von trockenem Insulin in Pulverform erarbeitet.

04.11. NSAR sind nicht immer erste Wahl
PZ. Je früher eine chronische Polyarthritis behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose, betonte Professor Dr. M. Hammer, leitender Arzt am St. Josef-Stift in Sendenhorst, auf einer Fortbildungsveranstaltung für Ärzte und Apotheker in Münster. Gerade bei jungen Patienten könne eventuell der progrediente Verlauf der Erkrankung gestoppt werden. Die NSAR stünden zwar ganz oben auf der Liste der am häufigsten verordneten Antirheumatika, seien jedoch nur bei lang anhaltenden Schmerzen entzündlicher Genese indiziert, meinte Hammer. Oft würden die Medikamente zu unkritisch eingesetzt. Eine Arthrose sollte nicht zwangsläufig mit einem NSAR behandelt werden. In einer Studie zu Medikament-bedingten Todesfällen unter Patienten mit chronischer Polyarthritis seien 30 von 1666 Probanden an den Nebenwirkungen der nichtsteroidalen Antirheumatika gestorben. Wenn die NSAR eingesetzt werden, sollte bei Risikopatienten deshalb immer ein Protonenpumpenhemmer zur Ulcus-Prophylaxe gegeben werden. Hammer riet dem Auditorium außerdem, möglichst auf eine Kombinationstherapie von NSAR mit Glucocorticoiden zu verzichten. Bei einer akuten rheumatischen Entzündung empfahl Hammer jedoch die Gabe von Corticoiden. Heute bekämen die Patienten anfangs die stärksten Arzneimittel in relativ hoher Dosierung, um schnell eine Wirkung zu erzielen. Anschließend versuche man dann die Dosis langsam zu reduzieren.Top

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa