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Britische Apotheken im Wettbewerbmit Supermärkten

10.11.1997
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-Wirtschaft & Handel

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Britische Apotheken im Wettbewerb
mit Supermärkten

Britische Apotheken verdienen heute mehr als jemals zuvor mit Artikeln des Apothekenrandsortiments sowie mit verschreibungsfreien Medikamenten. Dagegen werden rezeptpflichtige Arzneimittel zunehmend zweitrangig, wenn es darum geht, Geld zu verdienen. Das geht aus einer Untersuchung des Unternehmens ICC Business Publications in Hampton hervor. Danach sinken die Gewinnspannen der unabhängigen Offizinen weiter.

Laut ICC erzielen die rund 11 700 Apotheken in Großbritannien heute durchschnittlich 70 Prozent ihres Umsatzes mit Rezepten des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS). Zum Vergleich: 1970 entfielen lediglich 40 Prozent des Umsatzes auf NHS-Rezepte. Ganz anders sieht die Situation aus, wenn man die Gewinnspannen von 1970 und 1995 vergleicht: 1970 kalkulierten die Apotheken laut ICC bei NHS-Verschreibungen mit einer durchschnittlichen Gewinnspanne von 26 Prozent. Heute liegen sie bei rund 16 Prozent. Die Autoren gehen davon aus, daß sich die Ertragslage beim Beliefern von NHS-Rezepten weiter verschlechtern wird (Privatrezepte spielen in Großbritannien mit seinem staatlichen Gesundheitsdienst bis heute kaum eine Rolle).

Den Apothekern wird indirekt nahegelegt, sich nach neuen Möglichkeiten umzusehen, Geld zu verdienen. "Der Produkt-Mix der Apotheken muß sich ändern", so schreiben die Autoren. "Sonst kann es bald passieren, daß die Apotheken zwar Rekordumsätze erzielen, dabei aber kein Geld mehr verdienen." Die Gewinnspannen seien bei verschreibungsfreien Arzneimitteln und bei Artikeln des Randsortiments aber innerhalb der vergangenen 25 Jahre stetig gestiegen.

1995 erzielte die durchschnittliche britische Apotheke laut ICC rund 16 Prozent ihrer Umsätze mit verschreibungsfreien Medikamenten, sie tragen jedoch inzwischen bis zu 45 Prozent zum Gewinn bei. Dazu zählen in Großbritannien außer Vitaminen und Mineralstoffpräparaten auch viele Analgetika, dermatologische Produkte sowie zahlreiche pflanzliche Arzneimittel. Die britische Arzneimittelbehörde (Medicines Control Agency, MCA) verfolgt seit Jahren eine im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sehr liberale OTC-Zulassungspolitik. Rezeptpflichtige Medikamente werden im Königreich relativ schnell und unkompliziert aus der Verschreibungspflicht entlassen. Dieser Trend wird sich nach Auffassung von ICC bis zum Ende des Jahrzehnts weiter fortsetzen. Dementsprechend beobachtet die britische Apothekerschaft alle Versuche des Gesetzgebers mit Argwohn, die Preisbindung für OTC-Produkte zu lockern.

Besonders britische Supermärkte versuchen, die Preisbindung zu unterlaufen. Apotheker sehen darin eine Existenzbedrohung. Laut ICC haben die Apotheken innerhalb der vergangenen zehn Jahre deutlich Umsätze an Supermärkte und Drogeriemärkte verloren. Genaue Zahlen werden nicht genannt. Der Fremd- und Mehrbesitz von Apotheken hat den Markt geprägt. "Wir rechnen damit, daß sich die Umsatzzuwächse in den Apotheken bis zum Ende der 90er Jahre weiter verlangsamen werden", heißt es bei ICC. Und: "Dagegen dürfte der Pharmagroßhandel weiter starke Umsatzzuwächse erzielen."

Ertragslage hat sich verschlechtert


Insgesamt hat sich die Ertragslage im britischen Apothekensektor innerhalb der vergangenen Jahre verschlechtert, urteilt ICC. "Dafür sind vor allem die Supermärkte und die großen Einkaufszentren außerhalb der Städte verantwortlich." Der Einzelhandel werde den britischen Apotheken auch in den kommenden Jahren weiter Umsatzanteile abjagen. Das treffe die Apotheker deshalb besonders hart, da die Supermärkte die (lukrativen) Produktgruppen der OTC-Arzneimittel, das Apothekenrandsortiment und Kosmetika für sich entdeckt haben. ICC geht davon aus, daß die Nettogewinnspannen der Apotheken bis zum Ende des Jahrzehnts auf durchschnittlich 2,4 Prozent sinken werden.

Gemessen an den Investitionen (Return on Investment) werden Erträge im Apothekensektor laut ICC ebenfalls weiter sinken. 1992 betrug die Quote laut Studie noch 18,4 Prozent. Drei Jahre später waren es lediglich 13,9 Prozent. Eine der wenigen Ausnahmen ist nach Angaben von ICC die Apothekenkette Boots. Die Kette habe 1995 ein Return on Investment von durchschnittlich 31 Prozent erzielt.

PZ-Artikel von Arndt Striegler, London
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