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Bezug beim Großhandel optimieren

10.11.1997
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-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

Bezug beim Großhandel optimieren

Die Apotheken beziehen durchschnittlich 87 bis 91 Prozent ihrer Einkäufe über den Großhandel. Demzufolge ist das Einkaufsgeschehen der Apotheken stark von der Beziehung zum Großhandel geprägt. Im Mittelpunkt stehen bei den Apotheken häufig nur die gewährten Rabatte. Andere Parameter wie das Bestellverhalten beim Großhandel, die neben den Rabatten einen Einfluß auf den wirtschaftlichen Erfolg der Apotheke haben, werden oft vernachlässigt.

Hier setzt nun eine aktuelle Untersuchung der Betriebswirtschaftlichen Grundlagenforschung der Treuhand Hannover GmbH an, die sich in diesem Jahr mit dem Thema Großhandels- und Direktbezug befaßt. Es wurde zum einen den Besonderheiten des Direktbezuges nachgegangen, zum anderen wurde der Großhandelsbezug der Apotheke genauer unter die Lupe genommen.

Untersuchungsergebnisse der Treuhand


Als Basis dienten neben allgemeinen Marktdaten individuelle, in Apotheken des Treuhand-Panels erhobene Daten. Wegen der unterschiedlichen Apotheken-Parameter mußten Kennzahlen und Auswertungen in vielen Fällen getrennt nach Ost und West erstellt werden. Die grundsätzlichen Aussagen gelten jedoch immer für beide Teile.

Wieviel Zeit verbringt die Apotheke mit dem
Großhandelsbezug, und was kostet das?

Auf den Warenbezug entfallen pro Jahr rund 28 Prozent der Gesamtarbeitszeit in der West-Apotheke (inklusive Leiter). Hiervon entfällt rund die Hälfte, nämlich 14 Prozent, auf den Großhandel. Davon entfallen ein Drittel auf Bestellvorgänge und zwei Drittel auf den Wareneingang und nachfolgende Tätigkeiten.

Werden den Zeiten und die Personalkosten und der Unternehmerlohn gegenübergestellt, entfällt in der West-Apotheke auf den Großhandelsbezug ein Betrag von rund 34 000 DM pro Jahr (Urlaub, Krankheit, Arbeitgeberanteile eingerechnet). Bricht man dies auf die einzelne Packung herunter, kommen immerhin Handlingskosten von 0,45 DM für jede über den Großhandel bezogene Packung zusammen.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Großhandel aus
und wo stecken Rationalisierungspotentiale?

In der Regel arbeitet eine Apotheke mit mehreren Großhändlern zusammen. Die Lieferanten können in Haupt- und Nebenlieferanten unterteilt werden, auf die unterschiedliche Bestellvolumina entfallen. Es fällt auf, daß rund 60 Prozent der untersuchten West-Apotheken nur zwei Großhändler und über 55 Prozent der Ost-Apotheken drei Großhändler haben. Über 8 Prozent der Ost-Apotheken haben mehr als drei Lieferanten, im Westen sind dies 4 Prozent. Auch interessant: In den alten Ländern kommen immerhin rund 4 Prozent der Apotheken mit einem Großhändler aus, wohingegen im Osten mehrere Apotheken auch fünf Großhändler haben.

Die meisten Apotheken in Ost und West (rund 85 Prozent) erhalten durchschnittlich pro Tag vier bis acht Großhandelslieferungen, wobei der häufigste Fall bei täglich fünf Lieferungen liegt. Nun ist es keineswegs so, daß die Apotheken mit lediglich einem Großhandel von diesem häufiger beliefert werden. Im Gegenteil: Diese Betriebe bekommen im Schnitt viermal am Tag Ware vom Großhandel. Umgekehrt werden die Betriebe, die mit mehr als vier Großhändlern zusammenarbeiten, über achtmal täglich beliefert. Dies könnte ein Grund dafür sein, warum diese Apotheken rund 10 Prozent höhere Personalkosten haben als eine durchschnittliche Apotheke.

Großhandelsbezüge straffen spart Kosten


In vielen Apotheken, die zur Zeit noch mit drei oder mehr Großhandelslieferanten arbeiten und sechsmal oder häufiger pro Tag beliefert werden, steckt ein Rationalisierungspotential. Bei einem Blick auf die Kosten der Apotheken, die dieses Potential ausschöpfen, zeigt sich ein Trend zu niedrigen Personalkosten. Apotheken mit zwei oder weniger Großhändlern und maximal täglich vier Lieferungen schneiden günstiger ab.

Wie verteilen sich die Lieferungen nach Anzahl beziehungsweise
Wert im Durchschnitt auf die Großhändler?

Im Durchschnitt erhält jede Apotheke 32 Großhandelslieferungen in der Woche, aufgeteilt auf bis zu vier Lieferanten. Der erste Großhändler erhält durchschnittlich 73 Prozent des Bezugsvolumens in DM. Beim zweiten Großhändler sind es durchschnittlich 22,5 Prozent, und der Rest entfällt auf die sogenannten Ausputzer.

Die Apotheken, die mit einer Minimalzahl auskommen, beschränken sich im Westen auf 11 und im Osten auf 16 Lieferungen pro Woche. Diese Apotheken haben - und das ist wichtig - keineswegs eine schlechtere Lieferfähigkeit als Apotheken mit hoher Lieferanzahl. Die Maximalzahl der Großhandelslieferungen pro Woche liegt bei über 50.

Neben den Großhandelslieferungen hat eine Apotheke durchschnittlich sechs bis acht Direktlieferungen pro Woche zu bearbeiten. Dabei ist zu beachten: Obwohl im Westen rund 21 Prozent und im Osten 15 Prozent aller Lieferungen auf den Direktbezug entfallen, werden nur rund 13 beziehungsweise 9 Prozent des wertmäßigen Einkaufs beim Hersteller getätigt. Ein hoher Anteil der Arbeitsbelastung entfällt also auf einen kleinen Umsatzanteil. Die erhöhte Arbeitsbelastung beim Direktbezug ist in die Beurteilung der Vorteilhaftigkeit eines Herstellerangebots einzubeziehen.

Für den Direktbezug gilt: Ein echtes Plus ergibt sich für die Apotheke erst, wenn die Rabattvorteile deutlich über dem Bearbeitungsaufwand liegen (siehe PZ 41/97, Seite 102).

Folgende Überlegungen sollte eine Apotheke im Hinblick auf eine Optimierung des Großhandelsbezugs anstellen:
  • Entscheidung für einen Hauptlieferanten treffen. Das wertmäßige Bündeln der Warenbezüge stärkt hinsichtlich der Konditionen die Verhandlungsposition der Apotheke.
  • Reicht eventuell ein Lieferant aus? Einige Lieferanten bieten über ein Verbundsystem der Niederlassungen mittlerweile einen nahezu umfassenden Lieferservice.
  • Wofür (etwa für spezielle Homöopathie, Hilfsmittel) wird der zweite Großhändler benötigt? Dieser und weitere Lieferanten sollten nur engagiert werden, wenn sie unbedingt gebraucht werden.
  • Ermittlung der optimalen Anzahl und Zeitpunkte für die Lieferungen. Beispielsweise Sendung nachts oder frühmorgens mit großer Liefermenge. Grundsatz: Alles, was nicht schnellstens benötigt wird, kommt mit dieser Lieferung. Die Eingangsbearbeitung und das Wegräumen der Ware könnten dann bereits vor Beginn der Geschäftszeiten oder vor dem ersten Kundenansturm erledigt werden. Weitere Sendungen werden mit Rücksicht auf Kundenwünsche sowie Arbeitsanfall und Personalbesetzung terminiert. Auch hier wirkt sich die Bündelung der Lieferungen zeit- und kostensparend für die Apotheke, aber auch für den Großhandel aus.

PZ-Artikel von Ursula Hasan-Boehme und Jutta Degenhardt,
Treuhand Hannover

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