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Pharmahandel Sanacorp steigert den Gewinn

02.11.1998
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-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

Pharmahandel Sanacorp steigert den Gewinn

Quintessenz der diesjährigen Bilanzpressekonferenz im Münchner Parkhotel Hilton: Die Sanacorp Pharmahandel AG verbesserte ihren Jahresüberschuß im Vergleich zum Geschäftsjahr 1996/97 (30. Juni) im Teilkonzern von 23,9 auf 27,6 Millionen DM und erhöhte die Gewinne pro Aktie. Den Hauptgrund für diesen Erfolg sieht die Geschäftsführung in innerbetrieblichen Umstrukturierungen. Dennoch blieb der Umsatz des Unternehmens etwas hinter den Erwartungen und den Zahlen des Vorjahres zurück. Ungeachtet dessen sieht Sanacorp nach eigener Aussage gute Perspektiven für das laufende Geschäftsjahr 1998/1999.

Das Planegger Unternehmen bleibt auch bis zur bevorstehenden Jahrtausendwende mit einem Marktanteil von gut 13 Prozent viertgrößter Pharmagroßhändler in Deutschland, betonte der Vorstandsvorsitzende, Dr. Jürgen Brink, der den Journalisten und sechs Tage später den Börsenanalysten nicht nur das Ergebnis im Kerngeschäft, sondern auch im Teilkonzern der Sanacorp Pharmahandel AG präsentierte. Dazu gehören die Versicherungsvermittlungsgesellschaft Perrey, die Bauprojektsteuerung BPS, die Audio-Marketing- und Vertriebsgesellschaft für Pflegebedürftige und die Logistik-Tochter Sanalog.

Erfolgreiches Benchmarketing

Vor allem unternehmensinterne Benchmarketing-Projekte sowie "die strikte Ertragsorientierung aller Maßnahmen im Vertrieb" hätten eine weitere Ergebnisverbesserung möglich gemacht. Erzielt wurde im Teilkonzern ein Umsatz von 3,562 Milliarden DM und ein Rohergebnis von 335 Millionen DM. Bemerkenswert ist dabei das Ergebnis nach Steuern von 27,6 Millionen DM. Dies entspricht einer Steigerung von 15,5 Prozent zum Vorjahr. Hauptgrund dafür, laut Geschäftsführung: Unter dem Begriff Benchmarketing nahm die Geschäftsführung in erster Linie Optimierungen der Versandwege, bei den Wareneingangskosten und Sachkosten vor. "Wir haben drei Kriterien angesetzt: die Kostensenkung, eine verbesserte Qualität und eine Produktivitätssteigerung", erklärt der Generalbevollmächtigte Christoph Kayenburg, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei Sanacorp, die Hintergründe des sogenannten Benchmarketings. Der Lohn der Mühen ist ein verbessertes DVFA-Ergebnis (vergleichbare Ergebnisse auf der Basis der Deutschen Vereinigung für Finanzanalysen) für das abgeschlossene Geschäftsjahr von 3,24 DM je Aktie.

Brink bezifferte das Kostenniveau dank der Einspareffekte im Bereich der Personal- und Speditionskosten lediglich mit 85 Prozent des Ausgangsniveaus zu Beginn des abgelaufenen Geschäftsjahres. Im Personalbereich selbst kam es zu einem Stellenabbau; von 2258 auf 2158 Vollzeitbeschäftigte. Im Gegenzug stieg die Zahl der Auszubildenden von 79 auf 92 an. Dies gilt auch für die Personalkosten, welche um 75 Millionen DM auf 144,3 Millionen DM kletterten. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen bezifferte Brink, verglichen mit dem Vorjahr um 7,2 Millionen DM niedriger. Dafür wurden nur noch 126 Millionen DM ausgegeben. Das Investitionsvolumen betrug laut Brink 34,2 Millionen DM. Den Schwerpunkt legte man hier auf die Herstellerlogistik, für die rund 12,2 Millionen DM aufgewendet wurden. Nachdem sich das DVFA-Ergebnis pro Aktie um 20 Pfennig erhöht hat, will der Vorstand der Hauptversammlung der Sanacorp AG am 9. Dezember 1998 in München eine Dividendenausschüttung von 1,65 DM pro Vorzugsaktie im Nennwert von 5 DM vorschlagen.

Die positiven Ergebnisse im Geschäftsjahr 1997/98 hätten jedoch noch besser ausfallen können, wären nicht die restriktiven Veränderungen in der Gesundheitspolitik gewesen, die auch an Sanacorp nicht spurlos vorübergegangen seien. Brink machte die dirigistischen Eingriffe des Gesetzgebers für die schleppenden Umsatzentwicklungen von gerade einmal 0,4 Prozent für den pharmazeutischen Großhandel (im Zeitraum des Sanacorp-Geschäftsjahres) verantwortlich. Bei Sanacorp sank der Umsatz leicht um 0,9 Prozent von 3586,6 Milliarden auf 3551,7 Milliarden DM im Kerngeschäft. Der Unternehmensspitze zufolge resultiert dieses Defizit auch aus der regional unterschiedlichen Marktentwicklung.

Die Philosophie von Sanacorp lautet: In Zeiten einer unsicheren Wirtschaftspolitik und eines angegriffenen Gesundheitsmarktes muß der Pharmagroßhandel "seinen Fokus ganz klar auf Ertragssicherung legen", selbst wenn dies zu Lasten des Umsatzes gehe. Stagnierende Umsätze drückten auf die Wettbewerbsintensität, mit der Folge weiterer für den Markt unguter Rabattsteigerungen. Diesen ruinösen Wettbewerb wolle Sanacorp nicht um jeden Preis mittragen. Resultat des fehlenden Wachstums im pharmazeutischen Großhandel sei ein deutlicher Rohertragsrückgang. Für Sanacorp spiegele sich dies im Vergleich der Roherträge wider. So fiel der Rohertrag um 12,2 Millionen DM, von 315 auf 302,8 Millionen DM ab. Die Rohertragsquote von 8,53 Prozent gemessen am Umsatz ergebe ein Minus von 0,25 Prozentpunkten.

Abstriche mußte Sanacorp teilweise auch bei der Logistiktochter Sanalog machen, das noch in der Konsolidierungsphase steckt. So ergab sich ein Verlust im letzten Geschäftsjahr von 3,3 Millionen DM (siehe hierzu den Bericht in PZ 32/98, Seite 51). In Liquidation befindet sich die Sanacorp-Tochtergesellschaft Adiuvo, bisher zuständig für Marketing und Vertrieb von Hilfsmitteln für Pflegebedürftige. Sanacorp hat sich aus diesem Geschäftsbereich zurückgezogen. Seine Leistungen sollen jedoch per Kooperationsvertrag für sämtliche Sanacorp-Kunden erhalten bleiben, wie der Vorstandsvorsitzende Brink betonte.

Umsatzplus im neuen Quartal

Vorrangig will das Unternehmen weiterhin eine Optimierung seiner Betriebsprozesse in Angriff nehmen und sich nicht auf Preisdumping einlassen. Sanacorp baut auf eine zurückhaltende Rabattpolitik. Zwar erwartet Brink weitere negative Auswirkungen der Gesundheitspolitik auf das Pharmahandelsgeschäft durch die neue Bundesregierung, unter anderem wegen der drohenden Positivliste für Arzneimittel und möglicherweise einer weiteren Stärkung der gesetzlichen Krankenkassen. Der Sanacorp-Vorstand sähe jedoch mit Zuversicht in die Zukunft. Sein Minimalziel sei, im Geschäftsjahr 1998/99 wiederum eine Dividende von 1,65 DM je Vorzugsaktie "plus X" zu erwirtschaften.

Der Optimismus wird gespeist durch eine nachhaltige Umsatzsteigerung im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres. Er stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Juli bis September 1997 von 816,7 Millionen auf 940,2 Millionen DM.

PZ-Artikel von Christoph Trick, München

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