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Das schnelle Triptan gegen Migräne

02.11.1998
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Govi-Verlag

Das schnelle Triptan gegen Migräne

In Deutschland leiden acht Millionen Menschen unter Migräne. Etwa 50 Prozent der Migräneanfälle lassen sich mit Analgetika wie ASS in Kombination mit Antiemetika wirksam bekämpfen. Bei schweren Anfällen setzen Mediziner heute einen der inzwischen vier verfügbaren Serotonin-Agonisten (Triptane) ein. Rizatriptan, die neuste Substanz, zeichnet sich durch einen besonders raschen Wirkungeintritt aus.

Zusammen mit der Entwicklung der selektiven Serotonin-(5-HT)-Agonisten hat sich die neurovaskuläre Hypothese der Migräne-Pathogenese etabliert. Initiales Ereignis ist wahrscheinlich eine "spreading depression", eine sich ausbreitende Depolarisierung cortikaler Neurone. Diese scheint trigeminale Neuronen zu aktivieren, so daß an den Nervenendigungen, die die meningealen Gefäße versorgen, Neuropeptide freigesetzt werden. Die Neurotransmitter bewirken eine Vasodilatation und Extravasation, welche wiederum die trigeminalen Nervenendigungen reizt, die den Impuls zentral weiterleiten.

Triptane konstringieren über 5-HT1B-Rezeptoren die erweiterten Gefäße und vermindern dadurch die Extravasation. Sie hemmen weiterhin prä- und postsynaptisch über die 5-HT1D-Rezeptoren die Freisetzung von Neuropeptiden. Dieser Angriff auf die trigeminale Neurotransmission ist die Ursache dafür, daß Triptane auch noch im fortgeschrittenen Migräneanfall helfen, erklärte Professor Dr. Karl Einhäupl, Berlin, auf der Einführungspressekonferenz für Rizatriptan (Maxalt®) in Essen. Einfache Analgetika müssen dagegen frühzeitig eingenommen werden, um ihren Effekt zu entfalten.

Auch Rizatriptan ist ein selektiver 5-HT1B/1D-Agonist. Diese Selektivität ist der größte Vorteil von Triptanen gegenüber Ergotamin, welches Serotinin-Rezeptoren sehr unspezifisch und breit stimuliert und damit Nebenwirkungen auslöst. Dr. Bastian Steinberg, praktischer Arzt aus Hamburg, hält es für höchste Zeit, sich in der Migräne-Therapie von Ergotamin zu verabschieden. An Koronararterien befinden sich 5-HT1B-Rezeptoren nur in sehr geringer Dichte. Studien haben gezeigt, daß Koronararterien durch Rizatriptan deutlich weniger als durch Sumatriptan beeinflußt werden.

Der größte Vorteil von Rizatriptan gegenüber anderen Triptanen ist der rasche Wirkungseintritt. Der maximale Plasmaspiegel ist nach einer Stunde erreicht, die Wirkung tritt bereits nach 30 Minuten ein, versicherte Dr. Sigurd Elz, Berlin. Rizatriptan wird durch MAO (Monoaminooxidase) A metabolisiert. Bei Patienten, die hohe Dosen Moclobemid und Propranolol erhalten, ist wegen der MAO-A-hemmenden Wirkung dieser Substanzen eine Dosisreduktion von Rizatriptan erforderlich. Die Bioverfügbarkeit von Rizatriptan liegt mit 45 Prozent höher als die von Sumatriptan (14 Prozent), die Rezeptoraffinität ist dreimal so hoch.

In placebokontrollierten Studien nahmen die Schmerzen von 71 Prozent der Patienten unter 10 mg Rizatriptan, von 62 Prozent unter 5 mg und von 35 Prozent unter Placebo innerhalb von zwei Stunden deutlich ab. Schmerzfrei nach zwei Stunden waren 42, 33 beziehungsweise 10 Prozent der Patienten. Der Anteil von Patienten mit Schmerzlinderung und Schmerzfreiheit unter 5 mg Rizatriptan entspreche dem unter 100 mg Sumatriptan. Die Dosis von 10 mg Rizatriptan sei 100 mg Sumatriptan leicht überlegen. Begleitsymptome wie Übelkeit und Phonophobie ließen unter Rizatriptan ebenfalls rascher nach als unter Sumatriptan. Die Nebenwirkungsrate lag unter Rizatriptan niedriger als unter Sumatriptan.

Professor Dr. Hans-Christoph Diener, Essen, nahm eine vergleichende Bewertung verschiedener Triptane anhand ihres Nettonutzens (Substanzeffekt minus Placeboeffekt) vor. Im Parameter "schmerzfrei nach zwei Stunden" schneide Rizatriptan in der Dosis von 10 mg eindeutig besser ab als alle anderen oralen Triptane beziehungsweise Rizatriptan in der Dosis von 5 mg. Naratriptan wirke dagegen schlechter und langsamer als andere Triptane.

Doch für welches Präparat man sich entscheidet, bestimmt die Praxis. Für jeden Patienten muß das Triptan gefunden werden, auf das er individuell am besten anspricht. Wenn ein Triptan nach drei Migräne-Attacken keinen Erfolg gebracht hat, sollte man auf ein anderes wechseln, so Diener. Maxalt® wurde am 25. September 1998 zugelassen und ist seit 15. Oktober auf dem deutschen Markt eingeführt.

PZ-Artikel von Angelika Bischoff, Gräfelfing

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