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02.11.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  03.11. Antihomotoxisches Mittel bei Schwindel
PZ. Sowohl ein Standardtherapeutikum als auch ein antihomotoxisches Medikament können Häufigkeit, Dauer und Intensität von Schwindelattacken signifikant mildern. Dies ergab eine Studie mit 119 Patienten, die den Effekt von Betahistin (20 mg/ml) mit Vertigoheel® (dreimal 15 Tropfen) über sechs Wochen verglich. Auch die Lebensqualität verbesserte sich in beiden Behandlungsgruppen kontinuierlich, berichtete Dr. Rainer Gottwald vor der Fachpresse. Die Wirksamkeit der Medikation wurde in beiden Gruppen in etwa siebzig Prozent der Fälle als sehr gut bis gut, die Verträglichkeit zu über neunzig Prozent als ausgezeichnet bis gut beurteilt. Die beiden Medikationen sind therapeutisch äquivalent, folgerte Gottwald aus den Ergebnissen der bereits publizierten Studie.

02.11. Vorschaltgesetz im Bundestag
PZ. Das Vorschaltgesetz zur Gesundheitsreform soll in den nächsten zwei Wochen von den Fraktionen der SPD und Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag eingebracht werden. Das Bundeskabinett wird sich damit nicht beschäftigen. Das hat heute in Bonn Dr. Marita Völker-Albert, Pressereferentin im Bundesgesundheitsministerium, angekündigt. Damit kann das Gesetz voraussichtlich wie geplant zum 1. 1. 1999 in Kraft treten, wenn der Bundesrat bei seiner Sitzung am 18. Dezember zustimmt. Ein Unsicherheitsfaktor ist allerdings noch, ob der Gesundheitsausschuß des Bundestages auf einer Anhörung besteht, was zur Verzögerung führen könnte. Gerhard Schröders Regierungserklärung ist für den 12. November vorgesehen. Nach Angaben von Völker-Albert wird an dein Gesetzentwurf noch gearbeitet. Die Grundlinien seien aber klar.

02.11. Biochemie übernimmt Fermentationsverbund
PZ. Die österreichische Biochemie, Kundl, hat den Fermentationsverbund von Hoechst Marion Roussel Deutschland erworben, hieß es in einer HMR-Pressemeldung. Über den Verkaufspreis wurden keine Angaben gemacht. Arbeitsplätze seien durch die Übernahme nicht gefährdet. Die Biochemie übernehme von den ehemals knapp 450 Mitarbeitern in diesem und im folgenden Jahr etwa 350 in die deutsche Tochtergesellschaft. Die restlichen Mitarbeiter würden bei Hoechst Marion Roussel Deutschland weiterbeschäftigt. Biochemie ist eine Tochtergesellschaft von Novartis Basel. Das Unternehmen gehört zu den weltweit größten Herstellern von Penicillinen und verfügt daher über Erfahrungen im Fermentationsgeschäft.

02.11. Kundenbarometer: Apotheken ganz oben
dpa. Apotheken, Autoversicherungen und Tankstellen schneiden bei der Kundenzufriedenheit in Deutschland am besten ab. Ganz unten in der Verbrauchergunst rangieren dagegen Verwaltung, Polizei, öffentlicher Nahverkehr und Deutsche Bahn. Zu diesem Ergebnis kommt das Kundenbaromter 1998 des Deutschen Marketing-Verbandes. Die häufigsten Defizite sind aus Sicht der Bürger ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis, ungünstige Öffnungszeiten sowie unverständliche Tarifsysteme, Rechnungen und Bedienungsanleitungen. Deutschland sei aber gemessen am Ausland keineswegs die oft behauptete Servicewüste, sagte Verbandspräsident Klaus Goehrmann bei der Vorstellung der Studie auf dem Deutschen Marketing-Tag am Freitag in München. Im Ländervergleich liege Deutschland im Mittelfeld. Insgesamt halte zudem der Aufwärtstrend bei der Zufriedenheit der Verbraucher an. Für das mittlerweile siebte Kundenbarometer wurden von Mai bis August mehr als 33.000 Verbraucher zu rund 1.000 Unternehmen und Organisationen aus 35 Branchen befragt. Die Deutsche Post rief die Studie ins Leben und fördert sie auch. Auf dem Marketing-Tag vergab der Verband in Düsseldorf zudem seinen diesjährigen Deutschen Marketing-Preis an die Deutschland-Tochter des britischen Hygiene- und Pharmakonzern SmithKline Beecham, London. Das Unternehmen habe erfolgreich gesundheitsorientierte Markenartikel plaziert.

30.10. Robert-Koch-Preis geht an Tumorvirologen
PZ. Für die Entdeckung eines neuen menschlichen Tumorvirus erhielten Professor Dr. Yuan Chang und Professor Dr. Patrick S. Moore von der Columbia-Universität in New York, USA den mit 120.000 DM dotierten Robert-Koch-Preis. Professor Dr. George Klein vom Microbiology and Tumor Biology Center des Karolinska-Instituts in Stockholm, Schweden, erhielt die Robert-Koch-Medaille in Gold. Die Preisträger Chang und Moore hatten das menschliche Herpesvirus Typ 8 (HHV8) entdeckt, das sehr wahrscheinlich das Kaposi-Sarkom auslöst, hieß es in einer Pressemeldung des Robert-Koch-Instituts. Beim Kaposi-Sarkom handelt es sich um einen Tumor, der die Haut und die inneren Organe befällt. Die Erkrankung tritt besonders häufig bei HIV-Patienten auf, kommt jedoch auch unabhängig von AIDS in bestimmten Regionen Afrikas vor. Chang und Moore konnten das Virus kultivieren und seine Erbinformation entschlüsseln, so das Robert-Koch-Institut. Ihre Arbeit sei die Grundlage für eine neue Forschungsrichtung gewesen, die sich speziell mit krebserregenden Viren befaßt. Klein wurde für seine Arbeiten über das Epstein-Barr-Virus ausgezeichnet. Das Virus gehört ebenfalls zur Herpes-Familie und gilt als Auslöser verschiedener Krebsarten und des Pfeifferschen Drüsenfiebers.

30.10. UN startet Anti-Malaria-Kampagne
dpa. Die Vereinten Nationen haben eine weltweite Anti-Malaria-Kampagne gestartet, an der sich auch die Pharmaindustrie und die Weltbank beteiligen. Bis zu 500 Millionen Menschen werden jährlich von der Krankheit befallen. Für etwa eine Million endet die Krankheit tödlich. Neben der Entwicklung neuer Medikamente setze das Projekt vor allem auf die Verteilung von Moskitonetzen in Afrika, teilten UN-Vertreter bei der Vorstellung der Kampagne am 30. Oktober in New York mit. Die mit einem Insektizid imprägnierten Netze könnten vor allem die Infektionsrate bei Kleinkindern drastisch senken. Die Entwicklung eines sicheren und preiswerten Malaria-Impfstoffs werde noch mindestens sieben Jahre dauern, erläuterten UN-Vertreter. Die Hauptinitiatorin der Kampagne, die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Gro Harlem Brundtland, sagte, die Pharmaindustrie werde mit finanzieller Unterstützung von Regierungen und Spendenorganisationen künftig intensiver als bisher an der Entwicklung von Medikamenten und möglichen Impfstoffen gegen die Infektionskrankheit forschen. An der Anti-Malaria-Kampagne beteiligen sich auch das UN-Kinderhilfswerk (Unicef) und die UN-Organisation für Entwicklung (UNDP). Malaria ist nach den Worten von Harvard-Professor Jeffrey Sachs ein Haupthindernis für die wirtschaftliche Entwicklung. Studien zeigten, daß Krankheit und bleibende Gesundheitsschäden das Einkommen eines Menschen um bis zu zwölf Prozent schrumpfen ließen.

30.10. Kampagne über Herzrhythmusstörungen
dpa. Mit einer bundesweiten Kampagne will die Herzstiftung im November über Herzrhythmusstörungen aufklären und Ängste nehmen. Unter dem Motto "Wenn das Herz aus dem Takt kommt" sind 500 Veranstaltungen geplant, wie der Sprecher der Stiftung, Martin Vestweber, am 30. Oktober in Frankfurt mitteilte. Fast jedes Herz schlage irgendwann einmal unregelmäßig. Diese Rhythmusstörungen könnten jedoch völlig harmlos sein. Um eine schwere Erkrankung auszuschließen, sollten Betroffene jedoch unbedingt einen Arzt aufsuchen. "Die wichtigste Aufgabe ist es, zunächst die Grundkrankheit, die die Herzrhythmusstörungen verursacht, zu behandeln und andere Faktoren auszuschalten." Patienten, deren Herzschlag aus dem Takt geraten ist, sollten auf Alkohol, Nikotin und Kaffee verzichten, Streß meiden und ausreichend schlafen. Eine Broschüre zum Thema "Herzrhythmusstörungen heute" kann bei der Herzstiftung, Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main gegen Einsendung von fünf Mark in Briefmarken angefordert werden.

29.10. Hoechst kooperiert mit Uni Frankfurt
dpa. Das Biozentrum der Goethe-Universität Frankfurt und die Frankfurter Hoechst AG werden in der Grundlagenforschung zur Entwicklung von neuen Medikamenten und Pflanzenschutzmitteln künftig zusammenarbeiten. In einer vierjährigen Forschungskooperation wird die Hoechst-Tochter Aventis Research & Technology GmbH die Wissenschaftler der Universität auf einem Spezialgebiet der Biochemie ("Nuclear Magnetic Resonance"-Spektroskopie, NMR) mit elf Millionen Mark unterstützen. Die NMR-Methode ermöglicht den Forschern, die dreidimensionale Struktur von körpereigenen Proteinen zu ergründen, die bei Krankheiten eine Rolle spielen. So können Substanzen entwickelt werden, die direkt auf diese Eiweiße wirken. "Die Frankfurter Universität gehört zu den weltweit führenden Standorten der NMP-Forschung", sagte der Präsident der Goethe-Universität, Werner Meißner. Mit der finanziellen Unterstützung sei es nun möglich, diese Spitzenstellung weiter auszubauen. Am 29. Oktober unterzeichneten Meißner und Ernst Schadow vom Vorstand der Hoechst AG in Frankfurt den Vertrag für die Zusammenarbeit. Die Universität wird noch eine zusätzliche Professur für dieses Arbeitsgebiet einrichten.

29.10. Stechapfel in Hexensalben und Zaubertrank
dpa. Der Stechapfel kann Verwirrtheit, Delirium und Gedächtnisschwund hervorrufen und im Extremfall sogar bleibende Hirnschäden. Seine Wirkstoffe, unter anderem Scopolamin, beschleunigen zudem den Herzschlag, trüben das Sichtfeld, erweitern die Pupillen, erhöhen die Körpertemperatur und führen zu Mundtrockenheit. "Der Stechapfel führt normalerweise nicht zu lebensbedrohlichen Vergiftungen", sagte Professor Dr. Michael Lentze von der Informationszentrale gegen Vergiftungen des Landes Nordrhein-Westfalen an der Universitätskinderklinik Bonn. Bei hohen Dosierungen könne das Gift aber epileptische Krämpfe verursachen. Als Folge seien Sauerstoffmangel im Gehirn und damit bleibende Hirnschäden möglich. Der Stechapfel war in Europa wichtiger Bestandteil in sogenannten Hexensalben sowie Zauber- und Liebestränken. Bei den Inkas und im alten Indien spielte er als Götterdroge eine wichtige Rolle, war aber nur Eingeweihten vorbehalten. Aufgrund seiner starken Giftigkeit wurde er in der Medizin zunächst wenig genutzt. Er diente später als krampflösendes Mittel bei Asthma und Keuchhusten. Der Stechapfel (Datura stramonium) ist ein Nachtschattengewächs mit großen hängenden Blüten in weiß, gelb, rosa oder orangerot und stacheligen Früchten. Er wächst mit mehr als 20 Arten in gemäßigten, subtropischen und tropischen Zonen. Die bekannteste Art ist die aus Mexiko stammende Engelstrompete.

28.10. Andrea Fischer will sparen statt kürzen
PZ. Die neue Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer wird zumindest nicht in naher Zukunft den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung kürzen. Vielmehr seien Sparpotentiale im System auszuschöpfen, betonte sie am 28. Oktober bei ihrer Amtseinführung in Bonn. Unbestritten sei, daß das deutsche Gesundheitswesen eine hohe Qualität aufweise. Aber ob das "zu diesen Preisen sein muß", stellte die Ministerin in Frage. Das Bundesgesundheitsministerium erhält die Zuständigkeit für die Pflegeversicherung, die aus dem Arbeitsministerium ausgegliedert wird. Wie die neue Gesundheitsministerin Andrea Fischer erklärte, gibt ihr Ministerium dafür die Zuständigkeit für die Sozialhilfe ab. Noch nicht entschieden ist, ob auch die Abteilung Rehabilitation aus dem Arbeits- in das Gesundheitsministerium übersiedelt.

28.10.Interferon beta-1b bei fortgeschrittener MS
PZ. Das Committee for Proprietary Medicinal Products (CPMP) hat sich für eine Zulassungserweiterung von Interferon beta-1b (Betaferon®) ausgesprochen. Nach dem endgültigen O.K. durch die EMEA kann das Interferon künftig auch bei Patienten mit sekundär progredienter Multipler Sklerose eingesetzt werden, um den Krankheitsverlauf zu verzögern und die Schubfrequenz zu vermindern. Der Hersteller Schering rechnet mit der Zulassung im ersten Quartal 1999. Bei etwa der Hälfte aller Patienten, bei denen zunächst eine schubförmige MS diagnostiziert wird, schreitet mit der Zeit die Erkrankung zur sekundär progredienten Form fort. Der Antrag auf Zulassungserweiterung beruht auf den Ergebnissen einer klinischen Studie an 718 Patienten, die mindestens zwei Jahre lang behandelt wurden, heißt es in einer Presseinformation von Schering. Für dieses Krankheitsbild wurde weltweit noch keine medikamentöse Behandlung zugelassen.

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